Die Alben des Jahres 1999
  1. Saga - Full Circle
  2. Toto - Livefields
  3. Laura Pausini - La Mia Risposta
  4. Bryan Adams - On A Day Like Today
  5. Def Leppard - Euphoria
  6. Toto - Mindfields
  7. Texas - The Hush
  8. Amanda Marshall - Tuesdayīs Child
  9. New Radicals - Maybe Youīve Been Brainwashed Too
  10. Fergie Frederiksen - Equilibrium

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Das Jahr 1999 brachte einige musikalische Überraschungen mit sich. Zwei Bands fanden nach mehr oder weniger langen "Experimentierphasen" zu ihrem traditionellen Sound zurück. Die eine Gruppe vollzog den Weg zurück zu den Wurzeln in sensationellem Maße: Saga! Bei Def Leppard durfte man zufrieden sein, aber die alten Platten der Band waren schon um ein gutes Stück attraktiver. Toto präsentierten sich gleich mit zwei Platten auf dem 99er Musikmarkt und leisteten auch ihren Beitrag zum "Back to the roots"-Festival dieser Tage. Sie hatten nämlich eine echte Besetzungssensation im Gepäck!



Kanadischer Melodic-Progrock

Geplagt von den letzten CDs der Band, reagierte ich erst einmal reserviert auf die Ankündigung des neuen Saga-Albums "Full Circle". Dennoch war ich neugierig, was die Gruppe denn so zu Wege gebracht hat. Außerdem spielte ich mit dem Gedanken, ins Offenbacher "Capitol" zu gehen, um mir Saga mal wieder anzusehen. Aber: Ich würde mir ganz sicher keine Karte kaufen, bevor ich nicht die neue CD mal durchgehört habe. Sitzplätze gibt es bestimmt noch lange genug [ich bin nämlich eher einer, der es gerne gemütlich hat bei Konzerten]. So waren meine Gedankengänge im September 1999.

Es zog mich zum WOM in Frankfurt. Dort mußte ich mich nicht erst zu einer Vorspielstation vorkämpfen, die Platte wurde glücklicherweise direkt über der Saga-Lasche zum Durchhören bereitgestellt. Ich setzte also den Kopfhörer auf ......

"Remember When", der erste Song, klang so melodisch, wie ich das von Saga schon lange nicht mehr gehört hatte. Und vor allem: Er hörte sich wie eine modernisierte Form der 80er Saga an. Also mit "Saga-klassischem" Instrumentalteil sowie einer guten Portion Power mit fetten Gitarren, sattem Schlagzeugfeuer und prägnantem Keyboardsound. Gut, auf den letzten Platten gab es immer wieder Titel die ganz nett waren. Der sehr gute Auftakt hatte somit noch nichts zu sagen. Dann das Intro zu "The One": Eine super-heavy Gitarre leitet diesen flotten Titel ein, der dann den von "Remember When" eingeschlagenen Weg nahtlos fortsetzt.

Ein grandioser Start in das neue Album der Band. Die anfänglichen Zweifel wichen und Erstaunen trat an deren Stelle. Erstaunen über die Klasse der ersten beiden Songs. Doch, wie würde es weitergehen? Haben die Schlawiner etwa ihre absolut besten neuen Titel an den Anfang gepackt? Ganz klares Nein! Der erste langsamere Song, "Follow Me", besitzt ebenso hohe Substanz wie "Uncle Albert's Eyes" und das darauffolgende "Home". Beim melodischen Gesangsduell zwischen Michael Sadler und Jim Gilmour, "Don't Say Goodbye", ist es dann offensichtlich: Saga sind wieder die Alten! Sie spielen wieder die Musik, die sie am besten beherrschen: klassisch angehauchten Melodic-Progrock!

Vorbei war also die Leidenszeit, in der man sich von einem halbherzigen Song zum anderen kämpfte. Eine Zeit, in der die Sadler-Truppe versuchte, neue Sound-Wege zu entdecken. Dabei hatten sie eines vergessen: Seinen ureigenen Sound zu modernisieren, ist auch eine große Leistung. Und genau das ist ihnen ja rechtzeitig zu "Full Circle" wieder eingefallen.

Auch beim nächsten Song "Time Bomb" teilen sich Gilmour und Sadler die Vokal-Arbeit. Dieser Titel, der jetzt schon zu den Konzert-Klassikern der Gruppe zählt, besticht außerdem durch einen knackig harten Gitarrenpart von Ian Crichton. Bei "Not This Way" ist Gilmour-Time abgesagt. Er singt die Ballade im "No Regrets"-Stil ["Worlds Apart"-Album]. Super-Saga-rockig geht es bei "A Night To Remember" weiter. Vom Liedaufbau her neben "Remember When" und "The One" der absolut stärkste Song unter 10 grandiosen Saga-Stücken. Die mitreißende Ballade "Goodbye" ist eine adäquate Verabschiedung, bei der sich Sadler die Seele aus dem Leib singt.

