
Mit ihren glockenhellen Gitarren versetzte die Band Boston seit 1976 die Musikwelt in
Verzückung. Allerdings machte sich das Projekt um den Mastermind Tom Scholz in den
Jahren immer recht rar. Das Debüt "Boston" erschien 1976 (US # 2 - 83 Wochen in den
Charts / D # 4). Hierauf ist auch die erfolgreiche Single "More Than A Feeling" (US #
4, D # 15) enthalten. Immerhin schon zwei Jahre später kam mit "Don't Look Back" das
Nachfolgealbum auf den Markt und erreichte wieder # 2 in den USA (D # 10). Die
gleichnamige Single kam in den Staaten auf # 8.
Mit "Third Stage" stand nun 1986 Album No. 3 in den Läden. Acht (!!) Jahre waren demnach
seit der letzten LP der Band vergangen, ein Zeitraum, in dem manch andere Gruppe in
Vergessenheit geraten wäre - nicht aber Tom Scholz' Boston. Sie knüpften sofort an die
Erfolge der Endsiebziger an. "Third Stage" kam sogar auf # 1 in den US-Charts und hielt
sich 20 Wochen in den Top 10 (D # 25, GB # 15). Die Singles "Amanda" (US # 1), "We're
Ready" (US # 9) und "Can'tcha Say (You Believe In Me)" (US # 20) trugen zu diesem Erfolg
erheblich bei.
Überhaupt klang das neue Boston-Album genauso kraftvoll und frisch, wie
die beiden Vorgänger-Alben. Die Band hatte also von ihrer Ausnahmestellung im Rock-Business nichts eingebüßt und produzierte immer noch diesen faszinierenden, bombastischen
Gitarrensound. Die Frage lautete nun eigentlich nur: Wie lange würden Tom Scholz und seine
Mitstreiter die Musikwelt auf Album No. 4 warten lassen? Diese Frage sollte erst im Jahr
1994 (!) eine Antwort finden.

Nach dem großen Erfolg des 90125-Album im Jahr 1983/1984 meldeten sich Yes mit ihrem
neuen Werk "Big Generator" zurück. Wieder in der Besetzung Anderson, Rabin, Squire, Kaye
und White, verfehlte man allerdings das Ziel, den Erfolg des Vorgängers noch zu übertreffen,
um Längen. Ganz im Gegenteil: "Big Generator" erreichte in den USA mit einer
enttäuschenden # 15 seine höchste Plazierung und kam in Deutschland gar lediglich auf
Position 25 (GB # 16).
Die neue Yes-CD war grandios. Mit dem Titel "Holy Lamp" zauberten die Musiker einen
Schlußsong hin, der so viel musikalische Schönheit besaß, daß man ihm gut und gerne 10
Minuten hätte lauschen können. Doch ausgerechnet dieser Titel war nach gut drei Minuten
brutal zu Ende :-(. Mit "Love Will Find A Way", "Shoot High Aim Low" und "Final Eyes"
waren auf dem neuen Yes-Werk drei weitere sehr melodiöse Songs zu finden. Dennoch war
"Big Generator" insgesamt um einiges disharmonischer als "90125". Aber gerade diese
Variation von harmonischen und komplexen Songs machte das Spannungsfeld der neuen Platte
aus. Der relative Mißerfolg der Gruppe im Jahr 1987 läßt sich möglicherweise aber
auch mit dem Fehlen einer markanten Single á la "Owner Of A Lonely Heart" erklären, die
1983 bekanntermaßen ja erst den Sturm auf die Charts eröffnete.

