Die Alben des Jahres 1985

  1. Asia - Astra
  2. The Alan Parsons Project - Vulture Culture
  3. Saga - Behaviour
  4. Billy Joel - Greatest Hits Vol. 1 & 2
  5. REO Speedwagon - Wheels Are Turning

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Bombast-Rock

Bis kurz vor Ende des Jahres 1985 hieß für mich der Sieger des Jahres Alan Parsons. Als aber im Dezember die Gruppe Asia ihr drittes Album herausbrachte, war klar, daß sich an der Spitzenposition noch etwas ändern mußte.

Als neuen Gitarristen präsentierte man den vorzüglichen Mandy Meyer, der zuvor bei der schweizerischen Hardrock-Formation Krokus spielte und viel später ab 1997 bei Gotthard mitwirken sollte. Doch mit "Astra" entfernten sich Asia noch weiter von der Chartsspitze als mit dem Vorgänger-Album. Hatte man im Jahr 1983 in der Single "Don't Cry" noch ein echtes "Zugpferd" im Stall, fehlte der neuen CD ein durchschlagender Hit gänzlich. Die erste Single "Go" plazierte sich noch in den US Top 50, dem Album konnte dies aber nicht genügend Impulse geben, um sich zum Verkaufserfolg zu entwickeln.

Mit grandiosen Songs wie "Go", "Voice Of America", "Hard On Me", "Rock And Roll Dream" oder "Too Late" fabrizierte die Band dennoch ein weiteres Melodic-Meisterwerk, das wiederum mit durchgängiger Stärke imponieren konnte und die Vorzeigeattribute der Band erneut zum Vorschein brachte. Asia's Ausbeute anno 85/86 blieb so weit hinter den Erwartungen zurück, daß man eine anberaumte Tournee absagte und die Band vorerst auflöste: In Deutschland # 48, den USA # 67 und England # 32.

Kunstvoller Bombast-Pop

Die Alben von The Alan Parsons Project wurden im Laufe der Jahre immer mehr zu kleinen Popkunstwerken. Der episch-orchestrale Sound der Siebziger war auf "Vulture Culture" auf ein Minimum reduziert worden. Die erste Single "Let's Talk About Me", "Days Are Numbers (The Traveller)" oder "The Same Old Sun" trieben den Musikkritikern die Schweißperlen auf die Stirn. Das neue Material der Formation war vielleicht musikalisch nicht besonders anspruchsvoll, aber es war schön! Und zumindest in Deutschland setzte man die Erfolgsstory fort. "Vulture Culture" verkaufte erneut über 250.000 Einheiten (-> 'Gold') und stand am 11.03.1985 auf # 1 (höchste Plazierung in US # 46, in GB # 36).

Kanadischer Progrock

Was die höchste Plazierung angeht, konnte die Gruppe Saga mit "Behaviour" in Deutschland ihren größten Erfolg verzeichnen. Am 19.08.1985 stieg das Album auf # 9 ein und bewegte sich eine Woche später auf # 2 (US # 87). Allerdings betrug die Aufenthaltsdauer der fünf Kanadier insgesamt nur 16 Wochen in den deutschen Charts. Weitaus weniger als dies bei den drei vorangegangenen Platten der Fall war. Saga verpaßten somit auch die 'Gold'-Meßlatte.

Saga's unverwechselbarer Sound war auf "Behaviour" austauschbarer geworden. Für die bestehende Fangemeinde war das überhaupt kein Problem, denn man konnte sich mit dem neuen Werk sehr schnell anfreunden. Aber das Außergewöhnliche an der Gruppe, die Kunst einen Song klassisch anzuhauchen und so spannend zu gestalten, daß er bei mehrmaligen Hören immer besser ins Ohr geht, fehlte hier schon ein wenig. Einige der neuen Titel wie "You And The Night", "Misbehaviour" oder "(Goodbye) Once Upon A Time" [Ausnahme: das Intro zum Lied - einfach genial!] nutzten sich demnach auch recht zügig wieder ab.

Dennoch enthielt die Platte auch 'echte' Werte: "Listen To Your Heart", "Take A Chance", "Easy Way Out", "Here I Am", "Out Of The Shadows" und die erste Single "What Do I Know" lieferten gewohntes Saga-Niveau [die restlichen Songs "Promises" u. "Nine Lives Of Miss Midi" befanden sich irgendwo im Niemandsland]. "Behaviour" war das letzte Top 10-Album von Saga in Deutschland.

Pop&Rock-Entertainment

Billy Joel ist seit der zweiten Hälfte der 70er Jahre in Amerika und Großbritannien ein Superstar. In Deutschland dauerte es mit seinem Durchbruch bis ins Jahr 1989 mit der Single "We Didn't Start The Fire" und dem Album "Storm Front". Seine Greatest Hits-Sammlung konnte folgerichtig in beiden erstgenannten Ländern voll in die Top 10 durchstarten (US u. GB # 6). In deutschen Landen hielt sich der Erfolg mit # 33 in Grenzen.