Mit der 99er CD "Full Circle" gelang der Gruppe der Wiedereinzug in die deutschen Top 50. Dieser Erfolg wurde ihnen zuletzt mit "The Security Of Illusion" zuteil. Auf # 44 stieg die Platte ein, blieb aber leider nur zwei Wochen unter den Top 100. Dennoch die höchste Plazierung seit "The Works" (1991). Also stürzte ich mich schnellstens zur Vorverkaufsstelle für das Offenbacher Capitol! Die Quittung für die Unschlüssigkeit: Es gab nur noch Stehplätze! Überhaupt: das war mein Schicksal bis zum April 2001. Alle von mir besuchten Konzerte wiesen entweder keine Sitzplatzkapazitäten auf, oder sie waren schon ausverkauft. Doch auch bei Saga '99 lohnten sich die "Fußschmerzen" .....

US-Mainstream-Rock

Zur Toto-Reunion-Tour mit Bobby Kimball brachte die Band ihr zweites 99er Album heraus. Wer fest damit plante, in die Aschaffenburger Unterfrankenhalle zu gehen, aber noch keine Ahnung hatte, was ihn erwartet, der wurde von der Tracklist des "Livefields"-Album abgeschreckt. Nur "Rosanna" und "Hold The Line" waren von den größten Hits vertreten. Ansonsten gab es mit "Jack To The Bone" und "Dave's Gone Skiing" zwei Instrumentalteile aus der Post-First-Kimball-Phase und zwei Songs vom 99er Studioalbum "Mindfields" [siehe weiter unten]: "Caught In The Balance" & "Better World".

Des Weiteren wurde hauptsächlich pures Albummaterial geboten, also keine einschlägigen Hits mehr: "Girl Goodbye", "White Sister", Acoustic-Medley ("Out Of Love", "Mama", "You Are The Flower", "The Road Goes On"), "Million Miles Away" und noch ein einziger kleinerer Hit aus dem Jahr 1995, "I Will Remember". Was "Tale Of A Man" (aus dem Resteverwertungsalbum "XX") auf "Livefields" zu suchen hatte, blieb einem ebenfalls [noch] verborgen.

Man suchte also "I Won't Hold You Back" [in der französischen Fassung war der Titel mitenthalten], "Africa" und auch den letzten großen Hit der Gruppe, "I'll Be Over You", vergebens auf "Livefields". Aber wenn schon Bobby Kimball wieder dabei ist, durfte man zumindest die beiden erstgenannten Hits erwarten. Also verzichtete ich [zunächst] kopfschüttelnd auf den Kauf des Albums. Wenige Tage später war ich dann [stehend ;-)] zum Auftritt von Toto in Aschaffenburg angereist. Vor gut 3000 Besuchern präsentierte die Band ungefähr die "Livefields"-Reihenfolge, natürlich ergänzt um einige weitere Titel wie z.B. "Africa", "I'll Be Over You" oder "I Won't Hold You Back".

Das Faszinierende aber war: "Livefields" erschien nun in einem ganz anderen Licht! Der Opener "Caught In The Balance" war eine sensationelle Konzert-Startnummer, "Tale Of A Man" zündete danach fast wie ein großer Hit, "Rosanna" ließ alte Zeiten aufleben und das Keyboard-Solo von David Paich zwischen "Girl Goodbye" und "White Sister" entpuppte sich als ein geniales Verbindungsstück. Bereits am Folgetag des Konzerts kaufte ich mir die CD und war plötzlich hellauf begeistert!

Man mußte demnach nur der Live-Musik der Gruppe gelauscht haben, um die Stärken des "Livefields"-Album zu entdecken. Die Titel sprechen ausnahmsweise nicht für sich selbst. Erst das genossene Live-Erlebnis macht sie richtig interessant. "Livefields" erreichte # 57 in Deutschland.

Italo-Pop mit schöner Stimme

Die junge Italienerin Laura Pausini kam mit ihrem 98/99er Album "La Mia Risposta" auf # 3 in ihrem Heimatland, und hielt sich in den dortigen Top 10 für sechs Wochen. In Deutschland geniest die junge Sängerin bei weitem nicht das Ansehen wie etwa ein Eros Ramazzotti. Dabei bewegt sie sich musikalisch genau in diesen Eros-Gefilden.

