Die Alben des Jahres 1997
- Eros Ramazzotti - Eros
- Amanda Marshall - Amanda Marshall
- Del Amitri - Some Other Suckerīs Parade
- Texas - White On Blonde
- Ultravox - The Premium Gold Collection
- Boston - Greatest Hits
- Genesis - Calling All Stations
- Styx - Greatest Hits Part 2
- John Lennon - Lennon Legend
- Soraya - On Nights Like This
Im Jahr 1997 gab es fünf sehr gute Alben. Der zweite Teil der Hitliste wird von einem Best
Of-Album mit "Haken" angeführt. Ohne diesen, nachher noch näher erläuterten
"Schönheitsfehler" wäre dieses Album weit höher gelandet. Danach folgen CDs, die noch im
Bereich "gut" liegen, aber verglichen mit den vorplazierten Platten doch recht deutlich
abfielen.

Der italienische Superstar der 80er und 90er ist zweifelsohne Eros Ramazzotti. Mit seinem
Album "Eros" präsentierte er Ende 1997 seine erfolgreichsten und besten Titel auf einer
Platte. Dieses Album zeigt einen variantenreichen Künstler, der seit 1985 bis heute (2001) mit
Balladen und flotteren Italo-Rock-Nummern sich auch in Deutschland einen großen Stamm
an Fans erspielt hat. Dabei beschränkt sich diese Gefolgschaft ganz gewiß nicht auf seine in
Deutschland lebenden Landsleute.
"Eros" besteht aus älteren Titel (bis 1992), die hier in neuüberarbeiteten Versionen enthalten
sind. Von den beiden Studioalben aus den Jahren 1993 und 1996 ("Tutte Storie" und "Dove
Cīè Musica") sind die Songs zumeist im Original übernommen worden. Zusätzlich gibt es mit
"Quanto Amore Sei" (D # 52) und "Ancora Un Minuto Di Sole" zwei neue Titel auf dieser
Platte. Gewissermaßen nicht ganz neu ist der auch von "Tutte Storie" stammende Song "Cose
Della Vita" (1993 D # 30). Auf der CD "Eros" mutierten die flotten Rockrhythmen dieses
Liedes zum größten Single-Hit Ramazzottis. In Zusammenarbeit mit Weltstar Tina Turner
wurde aus dem Ursprungssong "Cose Della Vita/Can't Stop Thinking Of You" und brachte
die beiden 1998 bis auf # 4 der deutschen Singlehitparade.
Die Karriere von Eros Ramazotti begann in Deutschland im Jahr 1985. Mit dem Titel "Una
Storia Importante" gelang ihm der Sprung in die Top 20 der Airplay-Hitparade. Bis 1990
beschränkten sich seine Erfolge auf diesen Bereich. Das wunderbare "Adesso Tu" kam
ebenso nicht über Radionotierungen hinaus, wie "Ma Che Bello Questo Amore". Seine Alben
gingen schon in den Achzigern in ansehnlichen Stückzahlen über die deutschen Ladentheken. Eine # 38
für "Nuovi Eroi" (1986) und eine # 17 für "In Certi Momenti" (1987) waren die Vorboten für
die nun folgenden Top 10 LPs. Schon 1988 glückte Ramazzotti der Sprung unter die besten
10 in Deutschland. "Musica É", der Titelsong [knapp 10 Minuten lang] dieses Albums ist auf
"Eros" im Duett mit Andrea Bocelli vertreten, erreichte mit # 4 die höchste Notierung.
In den 90ern waren dann auch die deutschen Single-Charts endlich reif für die
ramazzottische Eroberung. "Se Bastasse Una Canzone" plazierte sich auf # 19 der Hitparade,
das Album "In Ogni Senso" hielt 22 lange Wochen eine Top 10 Position inne und kletterte bis
# 2. Die LP "Tutte Storie" mit ihren Hits "Cose Della Vita" und der schönen Ballade "Un
Altra Te" (D # 58) setzte die Erfolgsserie des Italieners in Deutschland fort: # 3. Ihren
vorläufigen Höhepunkt erreichte die Ramazzotti-Story 1996. Die CD "Dove Cīè Musica"
führte ihn zur Pole Position in den germanischen Charts. Das Werk blieb weit über ein Jahr
Gast in den Top 100. Eine seiner beeindruckendsten Pop/Rock-Titel legte den Grundstein
für diesen Erfolg. "Piu' Bella Cosa" stürmte bis auf # 17 der Singlecharts und geriet dort zu
einem Dauerbrenner.