Auch die kanadische Rockband Loverboy stand im Zenit ihrer Leistungsfähigkeit. Mit dem
87er "Wildside" rockten die Jungs um Sänger Mike Reno los, wie in ihren Anfangszeiten.
Schon der Opener "Notorious" (die einzige halbwegs erfolgreiche Single aus diesem Album:
US # 38) gab die Richtung vor. Frisch, fröhlich und frei spielten sie nach Herzenslust eine der
positivsten Rockplatten jener Tage ein: "Break It To Me Gently", "Don't let Go", "Walkin' On Fire" etwa rockten das Haus. Es bestand keine Frage: Diese neue Platte strotzte nur
so vor Selbstbewußtsein. Waren die Kanadier mit ihrem letzten Album "Lovin' Every Minute
Of It" (1985 - US # 13, D # 54) doch ein wenig in amerikanischen 'Durchschnitts-Rock'
abgedriftet, standen sie nun wieder für die Eigenschaft, die sie einst mit dem bahnbrechenden
Album "Get Lucky" (1981) berühmt macht: ehrlicher und straighter Rock.
Auf "Wildside" folgte wirklich ein Rock-Kracher dem anderen, wobei der Bonustrack, die grandiose Ballade "Don't Keep Me In The Dark", das Rock-Meisterwerk perfekt abrundete. Wer sich
damals nur die Analog-LP zulegte, mußte auf "Don't Keep Me In The Dark" verzichten; wobei ich nimmermehr nachvollziehen kann, weshalb dieser US-Top-20-Anwärter als 'Bonus' eingestuft wurde!?. Hier hat man einen definitiven Single-Hit verschenkt!
Bei all diesem überschwänglichen Lob für das neue Album der Gruppe Loverboy, etwas
fehlte schon im Zusammenhang mit dieser Platte ...... der verdiente Erfolg! Gerade mal auf
Position 42 in den Vereinigten Staaten arbeitete sich "Wildside" vor. Tournee-Absagen
mangels Nachfrage und letztlich die Auflösung der Gruppe im Jahr 1990 waren die Folge.
Ein Jammer, der sich vielleicht mit einer "Don't Keep Me In The Dark"-Single hätte vermeiden lassen können.
Ich kann mich noch gut an ein Konzert der Gruppe Saga in Offenbach erinnern
(1988). Ich kam damals eigentlich, um endlich zum ersten Mal die Sadler-Truppe live zu sehen. Als Vorgruppe stand eine mir auch nicht ganz unbekannte Band auf der Bühne
- Loverboy. Dies war natürlich eine nette Sache für mich. Und dann fegte der Support los,
und hörte, wie es sich für eine gute Vorgruppe gehört, nach einer knappen 3/4 Stunde auf.
Danach interessierte mich das Saga-Konzert nur noch sekundär. Sie stahlen dem Hauptact
definitiv die Show!! Am allerliebsten hätte ich mir Loverboy noch drei, vier Stunden
angehört, so sensationell war das, was diese Musiker da von sich gaben.
Es sollte also wirklich so sein, daß fünf grandiose Musiker an der alten Regel des Geschäfts,
dem Erfolg, scheiterten. Denn: Auch das im Jahr 1989 erschienene Greatest Hits-Album
blieb in den Läden liegen - dazu später mehr.

Die Gruppe Glass Tiger hatte mit "Don't Forget Me (When I'm Gone)" und "Someday" zwei
Monsterhits in den USA. Auch in Deutschland war der Erfolg recht ansehnlich. Das Album
"The Thin Red Line" aber blieb - unverständlicherweise - ein Ladenhüter. In Deutschland
ging die CD auf # 41, in den USA gar nur auf # 42. Dabei bot das Werk durchweg genau das,
was die beiden Hit-Singles auszeichnete: Gepflegten Pop/Rock.
Im Jahr 1988 konnte die Band mit ihrem zweiten Album "Diamond Sun" zumindest in
Deutschland noch einmal auf # 34 kommen. Musikalisch war der Nachfolger dem Debüt-Album aber bei weitem nicht ebenbürtig.

