Die Alben des Jahres 2003
- Gotthard – Human Zoo
- Vertical Horizon - Go
- Pride Of Lions – Pride Of Lions
- Toto – Live In Amsterdam
- Bob Catley – When Empires Burn
- Harem Scarem - Higher
- Nickelback – The Long Road
- Sugababes - Three
- Train – My Private Nation
- Evanescence - Fallen
Zahlreiche Hochkaräter landeten 2003 in Musictommy's Plattenschrank. Das
schweizerische Rock-Quintett Gotthard hinterließ dabei den besten Eindruck, knapp vor
der Modern-US-Rock/Pop-Band Vertical Horizon. Für positive Überraschungen sorgten
das ehemals tragende Survivor-Mitglied Jim Peterik mit seinem Projekt Pride Of Lions
sowie Magnum-Sänger Bob Catley. Während Toto gewohnt souverän ihre Live-Qualitäten
dokumentierten, unterstrichen Harem Scarem abermals ihre Fähigkeit zum Ohrwurm-Melodic-Hardrock. Mehr als soliden Modern-Hardrock präsentierten Nickelback, mit einem substanzreichen Album überzeugten die Sugababes, den hohen Ansprüchen nach
Durchbruchalbum "Drops Of Jupiter" konnten Train durchaus gerecht werden und letztlich
schufen Evanescence einen ganz außergewöhnlichen Rock-Mix.
Sicherlich waren die Ansprüche der fünf Schweizer sehr hoch. Mit dem 2003er Album
"Human Zoo" wollte man endlich auch internationale Erfolge feiern.
Insbesondere liebäugelte man mit einer Top 10-Notierung in Deutschland, der Eroberung
der US-Charts sowie Etablierung der Marke Gotthard in Europa. Für die
Umsetzung dieses Vorhabens hatte man sich zu einer Neubesetzung des
Produzentenstuhls durch Marc Tanner, einem international anerkannten Fachmann,
durchgerungen. Dass man das Hauptziel nicht erreichen konnte, hat vielerlei Gründe, von
denen die fehlende Medien-Unterstützung wohl die entscheidendste Rolle gespielt haben
mag. Dieser Punkt soll hier aber nicht weiter erörtert werden, dafür ist das Produkt,
"Human Zoo", viel zu gut. Begleitet wurde das Hammer-Album von einer grandios
gelungenen Tour. Hier spielten die um den Keyboarder Paolo Bolio verstärkten Steve Lee,
Hena Habbeger, Leo Leoni, Mandy Meyer und Marc Lynn ein faszinierendes Programm
aus Altem und Neuem, begeisterten das Fan-Volk. Wenn man die 2003er Live- und
Studioleistung der Band als Paket ansieht, muss der Band ein absolut grandioses Jahr
attestiert werden.
Die Mixtur, welche Gotthard auf "Human Zoo" servieren, ist exzellent, für jeden
Geschmack ist etwas Herausragendes dabei. Flotte Rocksongs wie "Top Of The World"
und "One In A Million", gemäßigt treibende Melodic-Rocker, bspw. "What I Like" und
"Where I Belong", aber mit dem Titeltrack auch ein Song, der durchaus seine Fühler zur
Modern-Melodic-Hardrock-Ecke á la Nickelback ausstreckt, schmücken das Werk.
Gotthard-Balladen nehmen von Natur aus Sonderstellungen ein, dies ist mit "Have A
Little Faith", "Still I Belong To You" und "What Can I Do" nicht anders; hier wird Steve
Lees Stimme am meisten gefordert, hier kann er seine außergewöhnliche Power am
stärksten umsetzen. Dank dieser hervorstechenden Attribute erreichte "Human Zoo" in
der Schweiz selbstverständlich wieder # 1 und Doppel-Platin-Status [wird ab 80.000
verk. Exemplaren verliehen]. In Deutschland musste man sich mit # 29 zufrieden geben,
was im Vergleich zu den vorherigen Studioalben, "Open" [# 21] und "Homerun" [# 14],
gar einen leichten Rückschritt ausmachte.

Das hat eindeutig zu lange gedauert! 2000 hatte die US-Band Vertical Horizon
mit "Everything You Want" einen Nr. 1-Hit in ihrer Heimat, erst mehr als drei Jahre
später veröffentlichten sie im September 2003 den Nachfolge-Longplayer zum
gleichnamigen Doppel-Platinalbum. Da muss trotz zusätzlichem Tourstress wesentlich
früher etwas kommen. Dabei trifft Matt Scannell [Songwriter, Vocals, Guitar, Keyboards],
Sean Hurley [Bass], Ed Toth [Drums] und Keith Kane [Vocals, Guitar] nur eine
Teilschuld. Schließlich hatten sie die neue Langrille "Go" bereits im Spätsommer
2002 fertig gestellt, die US-Veröffentlichung verschob sich in letzter Konsequenz alleine
aufgrund des zögerlichen Agierens der Plattenfirma RCA um ein Jahr nach hinten. In
Deutschland gibt es meines Wissens nach wie vor nur die Importversion. Frustrierender
Zustand für eine Band, welche solch grandiose Leistungen abliefert. "Go" enthält nämlich
massenweise Radio-Futter für den amerikanischen Markt.
Vertical Horizon brechen die Lanze für den gitarrenorientierten Mainstream-Rock-Song
und demonstrieren eindrucksvoll, wie eingängig Rock aus Amerika auch heute noch sein
kann. Die vom guten Vorgängeralbum übersprungene Höhe schafft "Go" mühelos, legt
dabei aber locker noch einmal 25% zu. Umso ärgerlicher ist es, dass die Band dank
obengenannter Missstände lediglich eine Woche in den Billboard-Top 100 gastierte, auf #
61. Die Tracks des 2003er Longplayers besitzen durchweg hohe Substanz, höchst
ausgefeilte Mehrstimmen-Gesangsharmonien, starkes Hymnenpotenzial, sensationelle
Refrains und Melodien. Zudem weist die Band ein exzellentes Gespür für die rechte
Platzierung der einzelnen Songs auf: Zwischen die zahlreichen Midtempo/Balladen-Stücke
[Herausragend: "When You Cry", "I'm Still Here", "Forever", "Goodbye Again" und
"Inside"] gesellen sich zwei straighte Rockfetzer, "Sunshine" und "One Of You".