Selbstverständlich wurde auch "Eros" zu einem Megaerfolg für Eros Ramazzotti. Insgesamt
42 Wochen hielt sich seine Best Of-Zusammenstellung in den Top 10 der deutschen Album-Hitparade (Höchste Notierung: # 1). Ende 1997 stieg die Platte in die Charts ein. Im Jahr 1999
war sie immer noch in den Top 100 vertreten. Die Endbilanz: 81 Wochen Aufenthalt! Mit
"Eros Live" (1998 # 9) und dem 2000er "Stilelibero" [bedingt durch starke Konkurrenz von
u.a. U2 und den Beatles "nur" # 2] hielt Ramazzotti seine Ausnahmestellung in puncto
italienischer Popmusik.


Was für eine Wahnsinnsstimme! Die junge Kanadierin Amanda Marshall gilt für mich seit
ihrem Debütalbum "Amanda Marshall" aus dem Jahr 1996/1997 als eine der besten
Rockröhren unserer Zeit. Alleine die ersten vier Songs dieses Werkes waren den Kauf der
Platte wert. Mit dem Hit "Let It Rain", "Birmingham", "Fallen From Grace" & "Dark Horse"
ließ Amanda melodische Rocksongs der allerersten Güteklasse vom Stapel. Das allein reicht
aber bei weitem noch nicht aus die außerordentliche Qualität dieser Songs einzuschätzen.
Das geniale Zusammenspiel der perfekt arrangierten Stücke, mit der absolut beeindruckenden
Stimme dieser kraftvollen Sängerin, macht in der Hauptsache den Reiz dieser CD aus. Auch
der Rest der Platte überzeugt mit Titeln zwischen Rock und Ballade, die insgesamt etwas
verhaltener daherkommen, aber stets die Power der Sängerin vermitteln.
Wer diese Frau einmal live gesehen hat, der konnte sich davon überzeugen, daß sie nicht nur
so selbstbewußt klingt, sie ist es auch. Amanda Marshall baut bei Konzerten eine
faszinierende Aura um sich auf, die 100%ig mitreißt! Da ist es fast beschämend, daß ihr
Debütalbum hinter den Alanis Morissette's und Sheryl Crow's nur auf # 36 in den deutschen
Album-Charts kam (GB # 47). Immerhin entwickelte die CD sich zu einem "kleinen"
Dauerbrenner: Aufenthaltsdauer 22 Wochen.


Diese Jungs hatten schon (kommerziell) bessere Zeiten erlebt. Del Amitri kamen mit ihrem
neuesten Studiowerk "Some Other Sucker's Parade" zwar wieder in die britische Top 10 (#
6, D # 81), nach fünf Wochen in Englands Album-Hitparade war der Spaß aber auch schon
wieder vorbei. Da waren die letzten beiden CDs der Gruppe schon um etliches erfolgreicher
gewesen. Dabei kann man diesen [relativen] Mißerfolg gar nicht nachvollziehen.
Der neue Longplayer besaß nämlich genau die Qualitäten der zwei vorangegangenen Alben
"Twisted" (1995) und "Change Everything" (1992). Dieser flotte, fröhliche und ganz eigene
Rocksound von Del Amitri trat in vielen Songs des 97er Albums wieder zum Vorschein.
Diesmal gelang es der Band sogar die Songs facettenreicher zu verpacken als jemals zuvor.