Im Programm von Laura wechseln sich gefühlvolle Balladen mit flotten Italo-Pop-Songs ab. Dabei ist es stets ihre wunderschöne Stimme, die den Songs die letzte Faszination verleiht. Besonders gelungen sind die Schmuse-Titel "Anna Dimmi Si", "In Assenza Di Te" [wurde als Single ausgekoppelt] und "Buone Veritá" [supergeniales Gitarrensolo!]. Von den Pop-Titeln ragen neben der ersten Single "Un' Emergenza D'Amore" noch "Una Storia Seria", "Che Bene Mi Fai" und "Tu Cosa Sogni" heraus.

Flotter US-Rock

Für sein neuestes Studio-Album "On A Day Like Today" hatte sich Bryan Adams Bob Rock als Hauptproduzenten ausgesucht [zwei der 15 Titel entstanden ohne Zutun von Bob Rock]. Dieser Wechsel von Erfolgsmann John "Mutt" Lange zu Rock sollte sich bezahlt machen. Unter der Führung von Lange brachte Bryan Adams sein Meisterwerk heraus. "Waking Up The Neighbours" (1990/91) war der [musikalisch wie kommerziell] größte Wurf des Edelrockers. Mit dem Nachfolgealbum "18 Till I Die" (1996) gestaltete es sich schon etwas anders. Unter dem Strich kam dabei ein etwas enttäuschendes Werk heraus, das die Rock-Schiene vernachlässigte und dem 91er Werk nicht das Wasser reichen konnte.

"On A Day Like Today" wurde ein wenig überraschend auf den Markt geworfen. Dennoch ging es für die Platte von Null auf die "5" (GB # 11) in Deutschland. Nach einer weiteren Woche Top 10 rutschte die Platte allerdings ins Niemandsland ab. Dank zweier Erfolgssingles, "When You're Gone" (zusammen mit Spice Girl Mel C) und dem grandiosen "Cloud # 9" (im Chicane Mix), hielt sich das Album aber fast ein Jahr in den Album-Charts und überschreitete locker wieder die "Gold-Marke" von [damals noch] 250.000 Einheiten. In der Endbilanz dürften sogar rund 400.000 Exemplare über die Ladentische gegangen sein.

Auch ich kaufte mir die Platte erst gut ein 3/4 Jahr nach Erscheinen. Gelockt von "Cloud # 9". Und es wäre nicht auszudenken gewesen, wenn ich mir diese Platte hätte entgehen lassen. Sie ist nämlich überraschend rockig und flott. Der erdige und melodische Sound von Adams ist auf seinem 98er Werk wieder geschliffen wie in seinen Bestzeiten. Schon mit dem Opener "How Do Ya Feel Tonight" und "Cīmon Cīmon Cīmon" stimmt er den Zuhörer auf das ein, was ihn in der Folge erwartet. Flotter Adams-US-Rock, der außerdem noch in den Titeln "Fearless", "I Don't Wanna Live Forever" und "Lie To Me" seine Höhepunkte hat.

Absoluter Übersong (neben "Cloud # 9") ist das an "One Night Love Affair" erinnernde "Before The Night Is Over" - sensationell! Daß diese Titel gut zusammenpassen, ist BA wohl auch aufgefallen. Er spielte beide beim 2000er Open-Air in Wiesbaden [am Bowling-Green] in einem Medley im Wechsel! Die langsamen Titel sind natürlich immer noch Teil einer jeden Veröffentlichung des Künstlers. Sie werden aber leider immer langweiliger. Das Gespür für Mörderballaden ist BA in den letzten Jahren irgendwie abhanden gekommen. Aus dieser Sparte überzeugt diesmal nur "Where Angels Fear To Tread" restlos.

Bombastischer Power-Rock

Das Album "Slang" (1996) war nicht schlecht, aber weit vom üblichen Def Leppard-Erscheinungsbild entfernt. Jetzt mit "Euphoria" fand die Gruppe wieder zurück zum altbekannten Stil. Mit "Demolition Man" und der Single "Promises" legte die Truppe entsprechend los. Insgesamt aber fehlte der Glanz auf diesem Album. "Euphoria" begeisterte nicht mehr so wie "Hysteria" oder "Adrenalize". Auch wenn auf der neuen CD durchweg gut produzierte Def Leppard-Stücke zu finden waren, aus irgendeinem Grund haute einen das nicht mehr so um wie früher.

"Euphoria" erreichte in Deutschland # 14 und schrammte in den USA und Großbritannien knapp an Top 10 Notierungen vorbei (jeweils # 11). Zu den sehr guten Songs zählten neben erstgenannten Tracks die Ballade "Goodbye", der Rockhammer "Paper Sun", das zurückhaltende "It's Only Love" und "Guilty".