Außerdem überzeugt die Gesangsperformance, die auf Pat-Monahan- oder Rob-Thomas-Niveau liegt.

Pride Of Lions, damit können viele, die nicht ständig auf dem Laufenden im
Melodic-Rock/AOR-Bereich sind, auf Anhieb vermutlich erst mal gar nichts anfangen.
Dass hinter dem Bandnamen aber ein ehemaliges Hauptmitglied einer der ganz großen
80s-Gruppen dieses Genres steckt, macht die Sache dann schon interessanter. Jim
Peterik heißt der Meister, in den erfolgreichen Achtzigern der kongeniale Partner von
Frankie Sullivan bei Survivor. Die Band stand damals für gradlinigen US-Rock mit
ordentlich Melodie und extrem starker Gesangsperformance, Pride Of Lions hauen exakt
in die selbe Kerbe. Freilich schlägt das längst nicht mehr so hohe Wellen wie in den
80ern, aber unter den Freunden des gepflegten AOR sorgte das Album "Pride Of
Lions" gegen Ende 2003 noch einmal für höchste Glücksgefühle, schließlich ist die
Scheibe nicht nur musikalisch ein Leckerbissen, mit dem zweiten Leadsänger Toby
Hitchcock holte Jim Peterik darüber hinaus einen jungen Mann [26] an Bord, der es mit
Jimi Jamison, Bobby Kimball oder dem jungen Steve Walsh aufnehmen kann.
Peterik [Gesang, Gitarren, Keyboards, Song-Writing, Produktion] und Hitchcock bilden im
Kern Pride Of Lions und setzen insbesondere dann absolute Glanzmomente, wenn sie sich
die Vokalarbeit teilen. Man muss sich das vorstellen, JP trägt die gemäßigten Passagen
im Stile des heutigen Steve Walsh, Gerry Rafferty oder David Paich vor und TH
übernimmt die hohen Parts; das erinnert an das furiose Gesangsduell zwischen David
Paich und Joseph Williams bei Toto's "Home Of The Brave" [1988]. Mit Songs wie "Sound
Of Home" [flott, Toto/Survivor in Bestform plus eine Brise Journey], "Music And Me"
[Hymne!], "First Time Around The Sun" [locker-lässig beswingte Toto-Nummer], "Turn To
Me" [Uptempo, Survivor/Toto], "Madness Of Love" [komplexer Midtempo/Balladen-Song
mit Progressiv-Elementen] oder den kraftvollen [Gesang von TH!!] Balladen "Last Safe
Place" und "Gone" haben Pride Of Lions ein wahres AOR/Melodic-Rock-Prachtstück
geformt, welches Fans von Survivor, Toto und Giant bestens, aber auch Journey- oder
Foreigner-Liebhaber gut bedient.
Mal schauen, für 2004 haben sich Frankie Sullivan und Sänger Jimi Jamison mit Survivor
viel vorgenommen und planen ein neues Album, dem ersten seit dem 88er "Too Hot To
Sleep", wenn man das Jimi Jamison's Survivor-Album "Empires" aus 1999 mal außer
Acht lässt. Dass ihr ehemaliger Mitstreiter mit "Pride Of Lions" die Quali für die New-AOR-Champions-League schon geschafft hat, werden die Survivor-Mannen bestimmt nicht auf
sich sitzen lassen. Mein Vorschlag: Wenn Peterik schon nicht mehr mitmachen will, wie
wär's denn dann mit ein paar 'Bananenflanken' in Form von Unterstützung beim Song-Writing?

Wer 2002 oder 2003 eines der Toto-Konzerte im Rahmen des 25-jährigen
Jubiläums der Gruppe besuchte, konnte sich von der ausgesprochen guten Form der als
klassische Live-Band bekannten Truppe überzeugen. "Live In Amsterdam"
dokumentiert dies, wie es besser nicht sein könnte: musikalische Perfektion, Spielfreude,
mehr als ansprechende Songauswahl, zahlreiche Überraschungseffekte, exzellente
Produktion. Vergleicht man "Live In Amsterdam" mit den handwerklich erstklassischen
"Livefields" [1999, mit BK, aber viel B- und C-Material] und "Absolutely Live" [1993,
ohne wirklichen Leadsänger], so muss festgestellt werden, dass es sich bei "Live In Amsterdam" durch die Teilnahme von Ur-Sänger Bobby Kimball und der Best-Of-orientierten Trackauswahl zum ersten wirklich um einen rundum würdigen Live-Mitschnitt handelt. Durch die Konzentration auf die Outputs der 70er und 80er ergänzt um zwei gelungene Adaptionen aus dem "Through The Looking Glass"-Album, "While My Guitar Gently Weeps" und "Bodhisattva", bieten die fünf erstklassigen Musiker Steve Lukather [Gui, Voc], David Paich [Key, Voc], Mike Porcaro [Bass], Simon Phillips [Drums] und Bobby Kimball [Voc] sowie die vortrefflichen Ergänzungsspieler Tony Spinner [Gui, Voc] und John Jessel [Key, Voc] den Fans eine in jeder Hinsicht Over-The-Top-Live-Performance.
In zwei atemberaubenden Medleys wird spielerische Leichtigkeit ganz besonders deutlich.