Da sind zum einen kernige Rocktitel wie "High Times", "Funny Way To Win" und "Cruel
Light Of Day". Demgegenüber stehen wunderbare Poptitel mit positivem Gefühl,
Beispiele: "Lucky Guy", "Mother Nature's Writing" (great!!!) oder "Sleep Instead Of
Teardrops" (ebenso great!!). Und dann sind da noch die Power-"Gute Laune"-Songs, von
denen "Not Where Itīs At" (sensationell!!), "Medicine" & "Won't Make It Better" am meisten
hervorstechen.
Kurzum, Justin Currie's Truppe ist hier ihr Meisterwerk geglückt: Perfekte Instrumentierung,
prägnanter Gesang, großartige Melodien und beflügelnde Refrains. Ich kann mich nur
wiederholen, bei Aufzug von schlechter Laune: sofort eine Del Amitri-Scheibe einlegen und
komplett durchhören, schon geht's einem nachweislich viel besser! Einfach, oder?


Markenzeichen der Gruppe Texas ist ohne Zweifel die Frontfrau und Sängerin Sharleen
Spiteri. Ihr Gesang ist Erotik pur! Und die Musik der Gruppe ist lässiger Pop/Rock der
Spitzenklasse. 1989 hatten sie mit "I Don't Want A Lover" gleich zum Beginn der
Bandkarriere einen mittleren Welthit. In Großbritannien ging es bis auf # 8, in Deutschland
auf # 18 (US # 77). Das Album "Southside" verkaufte sich seinerzeit ebenfalls glänzend:
Aufstieg bis in die britischen Top 5, sowie # 22 in Deutschland und der Einstieg in die US-Albumcharts sollten den vorläufigen Höhepunkt in der Geschichte von Texas setzen.
Danach war es lange Jahre recht ruhig um die Band. Die Alben "Mother's Heaven" (1991 / D
Top 40) und "Ricks Road" (1993) plazierten sich im Mittelfeld der britischen LP-Hitparade.
Einige Singles wie "So In Love With You" und "So Called Friend" kamen immerhin in die
englischen Top 30. Der große Erfolg sollte sich aber nicht mehr so recht einstellen. Bis man
im Jahr 1997 die CD "White On Blonde" veröffentlichte.
Ungelogene 42 Wochen hielt sich diese LP in den britischen Top 10 - inklusive einer Nr. 1-Notierung. Für diesen dauerhaften Erfolg der Platte sorgten insgesamt
vier Top 10 Singles in Großbritannien. "Say What You Want" erreichte # 3 (D # 61), "Black
Eyed Boy" # 5 (D # 68), "Halo" & "Put Your Arms Around Me" jeweils # 10. Doch nicht nur
diese Auskopplungen machten das Album so attraktiv. Titel wie "Insane", "Drawing Crazy
Patterns" oder "Breathless" standen den Hits bezüglich Melodie und Biß in nichts nach. Auch
nach Deutschland sprach sich die Form der wiedererstarkten Texas herum. "White On
Blonde" kam hier in die Top 50.


"The Premium Gold Collection" ist eine standardisierte Best Of-Reihe der Plattenfirma EMI.
Eine Reihe von Künstlern veröffentlichte so auf diesem Wege eine Hit-Kompilation.
Meistens sind diese Zusammenstellungen aber eher zweit -, wenn nicht sogar drittklassig.
Diese Scheiben enthalten dann nur drei oder maximal vier Vorzeige-Hits und für den Rest
wird unbekanntes Material verwertet. Ganz anders im Fall der Gruppe Ultravox. Hier enthält
"The Premium Gold Collection" aus dem Jahr 1996/97 alle relevanten Tophits, genau
genommen sogar nahezu alle Hits der Formation aus der Bandgeschichte von 1980 - 1986.
Die Band um Sänger Midge Ure bot in den Frühachtzigern bis zur Mitte jenes Jahrzehnts
symphonischen Synthie-Pop für den gehobenen Anspruch. Dabei gab es - vor allem in
England - etliche Top 10- und Top 20-Singles zu feiern. Die Alben verkauften sich zudem
im Vereinigten Königreich wie warme Semmeln. In Germany brachten es die Alben "Vienna"
(1980/81), "Quartet" (1982) und "Lament" (1984) zu Top 30-Ruhm. In England erreichten
alle sechs Ultravox-Alben von 1980 - 1984 die ersten Zehn.