1987 meldete sich mit Pink Floyd eine der ganz großen Bands zurück im Musikgeschäft.
Doch die Gruppe hatte in den letzten vier Jahren harte Zeiten hinter sich gebracht.
1983 gaben
Pink Floyd ihre Trennung bekannt, und die war nach dem unterirdisch schlechten "The Final
Cut"-Album auch dringend nötig. Doch diese Trendwende zum Schlechten hatte natürlich
ihre Ursachen. Um nach Gründen für den Niedergang einer der erfolgreichsten Gruppen der
Rockgeschichte zu suchen, muß man allerdings bis in die Siebziger zurückgehen. Mit "The Dark Side Of The Moon" brachten Roger Waters (Bass & Vocals), David Gilmour
(Vocals & Guitar), Rick Wright (Vocals & Keyboards) und Nick Mason (Drums) ein
Klassikeralbum auf den Markt. In den USA und Großbritannien erreichte es # 1. Bei den
Briten hielt sich das Werk ein Jahr in den Top 10 und insgesamt 140 Wochen in den Charts (für britische Verhältnisse astronomisch lang). In Amerika betrug die Verweildauer in den Top
100 immerhin noch 131 Wochen. In Deutschland war auf Position 3 Endstadion, das Album
hielt sich aber auch hier fast ein halbes Jahr in den Top 10. "The Dark Side Of The Moon"
war zwar nicht das erste Album der Vier, aber es machte sie zu Weltstars.
Zwei Jahre später war der nächste Charts-Dauerbrenner angesagt: "Wish You Were Here"
kam auf # 6 in Deutschland und blieb 294 Wochen (= mehr als 5 1/2 Jahre) in den Album-Charts (US & GB # 1). Bereits während dieser Erfolgsphase wuchs der Einfluß von Roger Waters in
der Band vehement an. Schon mit dem 77er "Animals" (D # 1, US # 6, GB # 2) drückte sich
Waters Hang zum Depressiven deutlich mehr in der Musik der Gruppe aus.
Der vorläufige (kommerzielle) Höhepunkt sollte 1979/1980 folgen. Mit "The Wall" landete die Band wieder
einen absoluten Megaerfolg (D # 1 - Verweildauer 105 Wochen, GB nur # 4 - aber
Verweildauer 140 Wochen, US # 1). Man schaffte es sogar endlich einen Single-Hit zu
fabrizieren, "Another Brick In The Wall Part II" belegte in allen drei hier aufgeführten
Ländern die Spitzenposition. Doch: Waters schrieb die ganze Rockoper nahezu im
Alleingang. Dies hatte Auswirkungen auf die Rest-Floyder: Keyboarder Wright war bereits kein Vollmitglied mehr und Gilmour sowie Mason litten ebenfalls unter dem egozentrischen Wesen Waters.
"The Wall" war klasse! Aber es kam wie es kommen mußte: Mit dem 83er "The Final Cut"
(ohne Rick Wright) trug sich die Band selbst zu Grabe. Dieses Album wurde zu einer extrem
depressiven Irrfahrt Waters. Dennoch erreichte man wieder # 1 in Deutschland und
Großbritannien (US # 6), aber mit einer deutlich kürzeren Aufenthaltsdauer in den Charts, als
man das von der Band gewohnt war.
Was folgte, waren jahrelange Rechtstreite zwischen Waters und den übrigen Drei. Letztlich
setzten sich Gilmour, Wright und Mason durch und veröffentlichten "A Momentary Lapse Of
Reason". In Deutschland plazierte sich die Platte auf # 2 der Albumcharts (US & GB # 3). Es
ging also auch ohne Roger Waters. Und das ganze klang auch gleich wieder etwas
"freundlicher" und positiver. Mit Songs wie "Learning To Fly", "On The Turning Away",
"One Slip" oder "Sorrow" machten die Drei genau die Musik, welche man von ihnen erwartete, zwar nicht so brillant wie früher, aber doch sehr ansprechend. Aber sie sollten sich noch
steigern und im Jahr 1994 doch tatsächlich fast wieder einen Klassiker auf den Markt bringen.
Dazu später einiges mehr an Infos.

Auf Triogröße waren Saga im Jahr 1987 geschrumpft: Michael Sadler und die Crichton-Brüder sollten für vier Jahre ohne Steve Negus und Jim Gilmour um die Gunst der deutschen
Fans werben. Ihr Album "Wildest Dreams" klang sehr melodiös und ging wiederum sehr schnell ins Ohr des Zuhörers. Die meisten der acht neuen Songs hatten sehr gutes Rock/Pop-Potential mit teilweise wirklich überzeugenden Refrains. Beste Beispiele: "Wildest Dreams", "Only Time Will Tell", "Angel" und "We've Been Here Before". Ja, ich muß zugeben, daß dieses neue Saga-Werk mir durchaus gefiel. Dennoch war es
Musik, die auch von etlichen anderen Mainstream-Gruppen hätte stammen können. Was für
"Behaviour" galt, die Austauschbarkeit, galt für "Wildest Dreams" insbesondere.
Unmittelbare Folge des Verfalls der traditionellen Saga-Kultur: Die Fangemeinde begann kleiner zu werden. Das neue Album plazierte sich auf # 18,
blieb aber lediglich sieben Wochen in den Charts. Eine mittlere Katastrophe für Saga-Verhältnisse. Doch es kam noch schlimmer. Der 89er Nachfolger "The Beginners Guide To
Throwing Shapes" verpaßte gar gänzlich den Sprung in die Charts. Mit dem Best Of Album
"The Works" kam die Band dann 1991 noch einmal auf # 18. Fortsetzung folgt .....