Die Band lässt in Medley 1 auszugsweise "Girl Goodbye", "Goodbye Elenore", "Child's
Anthem" und I'll Supply The Love" ineinander übergehen, für Medley 2 hält man neben
dem charmanten, ausufernden "Waiting For Your Love" noch Fragmente aus "Georgy
Porgy", "Lion", "Hydra", "English Eyes" und "Till The End" bereit. Wenn's hingegen um die
Top-Hits der Band geht, kann's nur eine Antwort geben: "Africa", "Rosanna" und "Hold
The Line" mit Bobby Kimball – that's it!! Überhaupt fragt man sich permanent, wo und v.
a. womit der inzwischen langsam auf die 60 zugehende Sänger seine Stimme ölt ;-). Das
beweist er insbesondere auch bei der Schlusshymne "Home Of The Brave", wo Bobby die
im Original von Joseph Williams performten High-Vocals großartig wiedergibt. Des
Weiteren ist hervorzuheben, dass man in "Afraid Of Love" einen der großartigsten,
rockigsten Toto-Uptempo-Songs berücksichtigt hat. Auch die alternative Pop-Version von
"I Won't Hold You Back", welche zum Ende hin wieder Classic-Format annimmt, zeugt
von der Kreativität, die in dieser Band steckt. Das Lukather-Gitarren-Solo in diesem Song
ist schlichtweg geniale Arbeit. Dabei sagte Steve Lukather kürzlich in einem Interview, er
wäre an diesem Abend in Amsterdam schlecht drauf gewesen. So ein Tiefstapler ;-)!!!
[Die "Live In Amsterdam"-DVD/CD erreichte # 50 der deutschen Charts.]

Ich muss schon zugeben, Magnum, die Hausband von Bob Catley, fand ich
immer ganz in Ordnung, aber vom Hocker gerissen haben mich die Songs der Truppe nie
sonderlich. An entscheidenden Stellen [Refrain, Gesamtsound] ließ die Band stets das
gewisse Etwas vermissen. Umso überraschter war ich beim Durchhören der "Rock It"-CD
aus dem Juni/Juli 2003, als ich zum Catley-Solo-Titel "I'll Be Your Fool" kam. In diesem
Stück präsentieren sich Catley und seine Mitstreiter Paul Hodson [Keys, komponierte alle
Stücke], Vince O'Regan [Gui], Al Barrow [Bass] und Jamie Little [Dr] vom ersten Moment
an in einer bestechenden Form; starke Melodic-Guitar, cooler Refrain, Bombast-Gute-Laune-Sound, tolle Backgrounds, schöne Keyboard-Passagen; alles Attribute, die einen herausragenden Song ausmachen. Die Konsequenz aus diesem positiven Aha-Erlebnis:
Es stand plötzlich eine CD ganz weit oben in der 'Must Buy'-Liste, mit der ich definitiv
nicht gerechnet hätte, "When Empires Burn".
Und wirklich: Den Kauf dieser Scheibe braucht niemand zu bereuen, dem Bombast-Melodic-Prog-Hardrock etwas bedeutet. Über eine Stunde servieren Catley & Band ein
teilweise mit starken DIO/Whitesnake-Elementen gestaltetes Menü, welches
insbesondere auch durch die geniale, kraftvolle Gesangsleistung des Chefs überzeugt.
Die dramatischen Songstrukturen mit oftmals langen Instrumentalpassagen [Keyboards!]
sowie die kristallklare, grandiose Gitarren-Handschrift von O'Reagan bilden das
kongeniale, fette Sound-Gewand. Einige Highlights dieser opulenten Meisterleistung:
"Children Of The Circle", "The Prophecy", "This Is The Day" [für alle drei gilt:
bombastischer, flotter Hardrock mit einschlägigen Refrains]; "Gonna Live Forever"
[Pop/Rock], "Every Beat Of My Heart" [Ballade] oder "Meaning Of Love" [Ballade] sind
dagegen Magnum-related, allerdings mindestens ein bis zwei Klassen besser/spannender
geraten; letztlich das sparsamer instrumentierte Abschlussstück "When The Earth Lies Still" [sensationell leidenschaftliche Gesangseinlage von Catley].

Harem Scarem sind eine Klasse-Band, da gibt's nix zu rütteln! Dies
unterstreicht die Band um Harry Hess [Gesang, Keyboards, Gitarre] und Pete Lesperance
[Gitarre, Keyboards] auch mit dem 2003er Longplayer "Higher", der [knappe]
38 Minuten herrlich ungezwungenen Melodic-Hardrock der modernen, gitarrenorientierten
Machart bietet. Jeder der 10 Songs ist ein Knaller, ein Ohrwurm und kommt zwangsläufig
– bei dieser kurzen Gesamtspielzeit - recht schnell zum Wesentlichen, dem Refrain. Dass
die Band diesen Hauptbestandteil eines Stückes ziemlich gut beherrscht, beweist sie
schon seit der Debütscheibe aus dem Jahr 1991. Sicherlich, einige Kritiker bemängelten
an "Higher", es sei ja nun nichts mehr Besonderes, eben das übliche HS-Programm. Man
kann dies aber auch anders sehen, schließlich bestätigt das Songwriter-Duo
Hess/Lesperance ein ums andere Mal sein ausgesprochen stark ausgeprägtes Gespür für
eingängige Melodien. Zudem schaffen Harem Scarem es, den Spaßfaktor auf "Higher" im
Vergleich zum 2002er Meisterwerk "Weight Of The World" noch ein wenig nach oben zu
schrauben. Die Songs klingen durchweg positiver, was alleine schon als
Weiterentwicklung angesehen werden kann.