Die größten Single-Erfolge der Band waren in der Anfangsphase "Vienna", das 1981 in
Großbritannien # 1 wurde (D # 14), "The Thin Wall" (GB # 10) und "All Stand Still" (GB #
4) aus demselben Jahr. Wenig später gesellten sich noch die beiden Welthits "Hymn" (1982:
D # 9, GB # 7) und "Dancing With Tears In My Eyes" aus dem Jahr 1984, dem größten Hit
der Gruppe in Deutschland (# 7, GB # 4), dazu.
Des Weiteren werden auf dieser erstaunlich gut gelungenen Zusammenstellung auch die
beeindruckenden Songs "The Voice" (1982 GB # 14), "Reap The Wild Wind" (1982 einziger
US-Hit auf # 71, GB # 11), "One Small Day" (1984 GB # 24) und die letzte richtig
erfolgreiche Single "Same Old Story" (GB # 27) aus dem Jahr 1986 nicht vermißt.


Kann Tom Scholz mit seiner Gruppe Boston überhaupt schlechte Musik machen? Diese Frage
muß man ganz selbstbewußt mit einem klaren Nein beantworten. Zu sehr beeindruckend sind
diese glockenhellen Gitarren-Klänge, die das Grundgerüst jedes Boston-Songs bilden.
Dennoch ist zum "Greatest Hits"-Album der Band aus dem Jahr 1997 Kritik angesagt.
Position 6 in Musictommy's Jahreslieblingen? Für eine Greatest Hits-Zusammenstellung
einer meiner absoluten Favoriten ist das nämlich keine besonders gute Ausbeute. Und das aus
gutem Grunde! Diese CD ist genau genommen keine Hit-Kompilation, oder zumindest eine
mit gravierenden Lücken. Die langjährigen Streitigkeiten mit der Plattenfirma Sony [für
"Boston" und "Don't Look Back" das Label der Band] führten dazu, daß die Boston-Alben
Nr. 3 und 4 nur in minimalem Maße Berücksichtigung fanden. Für diese Werke stand die
Band schon bei MCA unter Vertrag. "Greatest Hits" erschien aber bei Sony.
Der Millionenseller "Third Stage" (1986) wurde lediglich mit "Amanda", dem Tophit aus
dieser LP, adäquat vertreten. "Cool The Engines" war der zweite Titel von dieser Platte. In
den 87er Hits "We're Ready" oder "Can'tcha Say (You Believe In Me)" lagen aber eher die
weiteren Erfolge dieser Zeit verborgen. "Walk On" (1994) wurde nur durch "Livin' For You"
repräsentiert.
Das Hauptaugenmerk liegt somit auf den Jahren 1976 - 1978 [die Sony-Years]. Natürlich
sind die Hits "More Than A Feeling" und "Don't Look Back" mitberücksichtigt. Angereichert
ist das Album mit den zwei neuen Songs "Tell Me" und "Higher Power", die allerdings, und
das ist der zweite Kritikpunkt nach der Unvollständigkeit dieser Zusammenstellung, nur
schwerlich an das gewohnte Niveau heranreichen.
Die Quittung für eines der lückenhaftesten offiziellen Greatest Hits-Alben der
Musikgeschichte *fg* gab es in der Boston-Hochburg Amerika im direkten Gegenzug: # 47
der Albumcharts.


Man mußte es erwarten. Phil Collins, der Mann, der bei den letzten Veröffentlichungen der
Gruppe Genesis immer mehr das Ruder an sich riß, verließ die Band und widmete sich
künftig ganz seiner Solokarriere. Für das neue Album "Calling All Stations" war erst einmal
die Suche nach einem neuen Sänger angesagt. Die Wahl fiel auf Ray Wilson von der Gruppe
Stiltskin, die mit "Inside" 1994 einen Riesenhit landeten. Und diese Wahl war gut! Dieser Ray
Wilson besitzt nämlich eine sehr ausgeprägte und kraftvolle Stimme, die zu den neuen Songs
der Band paßte.