Was aber waren die Meilensteine, die hier in Deutschland noch relativ ignoriert wurden? Nun, die Singles "Just The Way You Are" aus dem Jahr 1977 (US # 3), "My Life" (1978 - US # 3 / GB # 10) oder "Honesty" (1979 eine # 17 in den USA) zählten zu Joel's ersten Songs mit höchstem Wiedererkennungswert. Die Alben "The Stranger" (1977 US # 2), "52nd Street" (1978 US # 1, GB # 10) und "Glass Houses" (1980 US # 1, GB # 6) rundeten den Erfolg des Musikers in den Siebzigern und Anfangsachzigern ab. Dabei stieß "My Life" 1979 hierzulande sogar bis Position 5 der deutschen Airplay-Charts vor.

Verkaufstechnisch erklomm er aber erst 1983 erstmals die deutschen Top 20 mit der Single "Uptown Girl" (US # 3, GB #1). Einem der Songs, mit denen sich Billy Joel nach einem zwischenzeitlichen leichten Durchhänger wieder in die Herzen der Briten und vor allem der Amerikaner zurückspielte. Das Album "An Innocent Man" aus dem Jahr 1983 enthielt mit "Tell Her About It" noch einen weiteren Top-Hit (US # 1, GB # 4) und kletterte sowohl in Großbritannien als auch in den USA bis # 4. In den Staaten gastierte "An Innocent Man" über 1 1/2 Jahre in den Album-Charts und ging als das Joel-Album mit der längsten Verweildauer in die Geschichte ein.

Fröhlicher US-Rock

Zugegebenermaßen, REO Speedwagon zählten nicht eben zu den Gruppen mit absolut überragenden Alben. Vielmehr gelang es der Band mit tollen Singles (z.B.: "Keep On Loving You", "Take It On The Run", "Keep The Fire Burning") die Albumverkäufe nach oben schnellen zu lassen. Mit dem 85er Werk "Wheels Are Turnin'" war das nicht anders. Und wiederum spielten sie sich bis auf # 7 der US-Charts vor. Getragen vom überragenden Erfolg der Single "Can't Fight This Feeling", schaffte es auch "One Lonely Night" auf # 19. Mit "I Do Wanna Know" und "Live Every Moment" befanden sich noch zwei weitere Top 30- bzw. Top 40-Hits auf diesem Album.



Die Singles des Jahres 1985

  1. REO Speedwagon - Canīt Fight This Feeling
  2. Simple Minds - Donīt You (Forget About Me)
  3. Chicago - Youīre The Inspiration
  4. Propaganda - P-Machinery
  5. Don Henley - The Boys Of Summer
  6. Huey Lewis & The News - The Power Of Love
  7. John Parr - St. Elmoīs Fire (Man In Motion)
  8. The Alan Parsons Project - Letīs Talk About Me
  9. Asia - Go
  10. Saga - What Do I Know
  11. Survivor - The Search Is Over
  12. Bryan Adams - Heaven
  13. A-ha - Take On Me
  14. Foreigner - I Want To Know What Love Is
  15. Propaganda - Duel
  16. Mr.Mister - Broken Wings
  17. Martinelli - Cenerentola (Cinderella)
  18. Starship - We Built This City
  19. Glenn Frey - You Belong To The City
  20. Moti Special - Cold Days, Hot Nights

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** Das Jahr 1985 stand ganz im Zeichen einiger Klassiker der Achtziger. REO Speedwagon hatten mit der wunderschönen Ballade "Can't Fight This Feeling" ihre zweite No. 1 in den USA (D # 34, GB # 16). ** In Großbritannien bereits seit 1981 mit jedem Album in den Top 10 vertreten, wurde nun der Gruppe Simple Minds endlich der verdiente weltweite Erfolg zuteil. "Donīt You (Forget About Me)" hieß die Hymne, die sie in England zwar nur auf # 7 trug, dafür aber in Deutschland (# 4) und den USA (# 1) zum Topseller avancieren ließ. Das Album "Once Upon A Time" brachte es dementsprechend nicht nur in England (# 1), sondern auch bei uns (# 5 und "Platin" für über 500.000 verkaufte Einheiten) und in den USA (# 10) auf beachtliche Verkaufszahlen. ** Chicago koppelten den wohl schönsten Titel aus ihrem 84er Werk "17" aus: "Youīre The Inspiration", US # 3, GB # 11, D # 2 im Airplay. ** Die Gruppe Propaganda setzte ihren kurzen Erfolgsweg mit "P-Machinery" (# 26 in D, # 34 in GB) und "Duel" (# 30 in D und # 17 in GB) fort. Auch das Album "A Secret Wish" fand etliche Käufer (D # 24, GB # 9). **