Wenn man konkret zu den Songs der Band kommt, fällt eine weitere Stärke der Kanadier
auf. Jeder der vier Musiker – Barry Donaghy am Bass und Creighton Doane am
Schlagzeug komplettieren das Quartett – ist mindestens mit gutem Gesangstalent
ausgestattet, was die vorzüglichen Mehrstimmen-Refrains und Background-Passagen
ermöglicht. Um die Leistung von Lead-Sänger Hess zu bewerten, muss man hingegen
höhere Noten ziehen. Seine Power und Ausdrucksstärke ist beeindruckend, dies wird
bereits im furiosen, modernen Opener-Track "Reach" mehr als deutlich. Anspieltipps aus
einem Sammelsurium von Top-Songs sind "Waited", welches sich nach feinem Akustik-Start zum mitreißenden Classic-Melodic-Rocker entwickelt, "Give It To You", das
phasenweise Melodic-Punk-Rock-Elemente aufweist, "Lucky Ones" [Power-Track!] und
der Titelsong, die Ballade "Higher", welche sich durch eine faszinierende Steigerung im
Verlauf auszeichnet. Dass HS auf "Higher" auch ein bisschen komplex klingen können,
hört man in "Lies", einer powergeladene Hymne, die Prog-Rock-Key-Einlagen enthält.

Es ist verdammt schwer, nach einer Multiplatinscheibe und dem damit verbundenen
weltweiten Durchbruch eine Fortsetzung zu schreiben. Nickelback haben sich in
diesem Kontext für die sichere Variante entschieden. Sie schieben "Silver Side Up" mit
"The Long Road" einen ähnlich strukturierten Longplayer nach und bleiben
damit in der Erfolgsspur, was Top 10-Notierungen in den USA, Großbritannien und
Deutschland belegen. Dennoch bin ich der Meinung, dass der 2003er Output noch ein
Quäntchen stärker gelungen ist als "Silver Side Up". Die Gründe liegen auf der Hand:
Nickelback bringen eine äußerst gesunde Mischung ihres Power-Modern-Melodic-Hardrock
hervor, die abwechslungsreich gestaltet ist und einige Facetten abdeckt. Zudem
erscheinen die Songs noch etwas eingängiger als auf dem Vorgängeralbum.
Die besagte Eingängigkeit tritt bei der äußerst radiokompatiblen Single "Someday" zum
Vorschein, ohne dass man auf die üblichen Nickelback-Markenzeichen, das ein oder
andere härter Riff, zweistimmige Gesangspassagen im Refrain, dominante Energie-Stimme von Chad Kroeger, verzichten muss. Die Stücke "Do This Anymore", ein "How You Remind Me"-Bruder, und "See You At The Show" passen in die gleiche Rock/Pop-Schublade. Zwei Power-Rock-Balladen garnieren das neue Werk der Kanadier in besonders angenehmer Art, "Feelin' Way Too Damn Good" und "Should've Listened" überzeugen in jeder Hinsicht. Mit Uptempo-Tracks wie "Believe It Or Not" [Neo-Progressiv-Touch], "Because Of You" ["St. Anger"-Metallica in der melodischen Form] und "Another Hole In The Head" [Nirvana-Elemente] haben Nickelback selbstverständlich wieder einige Mitreißer am Start.

Mir gefallen sie einfach gut, optisch wie musikalisch: die Sugababes. Doch ihre
dritte Scheibe ["Three"] nimmt eine Ausnahmestellung im bisherigen Werk der
drei Mädels und ihrem Songschreiber-/Produzenten-Team ein. Klar, die erste Platte "One
Touch" [noch mit Siobhan Donaghy] wurde diktiert vom Über-Hit "Overload", geriet
insgesamt aber nur knapp überdurchschnittlich, das zweite Album "Angels With Dirty
Faces" war dann in sich schon wesentlich kompakter. Der 2003er Streich kommt
indessen einem Meisterwerk gefährlich nahe und festigt die Extrastellung, welche das
Trio unter den Girl-Groups geniest. Immer wieder streuen die Sugababes zwischen die
zahlreichen Pop-Ohrwürmer experimentelle, anspruchsvolle Tracks und auch innerhalb
der Stücke erzeugen für Teeny-Formationen nicht eben typische Breaks positive
Spannung. Zudem ergänzen sich die Stimmen des Trios Heidi, Mutya & Keisha perfekt,
sowohl im Zusammenspiel als auch im Sologesang.
"Three" liefert nicht nur in den ersten beiden Single-Auskopplungen "Hole In The Head",
einem unvergleichlich groovenden Reißer mit Top-Refrain, und "Too Lost In You", von
Diane Warren geschriebene Hammerballade, Futter für Hitparaden und Radiostationen.
Zumindest drei weitere potenzielle Brit-Top 10-Anwärter bieten sich mit "Caught In The
Moment" [ähnlich wie "Stronger", mit Streichern verzierte Ballade], "Conversation's
Over" [New-Pet Shop Boys-Sound, Pop-R'n'B-Hymne] und "In The Middle" [Pop/R'n'B,
opulentes Uptempo-Format] an. Selbstverständlich wird auch bei diesen drei Songs Wert
gelegt auf markante Ohrwurm-Refrains. Abwechslung bringen Songs wie "Whatever
Makes You happy" [schräg], "Nasty Ghetto" [lässig-schleppender R'n'B] oder "Situation's
Heavy" [Brit-Pop-R'n'B-Mischung], welche durch ihre kantige Machart, aber auch
erstaunlich hohe Substanz Aufmerksamkeit erwecken. Summa summarum bleibt
festzuhalten: Ohne die Sugababes wäre die Musikszene um eine Attraktion ärmer!
["Three" erreichte in Großbritannien # 3, in Deutschland # 10 als Höchstnotiz.]