Die meisten Titel der neuen Platte wurden von Mike Rutherford und Tony Banks geschrieben,
bei einigen half Wilson mit. Der Stil des Werkes bewegte sich zurück zum alten Sound der
Band in den 70ern. Mit Progressiv-Rock ließ sich das am ehesten beschreiben. Aber was
hatten sie für Schelten einstecken müssen: "langweiligstes Album der Rockgeschichte",
"mieseste Mucke seit Gerd Müllers 'Dann macht es bumm (und danach krachts)'" oder
"Dilettanten-Rock". Das Urteil der Kritiker war vernichtend.
Dabei gab es wirklich gute Titel auf "Calling All Stations". Ohne Zweifel, man hatte schon
flottere und interessantere Platten gehört, aber wenn man die schleppende Grundstimmung
erst einmal akzeptiert hat, kann das Album durchaus seinen Reiz entwickeln. Die Highlights
des 97er Werkes der Gruppe waren rockige aber langatmige Stücke. Nach dem flotten Beginn
mit "Calling All Stations" und "Congo", der Single, fand man noch Gefallen an den Epen
"Uncertain Weather", "There Must Be Some Other Way" [großartiger Refrain] und "One
Man's Fool". Außerdem ist ein wunderschöner Titel mit auf der CD, der auch unter dem
Bandnamen Mike & The Mechanics hätte laufen können: "If That's What You Need".
Ohne Frage sind auch langweiligere Songs auf der Platte. "Shipwrecked", "Alien Afternoon",
"The Dividing Line" oder auch das schnelle "Small Talk" besitzen relativ wenig Charme und
wirken belanglos. Natürlich steht es auch außer Frage, daß die Band mit Phil Collins
kommerzieller klingen würde. Wenn man dem neuen Genesis Line-Up aber die Chance gibt
seinen eigenen [weniger popigen] Stil darzubieten, dann wird man auch "Calling All Stations"
gute Seiten abgewinnen können.
Viele der Genesis-Fans taten sich aber aufgrund des Fehlens von Phil Collins sehr schwer
mit dem neuen Opus. Man muß sich das so vorstellen, als wenn die Frankfurter Eintracht
Anfang der Neunziger - in ihren letzten großen Zeiten - ohne Uwe Bein und Andy Möller
hätte spielen müssen. Der große Denker, und auch die Führungspersönlichkeit von Genesis,
war nicht mehr an Bord. Die Person Phil Collins aber verkörperte Genesis. Rutherford und
Banks waren längst zweitklassige Mitglieder geworden. Und für solch ein Multitalent, zu dem
sich Collins in den Achtzigern gemausert hatte, einen adäquaten Ersatz zu finden, ist
unmöglich. Zumal in den Siebziger schon einmal der Bandleader, damals Peter Gabriel, das
Genesis-Troß verließ. Mit Schlagzeuger Collins konnte man diese Scharte auswetzen. So
etwas gelingt einer Band, wenn überhaupt, nur einmal.
In Deutschland und Großbritannien errang der Name Genesis noch einmal # 2 (US # 47). Die
Verweildauer des Albums war freilich wesentlich kürzer als z.B. beim letzten Werk aus der
Collins-Ära, "We Can't Dance".


Ein Jahr nach Styx' "Greatest Hits" gab es die Fortsetzung: "Greatest Hits Part 2". Dieser
zweite Teil bot im wahrsten Sinne des Wortes die 2. Liga der Styx-Hits. Logisch, denn in
Teil 1 hatte man ja schon so ziemlich alles aufgeboten, was in den Siebzigern und erweiterten
Achtzigern (bis 1991) zündete.
Dennoch liefert Teil 2 der Styx-History genau den Rest, den man von dieser Band noch
braucht. Da wäre zum Beispiel der Deutschland-Hit "Boat On The River" (1980 D # 5), der
im ersten Teil ausgespart wurde. Auch "Sing For The Day" (1979 US # 38), "Love At First Sight"
(1991 US # 25 - letzter Hit der Gruppe), "Borrowed Time" (1980 US # 63) und
"Mademoiselle" (1976 US # 58) bilden die Fraktion der noch abzuarbeitenden Chartserfolge.