Die Heart-Mädels setzten mit ihrer neuen Platte "Bad Animals" den zwei Jahre zuvor
gestarteten neuerlichen Siegeszug fort. In Amerika kam das Album auf # 2, in Großbritannien
auf # 5. Hierzulande knackten die beiden, dank ihres größten deutschen Single-Hits seit
"Barracuda", "Alone", die Top 20 der Album-Hitparade (# 17). "Bad Animals" führte noch
zwei weitere (US) Single-Erfolge mit sich: "Who Will You Run To" (US # 7) und "Thereīs
The Girl" (US # 12). Eine Platte für Freunde des hard-melodischen US-80ies-Rock, die sich auch von der einen oder anderen Bombast-Ballade verzaubern lassen wollen.

Die Gruppe REO Speedwagon erreichte noch einmal eine Top 30 Notierung in den US-Albumcharts (# 28). "Life As We Know It" klang sehr nett und machte sich über die Hit-Singles "That Ain't Love" (US # 16) und "In My Dreams" (US # 19) bemerkbar. Weitere Anspieltips: "Accidents Can Happen", "Screams And Whispers", "Can't Get You Out Of My Heart".

Das Durchbruch-Werk in Amerika hieß für die Gruppe Genesis definitiv "Invisible Touch".
Phil Collins, der das Zepter der Band seinerzeit schon fest an sich gerissen hatte, Mike
Rutherford, welcher mit Mike & The Mechanics noch ein zweites erfolgreiches Projekt an der Hand hatte, und Tony Banks brachten es [bei insgesamt acht "Invisible Touch"-Titeln] auf nicht weniger als fünf
Top 5 Single-Hits in den USA!
Die Erfolgstitel im einzelnen: "Invisible Touch" (US # 1, GB # 13, D # 16),
"Throwing It All Away" (US # 4, GB # 22), "Land Of Confusion" [das war das Video mit
Ronald Reagan und den anderen 'Spitting Image'-Kollegen] (US # 4, D # 7, GB # 15),
"Tonight, Tonight, Tonight" (US # 3, D # 23, GB # 18) und "In Too Deep" (US # 3, D # 55,
GB # 26). Der "Invisible Touch"-Longplayer schaffte im Sog dieser Singles # 3 in den Staaten, # 2 in
Deutschland und # 1 in Großbritannien.

1987 hatte die Cutting Crew mit den gleichen Problemen wie die Gruppe Glass Tiger zu
kämpfen. Ausgestattet mit einer Smash-Single ("(I Just) Died In Your Arms Tonight") und
einem bemerkenswerten Nachfolger ("I've Been In Love Before"), erreichte das sehr gefällige
Album "Broadcast" nur mittelmäßige Notierungen in den internationalen Charts (D # 49, US
# 16, GB # 48). Wobei der Pop/Rock-Fan hier doch ausgesprochen gut bedient wurde: "Any Colour", "Life In A Dangerous Time", "It Shouldn't Tke Too Long" als weitere Anspieltips.
** Auch im Jahr 1987 wollte der Höhenflug des Starships nicht enden. Mit der Titelmusik zum
Film "Mannequin" ("Nothing's Gonna Stop Us Now") schossen sie in Amerika und
Großbritannien den Vogel ab: # 1! In Deutschland gelang ihnen mit diesem unwiderstehlichen
Song ihr größter Hit ( # 3). ** Die zweite Single der Gruppe Glass Tiger ("Someday") hatte in
Deutschland mehr Erfolg als "Don't Forget Me (When Iīm Gone)" und landete auf # 26 (US #
7, GB # 66). ** David Coverdale (Ex-Deep Purple) hatte 1987 ein ganz großes Jahr erwischt.
Mit seiner Band Whitesnake feierte er nicht nur in Amerika Riesenerfolge. Das Album
"Whitesnake 1987" kletterte bis auf Position 2 in den USA und zählte dort mit seinen 41 (!)
Wochen Top 10 zu den bestverkauftesten Platten des Jahres. Auch in Großbritannien konnte
die Band dauerhaften Eindruck hinterlassen (45 Wochen in den Album-Charts / höchste
Position 7). In Deutschland blieb "Whitesnake 1987" zwar der Sturm in die Top 10 verwehrt,
# 13 und fast ein Jahr Aufenthalt waren dennoch ein mehr als befriedigendes Ergebnis. Aus
diesem Album koppelte man zwei äußerst erfolgreiche Singles aus: "Here I Go Again", das
knapp durch Musictommy's Top 20-Sieb fiel, kam in den Staaten auf # 1 (GB # 9, D # 29)
und "Is This Love" erreichte in den USA # 3 (GB # 9). **