Schade, "My Private Nation" wurde für Train nicht zum großen Wurf
in den USA. Zwar gab es immerhin Gold für 500.000 abgesetzte Einheiten [Stand: Ende
2003], aber den Erfolg des 2001er "Drops Of Jupiter"-Albums [Doppel-Platin in den USA]
verfehlte man bis dato. Mag ja vielleicht auch daran liegen, dass die 2003er Platte zwar
sehr gut geworden ist, allerdings nicht ganz an das schwindelerregend hohe Niveau von
"DOP" heranreicht. Wobei die Vorzeichen gar nicht mal so schlecht standen, denn die
Platte kam wieder auf # 6 des Billboards – genau wie besagtes Vorgängeralbum –,
stürzte aber relativ schnell ab. Die erste Single "Calling All Angels" ähnelte nicht nur
strukturell dem Erfolgssong "Drops Of Jupiter (Tell Me)", sie verbrachte auch eine lange
Zeit in den US-Charts [Höchstnotiz: # 19], konnte sich jedoch nicht so vorteilhaft in
Szene setzen wie seinerzeit der bislang einzige US-Top 10-Hit der Band.
Verglichen mit den USA schnitten Train in Deutschland grausig ab. O.K., das Geld sitzt
bei den Plattenfirmen nicht mehr so locker wie in den 80ern oder großen Teilen der 90er,
aber "My Private Nation" derart stiefmütterlich zu behandeln, wie dies Sony Deutschland
tat, ist nicht nachvollziehbar. Während die oben genannten Vertical Horizon in den
deutschen Longplay-Charts noch nicht in Erscheinung traten, was das passive Verhalten
der Plattenfirma in diesem Fall immerhin ansatzweise erklärt, können Train zumindest
auf mehrere Wochen Top 40-Platzierung mit dem 2001er Album und massig Airplay
verweisen. Erfolgspotenzial war hier also schon gegeben. Vermutlich lieferte aber der
mäßige Erfolg in den Vereinigten Staaten die Basis für Handeln bzw. Verweigerung, was
sich in einer immer wieder nach hinten verschobenen D-VÖ, mangelnder Promotion und
letztlich – logischerweise – im Verpassen der Top 100 äußerte.
"My private Nation" enthält insgesamt vier bis fünf absolute Top-Highlights, wobei
stellenweise auch Titel auftauchen, welche nicht so recht über das Prädikat 'nett und
gefällig' hinauskommen. Hier sind bspw. "All American Girls" oder "Save The Day" zu
nennen. Das macht den Unterschied zum ausgeglichen starken "Drops Of Jupiter"-Werk
aus. Herausragend sind hingegen neben der ersten Single der Titeltrack "My Private
Nation", ein Melodic-Power-Rocker mit grandiosem Killer-Refrain und ausgereiften
Background-Gesangseinlagen, und die drei hymnischen Train-Balladen "When I Look To
The Sky" [zweite Single], "Lincoln Avenue" und "I'm About To Come Alive", in welchen
Pat Monahan eine Weltklasse-Gesangsleistung vollbringt. Diese Stücke eignen sich
perfekt für weitere Auskopplungen, die, sollten Train bei der diesjährigen Grammy-Verleihung Erfolg haben – "Calling All Angels" ist in zwei Kategorien nominiert -,
durchaus noch Sinn machen könnten, um dem "My Private Nation"-Silberling ein
Comeback in 2004 zu verschaffen. [nachträgliche Info: Train gingen bei den Grammy-Awards leer aus]

Evanescence sind eine der Gruppen des Jahres 2003. Ihr Album "Fallen" will gar nicht mehr aus den internationalen Top 10 verschwinden, strich z.B. Vierfach-Platin in den USA [4 Millionen Ex., HP: # 3, Stand: 14.02.2004], Platin in Deutschland [weit über 300.000, HP: # 2], x-fach-Platin [genaue Zahlen sind mir nicht bekannt, geschätzt: Doppel-Platin, also 600.000, HP: # 1] in Großbritannien ein. Das Langzeitgastspiel wurde auch begünstigt durch die drei Hitsingles "Bring Me To Life", "Going Under" und "My Immortal", welche sich mit schöner Regelmäßigkeit Top 10-Notierungen abgriffen. Und ausgerechnet in solch einem Erfolgsjahr verabschiedet sich Ben Moody, der Gitarre spielende Teil des Kreativ-Duos Lee/Moody, von der Band [Oktober]. Als Nachfolger wurde im Januar Terry Balsamo präsentiert, welcher die Position der Lead-Gitarre übernehmen wird. Ob das Ex-Mitglied der australischen Band Cold auch beim Songschreiben ähnlich talentiert ist wie Moody, muss sich noch zeigen.
Definitiv angefangen hat die Geschichte mit Musik aus dem "Daredevil"-Soundtrack. In
"Bring Me To Life" servierten Evanescence zusammen mit dem für die Rap-Parts light
zuständigen Sänger der Gruppe 12 Stones, Paul McCoy, ein ganz besonders reizvolles
Stück Nu-Metal-Rock. Während die Gitarren dieses druckvollen, sehr melodischen Songs
stark an Linkin Park erinnern, sorgt der Gesang von Amy Lee für Harmonie. Seine
außergewöhnliche Spannung erfährt "Bring Me To Life" durch die Duelle zwischen McCoy,
der auch seine melodischen Vocal-Parts sehr gut meistert, und Lee. Das von bombastisch
arrangiertem Melodic-Nu-Metal-Light-Goth-Rock/Pop-Sound dominierte "Fallen" hat über
diesen hervorragenden Single-Lockstoff hinaus noch sehr viel mehr Attraktives zu bieten.
Obwohl die stets leicht mystisch-verträumt daherkommenden Tracks meist ähnliches
Format besitzen, entwickelt das spannungsreiche Zusammenspiel von Amy Lees
Zaubergesang und den Moody'schen Guitarsalven definitiv etwas Magisches.
Mit "Going Under" oder "Tourniquet" überzeugen die rockorientierten Bombast-Songs wie
auch tendenzielle Rock-Balladen der Marke "Imaginary" oder "My Last Breath". Das leicht
meditative "My Immortal", das in der Single-Version um einen Rock-Endspurt
angereichert wurde, kommt auf dem Longplayer im reinen Piano-Gewandt daher, und
repräsentiert mit "Hello" die stillen Momente der Scheibe.