Darüber hinaus zählen Songs wie "Rockin' The Paradise", "First Time", "Lights" und "It
Takes Love" - ein neuerer Titel aus dem Repertoire der Band - zur Styx-Grundausstattung.


Vor dem Kauf von "Lennon Legend" war mir eines klar. Mehr als DM 25.-- würde ich für
diese Greatest Hits von Ex-Beatle John Lennon nicht ausgeben. Denn bei diesem kreativen
Kopf gab es nur Top oder Flop. Er war keiner, der wie "Pop"-Paul McCartney die
gradlinigen Songs durchgängig bevorzugte. Nun, preislich kam ich sogar noch etwas
günstiger bei weg, und musikalisch präsentierte sich die erwartete Mischung aus Schönem
und Schrecklichem.
Von 20 Songs war man neun Mal geneigt zu sagen: Grandios! Dazu zählen natürlich die
großen Hits "Woman" (1981 D # 4, US & GB # 2), "Imagine" (1971 US # 1, D # 18; 1975
GB # 5; 1981 - nach dem Tod Lennons - D # 7, GB # 1), "(Just Like) Starting Over" (1980 D
# 4, GB # 1), "Mind Games" (1973 US # 10), "# 9 Dream" (1974) und sein 74er US # 1-Hit
"Whatever Gets You Thru The Night". Sieben Titel aber waren für mich zum "davonlaufen".
Beispiele: "Mother" (1970), "Love" (1970), "Cold Turkey" (1969) oder "Working Class
Hero" (1970). Das Übel hatte einen asiatischen Namen: Yoko Ono! Wenn Lennon in
irgendeiner Weise mit seiner Ehefrau kooperierte, war das Resultat zumeist grauenvoll!
Lennons erfolgreichste Alben waren "Imagine" (1971: D # 10, US & GB # 1) und knapp zehn
Jahre später - nach seiner Ermordung - "Double Fantasy" (1980/81: D # 2, US & GB # 1).
Seine jüngste Best Of-Platte "Lennon Legend" kam in Deutschland bis auf # 11, in
Großbritannien in die Top 5, in den USA nicht einmal in die Top 50.


Bei Jürgen von der Lippe, in seiner Show "Geld oder Liebe", hatte die Künstlerin Soraya
ihren ersten Auftritt in Deutschland. Mit der schönen Ballade "Suddenly" verzauberte sie das
Publikum. Die Single stieg dann bis auf # 64 der deutschen Charts. Viel größer gestaltete sich
der Erfolg des Albums "On Nights Like This". Erst auf # 5 war Endstation. Insgesamt 40
Wochen Verweildauer in den Top 100 belegten mal wieder eindrucksvoll das Gespür eines
von der Lippe für Hits. In seiner Familien-Show wurde schon so mancher Star geboren -
Beispiele: Jonny Lang oder The Corrs.
Soraya bot auf ihrem Debütalbum schöne & leise Popmusik. Weitere Anspieltips: "Stay
Awhile" [die zweite Single], "Love In Your Eyes", "Avalanche". Doch ihr Stern strahlte nur
eine Saison. Das 98er "Wall Of Smiles" versauerte auf # 63 der deutschen Albumcharts.