** Zwei Ex-Eagles mischten im Jahr 1985 die Charts mächtig auf. Don Henley und Glenn Frey waren in den Siebzigern mir ihrer Band sehr erfolgreich. Nach vier US-# 1-Alben, drei US-# 1-Singles ("Hotel California", "One Of These Nights" und "Heartache Tonght") und acht weiteren US-Top 10-Singles hatte die Gruppe im Jahr 1980 kräftig die Nase voll vom Trubel und gab ihre Trennung bekannt. Erst 'wenn die Hölle gefriert' wollten sie wieder gemeinsam auftreten. Offensichtlich passierte dies im Jahr 1994 ;-)), denn so lange dauerte es, bis die Band sich mit dem sinnigerweise als "Hell Freezes Over" betitelten Comeback-Werk zurückmeldete. Eagles-Drummer u. -Sänger Henley landete anno 1985 mit "The Boys Of Summer" einen Hit für die Ewigkeit (US # 5, GB # 9, D # 18). Ebenfalls als eine der Stimmen der Eagles bekannt war Gitarrist Frey, der zunächst mit "The Heat Is On" (D # 4 und US # 2) seinen Solo-Durchbruch bewerkstelligte und dann in "You Belong To The City" einen würdigen Nachfolger - zumindest in den USA - ins Rennen schickte (US # 2). **


** Mittlerweile prächtig im Geschäft war die Gruppe Huey Lewis & The News. Ihr 84er "Sports"-Album verbrachte nicht nur fast zwei Jahre in den Billboard-Charts, 42 Wochen sogar in den Top 10, es enthielt zudem noch vier Top 10-Hitsingles: "Heart And Soul", "I Want A New Drug", "The Best Of Rock & Roll" u. "If This Is It". Jetzt belegten sie am 24.08.1985 mit dem "Zurück in die Zukunft"-Song "The Power Of Love" zum ersten Mal die Spitzenposition in der amerikanischen Single-Hitparade (D # 16). ** Eine weitere Filmmusik war in diesem Jahr außerordentlich erfolgreich. John Parr landete unter Betreuung des Chicago-Produzenten David Foster seinen mit Abstand größte Hit. "St. Elmoīs Fire (Man In Motion)" holte sich eine # 1 in den USA und kam jeweils auf # 6 in Deutschland und England. ** Die erste Single-Auskopplung aus dem erfolgreichen "Vulture Culture"-Album von The Alan Parsons Project, "Letīs Talk About Me", arbeitete sich noch einmal bis auf # 32 in Deutschland vor (US # 56). ** Der mäßige Erfolg der neuesten Asia-Single "Go" beschränkte sich zudem auch noch auf den US-Markt (# 46), und bestätigte den - kommerziell gesehen - steilen Abwärtstrend. Dabei wähnten sich Asia noch drei Jahre zuvor auf dem Rock-Olymp (US-Album des Jahres 1982). **


** Mit "What Do I Know" schaffte die kanadische Formation Saga zum zweiten Mal den Sprung in die deutschen Single-Charts (# 65). ** Der Gruppe Survivor glückte das Comeback in die Top 5 der US-Single-Hitparade ("The Search Is Over", # 4). ** Bryan Adams hatte in der Zwischenzeit seinen großen Durchbruch mit "Run To You" (US # 6 in 1984) vollzogen und konnte sich nun erstmals auch in Deutschland plazieren ("Heaven" - D # 28, US # 1, GB # 31). ** Wer weiß das eigentlich noch? Der weltweite Siegeszug der norwegischen Gruppe A-ha ging von den Amerikanern aus. Am 13. Juli 1985 stieg "Take On Me" bereits in die US-Charts ein, ungefähr drei Monate bevor sie sich in Deutschland bemerkbar machte. Am Ende eroberten Morten Harket & Co. in den USA, Deutschland und Großbritannien die # 1. ** Foreigner hatten mit "I Want To Know What Love Is" ihren größten Single-Hit und kamen sowohl in Amerika als auch Großbritannien auf Position 1 (D # 3). Auch das dazugehörige Album "Agent Provocateur" landete auf internationalen Spitzenrängen (US # 4, D & GB # 1). **


** Die Gruppe Mr.Mister konnte sich gleich mit der ersten Single "Broken Wings" [Ende 1985/Anfang 1986] in die Top 10 der wichtigsten Single-Charts spielen (D # 8, GB # 3, US # 1). ** Ein gewisser Martinelli plazierte seine wunderschöne Balladen-"Eintagsfliege" namens "Cenerentola (Cinderella)" in den deutschen Top 10 (# 8), wurde dort aber nie mehr wiedergesehen. ** Unter neuem Namen feierte die Gruppe Starship - ehemals Jefferson Starship, ehemals Jefferson Airplane - ihre größten Erfolge. "We Built This City" (US # 1, D # 10, GB # 13) war dabei nur der Auftakt zu zwei grandiosen Erfolgsjahren. ** Zum Abschluß des Jahres 1985 sei noch die deutsche Band erwähnt, die es mit zwei englischsprachigen Titeln in die Top 10 der deutschen Single-Hitparade schaffte: "Cold Days, Hot Nights" (# 3) und "Don't Be So Shy" (# 9) von Moti Special. **