Die Singles des Jahres 2003
- Taxiride - Afterglow
- Pride Of Lions – Sound Of Home
- Gotthard – What I Like
- Matchbox Twenty - Unwell
- Vertical Horizon – I'm Still Here
- Evanescence Feat. Paul McCoy- Bring Me To Life
- Nickelback - Someday
- Guano Apes - Quietly
- Sugababes - Stronger
- Michelle Branch – Are You Happy Now?
- Reamonn - Alright
- Avril Lavigne – I'm With You
- The Cardigans – You're The Storm
- Jeanette – Right Now
- Natasha Thomas – Why (Does Your Love Hurt So Much?)
- No Doubt – It's My Life
- Sugababes – Hole In The Head
- Melanie C. – Here It Comes Again
- The Rasmus – In The Shadows
- Good Charlotte – Girls And Boys
** 2002 überraschte die australische Band Taxiride mit einem vorzüglichen
Album-Zweitling: "Garage Mahal". 2003 schickten sie noch eine Single aus
dieser Scheibe ins Rennen: Frühlingslaune-Song "Afterglow", einem der Ober-Highlights
aus diesem Longplayer! Hier stimmt alles: mehrstimmiger Harmoniegesang, Killer-Refrain und fetter, hochmelodischer Gitarrensound. Fein: In 2004 darf ein neues Taxiride-Werk erwartet werden! **
** Pride Of Lions, das Projekt um Jim Peterik und Toby Hitchcock, startete mit
einer EP/Single-Vorab-Veröffentlichung. Hierfür hatte man sich einen der besten Songs
des Longplayers ausgesucht. "Sound Of Home" war ein genialer Appetizer fürs
Album: Toto/Survivor at it's best, Neal-Schon-Gitarren-Passagen, vorzügliches JP/TH-Gesangsduell mit genialer Steigerung im mitreißenden Refrain. **
** Sensationell, die erste Single aus dem 2003er Gotthard-Album [nur in der
Schweiz als solche veröffentlicht, in Deutschland: Promo-Single]. "What I Like"
glänzt mit einem tollen, kraftvollen Refrain, leidenschaftlichem Gesang und
gewachsenem Zusammenspiel von Gitarren und dezenten Keys. In den Schweizer Charts
kam man damit auf # 18. Als das Rock-Quintett den Power-Midtempo-Song beim WM-Boxkampf von Sven Ottke im Juni als Anheizer-Hymne präsentierte, wurde dessen Qualität besonders deutlich. Zwei weitere Auskopplungen gab's in der Schweiz: "Janie's Not Alone" und "Have A Little Faith" [# 49]. **
** 2003 erschien die sehr starke dritte Matchbox Twenty-Platte "More Than You
Think You Are", welche bis dato [07.02.2004] über zwei Millionen Abnehmer in den
Staaten fand [# 6, D: # 11]. Drei Singles wurden daraus erfolgreich ausgekoppelt:
"Disease" [US: # 29, D: # 85], "Bright Lights" [dritte Single, # 23] und vor allem
"Unwell". Der herausragende, gute Laune verbreitende melodische Midtempo-Song stand etliche Wochen in den US-Top 10 [HP: # 5] und landete in der
Jahresendabrechnung des Billboards auf # 6. Als Lohn wurden Matchbox Twenty für den
Grammy 2003 in den Kategorien 'Best Pop Performance By A Duo Or Group With Vocal'
["Unwell"] und 'Best Rock Album' ["More Than You Think You Are"] nominiert. [nachträgliche Info: Matchbox Twenty gingen bei den Grammy-Awards leer aus] **
** "I'm Still Here", ein hochmelodischer Modern-Melodic-Rock-Song mit
sensationellem Refrain, ist qualitätsmäßig genauso gut wie der Tophit "Everything You
Want" aus dem Jahr 2000, dementsprechend hätte dieses Stück locker in die US-Top 20
gepasst. Leider interessierte sich im Herbst 2003 kaum einer mehr für Ohrwurm-Musik
aus dem Hause Vertical Horizon. **
** Sie setzten in der Tat eines der Single-Highlights des Jahres 2003:
Evanescence und ihr "Bring Me To Life". Die Kombination
Sängerin/Rapper hatte man bis dahin im Rock-Genre selten erlebt, sie eröffnete ein
faszinierendes Spannungsfeld. Und eben darin findet man den Hauptgrund für den
Riesenerfolg dieser aus Arkansas stammenden Band. "Bring Me To Life" erreichte in
Deutschland # 2, Großbritannien # 1 und den USA # 5. "Going Under", die zweite
Auskopplung, schaffte # 15 in D sowie # 8 in GB. Ende 2003 erschien mit der Ballade
"My Immortal" eine weitere Single, die in der Band-Version [mit furiosem Rock-Finale]
überragend aus den Boxen schallt und bis ins Jahr 2004 hinein Top 10-Plätze in
Deutschland [# 5] und England belegte [USA: in der Aufwärtstendenz, per 14.02. auf #
30]. **
** "Someday", die erste Single aus dem neuen Nickelback-Album "The
Long Road", überzeugt mit zweistimmigen Gesangspassagen, vor allem aber
hochmelodischen Songstrukturen. Auch das Guitar-Solo ist nicht von schlechten Eltern.
Die Band um den dominanten Frontmann Chad Kroeger hat es mit diesem fürs Radio
konzipierten Song locker in die deutschen Airplay-Top 5 geschafft. In den Singlecharts
erreichte "Someday" # 26 in Deutschland, eine # 6 in Großbritannien und # 7 in den
USA [Stand: 14.02.2004, noch steigende Tendenz]. **
** Es sind stets die Power-Songs der Guano Apes, die es in den Charts bis ganz
nach oben gepackt haben, die Balladen halten sich merklich zurück. Mit der druckvollen
ersten Single aus dem Gold- und No. 1-Album "Walking On A Thin Line", "You Can't Stop Me", und den Nachfolge-Singles "Pretty In Scarlet" sowie "Quietly", einer
sagenhaften, grandiosen Monster-Ballade, bei welcher Sandra Nasic in ganz
außergewöhnlicher Form auf ihr Gesangstalent verweist, war es im Jahr 2003 ähnlich.