Die Singles des Jahres 1997
- Del Amitri - Not Where Itīs At
- Sash! - Stay
- The Corrs - Only when I Sleep
- Texas - Halo
- Aqua - Barbie Girl
- Backstreet Boys - As Long As You Love Me
- No Doubt - Donīt Speak
- Texas - Say What You Want
- Amanda Marshall - Fallen From Grace
- Genesis - Congo
- Mr. President - Jo Jo Action
- Faith No More - Ashes To Ashes
- Bush - Swallowed
- The Verve - Bitter Sweet Symphony
- Pet Shop Boys - Red Letter Day
- Spice Girls - 2 Become 1
- Puff Daddy - Iīll Be Missing You
- Bandits - Catch Me
- Bell, Book & Candle - Rescue Me
- Sash! - Encore Une Fois
** 1997 beeindruckte mich der "frohnaturelle" Song "Not Where It's At" der Gruppe Del Amitri.
So ein Titel hätte eigentlich mal ne' # 1 in England verdient gehabt. Leider klappte das nicht
ganz: # 21. ** Eine der besten deutschen Dance/Trance-Projekte ist Sash!. 1997 startete er mit
gleich drei Singles voll durch. Zwei davon kann man in meiner Top 20 finden. "Stay" stieg
ebenso wie "Encore Une Fois" auf # 2 in Großbritannien. Hierzulande erreichten beide Songs
# 12 bzw. # 16. Dafür kam "Ecuador" in die deutschen Top 10 (GB # 2). **
** Die drei Schwestern Andrea, Caroline und Sharon Corr und ihren Bruder Jim lernte ich über ein
Video auf MTV kennen. Es war der Clip zum wunderschönen "Only When I Sleep". In
Großbritannien plazierten sich die Vier damit nur auf # 58, der große Durchbruch der Corrs sollte aber
wenig später erfolgen. ** Aus dem Album "White On Blonde" schafften es gleich zwei Texas-Singles in Musictommy's Top 20 des Jahres 1997: "Halo" (GB # 10) und "Say What You
Want" (D # 61, GB # 3). **
** Eine dänische Spaß-Pop-Formation stürmte 1997 die internationalen Charts. Aqua mit
ihrem "Barbie Girl" hinterließen nicht nur Deutschland (# 1), Großbritannien (# 1) & die USA
(# 7) singend. ** Eine der besseren Boygroups sind die Backstreet Boys. Besser, weil die Jungs
auch live richtig gut singen können. Dies ist auch der Grund, weshalb sich immer wieder mal
eine Nummer dieser Gruppe in meine Top 20 schleicht. 1997 war ihre Schnulze "As Long As
You Love Me" hervorzuheben. **
** Eine Punk-Pop-Band schaffte es in jenem Jahr sowohl mit Single als auch Album bis ganz
nach oben in den Charts. No Doubt hieß die Formation, die ihren Song "Don't Speak", der
sich überhaupt nicht punkig anhörte, sondern eher eine flotte Ballade darstellte, bis auf # 2 in
den deutschen Charts und in England gar auf # 1 postierte. In Amerika plazierte man sich
ebenfalls im Vorderfeld Hitparaden. Das Album "Tragic Kingdom", ich hatte damals mal
kurz das "Vergnügen" hereinzuhören, fand ich grauenvoll. Verkaufen konnten sie es trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen ;-))
in Unmengen: D # 2, US # 1, GB # 3. **
** Eine weitere Single aus dem Debütalbum von Amanda Marshall erreichte die deutsche Single-Hitparade ("Fallen From Grace" # 78). ** Die erste Auskopplung aus dem neuesten Genesis-Werk war richtig rockig, ganz im Gegensatz zum eher langsameren Album. "Congo" stieg in
Großbritannien in die Top 30 und verpaßte diese in Deutschland nur knapp (# 31). ** Der nette
Dance-Pop der Formation Mr. President war wieder einmal in aller Munde. "Jo Jo Action"
marschierte souverän in die deutschen Top 5. **
** Eine der besten Faith No More-Singles der letzten Jahre war der Titel "Ashes To Ashes".
Die Band kombinierte hier gekonnt Melodie und Härte miteinander und kam damit in die
britischen Top 20 (D # 76). Zu der Band gibt's im nächsten Jahr "ordentlich" mehr. ** Zwei
Alben der Grunge-Band Bush verkauften sich bis 1997 sehr beachtlich. "Sixteen Stone"
erreichte 1995 in den Vereinigten Staaten # 4 (D # 68, GB # 42) und das 1996/97er
"Razorblade Suitcase" gar # 1 (D # 37, GB # 4). Die Single "Swallowed" schaffte in
Großbritannien den Sprung in die Top 10. **
** Eines der erfolgreichsten Alben in Großbritannien kam im Jahr 1997 von der Gruppe The
Verve. Dort hatte die Band um Richard Ashcroft bereits zwei Jahre zuvor die CD "A Northern
Soul" (# 13) herausgebracht. Jetzt führte sie der Zweitling "Urban Hymns" bis an die Spitze.
Auch in Deutschland (höchste Plazierung # 11, insgesamt über ein Jahr Anwesenheit und
"Platin"-Auszeichnung) und den USA (# 23) wurde man auf The Verve aufmerksam. Und
alles begann mit der wahrlich hymnischen Single "Bitter Sweet Symphony" (GB # 2, D # 37,
US # 12). **
** Die letzte Single-Auskopplung vom Album "Bilingual" brachte den Pet Shop Boys eine Top
10 Plazierung in England ein. Das neu abgemischte Stück "Red Letter Day" zeigte auch in
den deutschen Charts (# 55) Wirkung. ** "2 Become 1" war bereits die dritte Single-Nr. 1 der
Spice Girls hintereinander. So was war natürlich nur im herrlich verrückten England möglich.
Auch die vierte Single der fünf Mädels stieg dort bis auf die Pole Position. Im einzelnen
waren dies "Wannabe" (D & US auch # 1), "Say You'll Be Mine" (D # 16, US # 3),
erwähntes "2 Become 1" (D # 13, US # 4) und schließlich "Mama" (D # 4). Selbstverständlich
konnten Mel C, Mel B, Geri Halliwell, Emma und Victoria mit ihrer LP "Spice" ebenso nicht
gestoppt werden(GB & US # 1). Die Deutschen waren da etwas reservierter (# 6). **
** Und da gibt es noch mehr zu berichten von den Gewürzmädchen. Mit dem Nachfolger "Spice
World" (u.a. mit den Hits "Spice Up Your Life" und "Viva Forever") ging die Geschichte
noch ziemlich gut weiter (D # 4, US # 3, GB # 1). Ende 2000 hatte sich Geri Helliwell längst
von der berühmtesten Girlie-Band getrennt und die anderen machten zu Viert weiter.
"Forever", die dritte Platte der Gruppe, stieg zwar wieder hoch in die internationalen
Hitparaden ein, fiel aber sehr schnell wieder ab. Die Musik der Truppe war nämlich zu einem
Balladen-Einheitsbrei verkommen. Vor allem Mel C aber auch Mel B hatten sich inzwischen
neben Geri ein zweites Standbein zugelegt: die Solokarriere! **
** Eigentlich bin ich überhaupt kein Freund von Cover-Versionen. Schon gar nicht von
verrapten Cover-Versionen. Doch wie sich dieser Puff Daddy dem alten Police-Klassiker
"Every Breath You Take" annahm, das war durchaus bemerkenswert. "I'll Be Missing You"
hatte Charme und wurde zu einem der Hits des Jahres (D, US & GB # 1). **
** Daß Schauspielerinnen auch richtig gute Musik machen können, bewiesen Katja Riemann
(Schlagzeug), Jasmin Tabatabai (Gesang und Gitarre), Nicolette Krebitz (Bass) und Jutta
Hoffmann (Piano). Letztere war die einzige der vier Damen, die im Film "Bandits" nur so
"tat" als könne sie Klavier spielen. Die anderen hatten schon eine musikalischen Ausbildung
erfahren oder lernten es für den Soundtrack des Kinohits [1 Mio. Besucher]. Das Album der
Bandits, so auch der Name der Band, entwickelte sich zu einem Topseller in den deutschen
Charts. Platz 1 stellte einen ungeahnten und sensationellen Erfolg dar, dem die Klasse-Single
"Catch Me" (# 42) doch [erfolgstechnisch] um einiges nachstand. **
** Weiteres aus deutschen Landen. Zuerst war es die Single "Rescue Me", die Bell, Book &
Candle auf # 3 in Deutschland führte, dann chartete auch noch das Album "Read My Sign" (D
# 4). **
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