Erstgenannter Song stieg bis # 10, die beiden anderen Stücke erreichten jeweils # 51.
Bevor sich die Apes in eine 2004er Auszeit verabschiedeten, verabreichten sie dem Fan-
Volk noch ein Live-Dokument ["Live"], welches # 26 der germanischen Hitparade
erklomm. **
** Zum einen landeten die Sugababes 2003 noch zwei Hits aus dem 2002er Album
"Angels With Dirty Faces". So geschehen mit "Stronger", das spannend-
dramatischen Stoff mit genialem Refrain und Massive Attack-Background-Sound bietet,
welches # 7 in GB und # 38 in D holte, und "Shape Of My Heart" [GB: # 11, D: # 40].
Im Oktober kam dann das neue Werk "Three" in die Läden und warf bis Anfang 2004
zwei weitere Hits ab: "Hole In The Head" [unverwechselbar groovender Pop-Reißer mit Top-Refrain], das # 1 in GB und # 9 in D [Airplay: wochenlang # 1] erreichte,
und die großartige, im Dezember ausgekoppelte Ballade "Too Lost In You" [wird ziemlich
sicher in Musictommy's Hits des Jahres 2004 landen], der # 10 in GB und # 14 in D [im
Januar 2004] gelang. "Hole In The Head" war nach "Overload" [2001: # 3] die zweite
Single, die es in die deutschen Top 10 packte. **
** Mit dem Debüt-Album "The Spirit Room" schaffte die junge Michelle Branch
2001/2002 den Durchbruch; insbesondere in den Vereinigten Staaten, wo sie zwei
Millionen Longplayer verkaufte und sich zweimal in den Single-Top 20 platzierte. Das
zweite Werk ist dann oft schwieriger, da man unter einem gewissen Erfolgsdruck steht.
"Hotel Paper", welches auf # 2 in den USA [Platin für eine Million abgesetzter Ex., Stand
Februar 2004] und # 43 in Deutschland stieg, ist trotzdem sehr gut gelungen,
wenngleich es reifer klingt als der Vorgänger. Die erste Single "Are You Happy Now?", mitreißend-luftiger Gitarren-Rock/Pop mit superstarkem Refrain und
bitterbös-sarkastischem Text, schob sich bis an # 16 des Billboards. Die geniale zweite
Single "Breathe" [packend!, ein klarer Kandidat für Musictommy's Hits aus 2004]
kletterte im Dezember 2003 überraschend nur auf # 36 der US-Hitparade. **
** Im Februar 2004 gastiert das dritte Reamonn-Album "Beautiful Sky" seit fast
vierzig Wochen in den deutschen Charts. Der Longplayer, der als Höchstposition # 3 erreichte, bekam 'Platin' für 200.000 und mehr abgesetzte Exempl. verliehen [Stand: 21.02.2004]. Das gute Werk, welches insgesamt aber etwas eintönig daherkommt, erschien im November noch einmal mit einer Bonus-CD, welche Orchester-Versionen u.a. der beiden Singles "Star" und "Alright" enthielt. Man nannte das Baby 'Winter-Edition'. Opulenten
Balladen-Pop/Rock und kraftvollen Gesang bieten die vorgenannten Auskopplungen,
beide zählen zu den besten "Beautiful Sky"-Tracks. "Star" kletterte bis # 23, "Alright"
schaffte mit # 17 gar die beste Reamonn-Platzierung nach dem 2000er Top-Hit
"Supergirl" [# 4], zudem verbrachte das Teil bis jetzt 20 Wochen in den Top 100. **
** Avril Lavigne, 19 Jahre jung, Gitarren-Pop/Rock Hoffnung aus Kanada, bewegt
sich seit letztem Jahr wie ein Wirbelwind durch die internationalen Album- sowie
Single-Charts. Ihre Langrille "Let Go" verkaufte sich in den USA sechs Millionen Mal [HP:
# 2; GB: # 1, Verkäufe: mehr als eine Million, D: # 2, Verkäufe: ca. 500.000]. Die erste
Single "Complicated" erreichte in den USA ebenfalls # 2 [GB & D: # 3], "Sk8er Boi", die
zweite Auskopplung, packte # 10 des Billboards [GB: # 8, D # 18]. "I'm With You", eine erstaunlich gut gelungene Ballade, die so leidenschaftlich vorgetragen
wird, dass es einem warm um Herz wird, schaffte als Single-Streich III eine # 4 in der
Billboard-Liste [GB: # 7]. In Deutschland platzierte sich dieser Song, der eine echte
Alternative zum Tralala-Punk-Pop der ersten beiden Hits bietet, auf # 13 [Airplay-HP: #
1]. 2003 gab's mit "Losing Grip" noch eine vierte, weniger erfolgreiche Lavigne-Single. **
** 1997 hatten die schwedischen Cardigans in "Lovefool" einen satten Monster-Hit. Der Titel aus dem Soundtrack zur "Romeo & Julia"-Verfilmung mit Leonardo DiCaprio
und Claire Danes landete auf # 6 der deutschen Charts, in England gar auf # 2. Mit
Ausnahme des Duetts mit Tom Jones, "Burning Down The House" [1999, GB: # 7, D: #
27], sah man die Band um die sexy-weich singende, schöne Nina Persson eher seltener
in internationalen Single-Spitzenrängen. Leider blieb auch der grandios gelungenen
Ballade "You're The Storm" [faszinierender Refrain, melancholisch-harmonischer
Gesang] aus dem 2003er Album "Long Gone Before Daylight" [D: # 24] der ganz große
Erfolg verwehrt. **
** Rockige Songs von Jeanette scheinen besonders anzukommen beim Publikum.
2002 und 2003 landeten "Rock My Life" [# 3], "Right Now" [# 4, beide aus
dem Album "Rock My Life", Top 10] und "Rockin' On Heaven's Floor" [# 3, aus dem
Album "Break On Through", Top 10] ganz weit vorne in den Charts. Wobei "Right Now"
als gut gelungene locker-flockige Gute-Laune-Rock/Pop-Nummer meiner Meinung nach
am besten gelungen ist. Dünne Stimme hin, dünne Stimme her, auch die im 80ies-US-Rock-Stil gehaltenen "Rock My Life" und "Rockin' On Heaven's Floor" beweisen, dass die
kleine, schnuckelige Nette sich verbessert hat. Überhaupt war 2003 ihr erfolgreichstes
Jahr mit zwei weiteren Top 10-Erfolgen: "We've Got Tonight" und "It's Over Now". **
** 1987 geboren ist sie, die Dänin Natasha Thomas. Die Cover-Version eines
früheren GB-Top 10-Hits von Carly Simon aus dem Jahr 1982 hat ihr Alex Christensen
[machte ATC zum Global-Act] prima auf den Leib geschneidert. "Why (Does Your Love Hurt So Much?)" kommt als schöner, tanzbarer Gute-Laune-Pop mit super-catchy Refrain daher. Der leichte Ace Of Base-Touch und die süße Stimme gereichen
ebenfalls zum Vorteil. Eine starke Video- und Radio-Präsenz [in den Airplay-Charts
kletterte "Why" bis # 6] katapultierte die Mitsing-Nummer immerhin bis # 40 der D-Charts. **
** Mit einer sehr frischen Adaption des im Jahr 1984 mittelmäßig erfolgreichen Talk Talk-Songs "It's My Life" erreichten No Doubt zum dritten Mal deutschen
Top 10-Boden [# 9, US: # 10, GB: # 20], nach "Don't Speak" aus 1996/97 und "Hey Baby" aus 2002. Der Song, der zeitlich gerade noch so in die 2003er Wertung
reinrutschte und aus "The Singles 1992 – 2003" [D: # 14, US: # 2, GB: # 5, Stand: 01.03.2004] entstammt,
landete in den deutschen Airplay-Charts gar auf # 1. **
** Einst machte Melanie C. als eine der besten Stimmen der Spice Girls von sich
reden. Bereits Ende 1998 stellte sie in einem Duett mit Bryan Adams ["When You're
Gone"] allmählich die Weichen für eine Solokarriere. 2000 konnte sie mit zwei Singles,
"Never Be The Same Again" und "I Turn To You", jew. Position eins in England erobern,
in Deutschland landeten beide in den Top 5. Das Album "Northern Star" war in GB und D
[Gold für mehr als 150.000 abg. Ex.] für Top 10-Notierungen gut. Im Frühjahr 2003
erschien dann ihr zweites Werk "Reason", welches # 13 [GB: # 5] in den D-Charts
packte. Insgesamt lief die Platte dem Erfolg von "Nothern Star" doch recht deutlich
hinterher. Selbst die hervorragende Single "Here It Comes Again" [GB: # 7]
enttäuschte in den D-Charts erheblich, lediglich # 59 [Airplay-HP: # 18] wurde erreicht.
Das melodische Power-Gitarren-Rock/Pop-Stück ist fett, rockig, stark im Refrain und
profitiert von der gewohnt markanten Stimme Melanie C.'s. Da sich die Protagonistin
zudem noch ihrer überflüssigen Pfunde entledigt hatte und im Video wieder richtig fesch
daherkam, standen die Vorzeichen ganz klar auf Erfolg. Komisch, dass der Titel trotzdem
nicht so richtig funktioniert hat ... **
** The Rasmus aus Finnland bestehen im einzelnen aus Lauri Ylönen [Voc], Eero
Heinonen [Bs], Pauli Rantasahni [Gui] und Aki Hakala [Dr]. Bereits seit 1995
veröffentlichen die vier jungen Herren Singles und Alben. 2003 eroberten sie große Teile
Europas, indem sie mit ihrem Sound Teenys und gestandene Melodic-Rock-Fans
vereinten. Mit "Dead Letters" [Gold für 150.000], ihrem sechsten, durchaus gelungenen
Longplayer, und der flotten, gitarrenorientierten Single "In The Shadows" gab's jeweils #
1 der D-Charts zu bejubeln. Die zweite Single "First Day Of My Life" kam noch auf # 6. **
** Good Charlotte, die US-Band um die Zwillingsbrüder und Hauptmembers Joel
[Lead Vocals] und Benji Madden [Vocals, Lead Guitar], hat sich mit Blink 182-related
Melodic-Punk-Pop/Rock nicht nur eine Stammgemeinde in den Vereinigten Staaten
erspielt, auch in Europa erzielt die Truppe bereits respektable Chartnotierungen. Das
zweite GC-Album, "The Young And The Hopeless", fand in den Vereinigten Staaten über
zwei Million Abnehmer [HP: # 7], in Deutschland hielt man sich über 20 Wochen in der
Hitliste [HP: # 37, GB: # 15]. Die flotte Single "Lifestyle Of The Rich And Famous"
[überzeugender Refrain!] stürmte die deutschen Top 30 [# 27, US: # 20, GB: # 8],
"Girls And Boys", ein weiteres Prachtstück aus dem GC-Spaß-Punk-Pop/Rock-Repertoire, schaffte es hierzulande nicht ganz so hoch [HP: # 47, US: # 48, GB: # 6],
bohrt sich aber durch einen einfachen, sehr effektiven Ohrwurm-Refrain in den
Gehörgang des Zuhörers. Auch "The Anthem", die dritte Single aus dem Longplayer
"TYATH", gab ihre Visitenkarte in der hiesigen Hitparade ab: # 52. **
|