US-Mainstream-Rock

Was war das für ein sensationelles Gefühl! Ich schlug im März 1999 die Ausgabe des Musikexpress auf und las von dem Toto-Reunion-Album "Mindfields". Und es war eine ganz besondere Reunion, die sich da bei der Gruppe vollzog. Bobby Kimball, der Sänger aus den erfolgreichsten Tagen der Band, war nach 15jähriger Abstinenz wieder Toto-Mitglied. Natürlich war es keine Frage, daß ich am 08.03.99 [das war das im ME genannte Datum] loszog, um mir das Album zu kaufen. Schließlich war die Scheibe gleich im Media Markt-Angebot. Dennoch geriet dieser morgendliche Einkaufsbummel zu einer Enttäuschung. "Mindfields" sollte nämlich erst am 09.03. veröffentlicht werden. Am nächsten Morgen fand das ganze Spiel also noch einmal von vorne statt....

Keine Frage! Toto-Platten schlagen bei mir immer ein wie eine Bombe. Das war auch mit "Mindfields" nicht anders. Ich fuhr sofort auf die neuen Titel total ab und frohlockte ob der Wiederkehr des "verlorenen Sohnes". Aber das hatte nichts, aber auch gar nichts zu bedeuten. Nicht bei Toto-Platten. Bei denen entscheidet sich Top oder Flop nämlich nach mehrmaligen Durchhören. Und im Rahmen des wiederholten Abspielens des neuen Werks vermißte ich immer mehr das "IV"-Feeling aus vergangenen Tagen.

Sicher, die Stimme von Bobby Kimball tat der Gruppe gut. Der überwiegende Teil der CD, "After You Gone" (Opener / nur von SL gesungen), "Mindfields", "Caught In The Balance", "Last Love", "Melanie", "Cruel", "Better World", "One Road" und die erste Single "Mad About You", genügte dem Toto-Standard. Letztlich sprang der Funke aber zu selten wirklich über. Der Rest des Albums [noch vier weitere Titel], dabei insbesondere die Blues-Songs "Mysterious Ways" und "High Price Of Hate", ließ wenig Toto-Stimmung aufkommen.

Mit # 14 in Deutschland, # 6 in Frankreich, Top 10 Plazierungen in der Schweiz, Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland schnitt die Platte dennoch recht gut ab. Ich behaupte aber: Wäre "Mindfields" qualitativ besser gewesen, eben mehr 80ies-Toto-like, hätte man noch weitaus mehr erreichen können [vor allem in Bezug auf Deutschland]. Hoffen wir das beste für die nächste Studio-CD der Band....

Lässiger Pop

1999 gab es "Gold" in Deutschland für das neue Texas-Album "The Hush". Diesen Wurf erst ermöglicht hat die Erfolgssingle "Summer Son". Mit dem Titel gelangte die Band um Frontfrau Sharleen Spiteri auf # 3 der deutschen Charts (GB # 5). Nach einem Neueinstieg in die deutsche Album Top 100 auf # 10 fiel die Platte erst einmal wieder ab, um dann im Sog des vorgenannten Songs zurück in die Top 10 zu kommen (bis auf # 7). In Großbritannien schlug bereits die erste Auskopplung "Once In A Lifetime" in die Top 10 ein und bereitete so frühzeitig den Sturm auf # 1 der britischen LP-Hitparade vor.

Insgesamt bietet "The Hush" etwas weniger Rock als der Vorgänger "White On Blonde". Die Platte weist neben "Summer Son" und "Once In A Lifetime" noch mit "Day After Day" und "The Day Before I Went Away" wunderbare und restlos überzeugende Titel auf. Über weite Strecken der CD präsentieren die "Texaner" aber eher relaxten Groove-Pop, der, je nach Stimmungslage, auch mitunter langweilen kann.

Pop/Rock mit grandioser Sängerin

Als kleine Enttäuschung stellte sich die zweite CD der Super-Rockröhre Amanda Marshall heraus. Weckte sie mit ihrem Debüt noch die Hoffnung auf straighten Rock mit grandioser Stimme, so wurde man nun bei "Tuesday's Child" (D # 18 / höher als das Debüt) eines Besseren belehrt. Es steht außer Frage, daß eine Amanda Marshall schon alleine durch ihre Stimme ein Album auch bei durchschnittlichem Songmaterial locker über diesen hinweghebt, aber Wunder kann auch sie nicht vollbringen.

Die Songs "Believe In You" (sensationell!!!!), "Love Lift Me" und "If I Didn't Have You" sind die einzigen, die nicht von Don Was produziert wurden. Und die sind die mit Abstand besten Stücke dieser Platte. Hier stimmt das Zusammenspiel zwischen Rock-Stimme und Musik. Großes Lob an Kevin Shirley [u.a. Def Leppard und Journey] und Hooters-Mastermind Eric Bazilian. Der Rest der CD ist nett, aber eben nichts außergewöhnliches und regelrecht lahm. Nur dank des Charismas von Amanda halten sich diese Songs knapp über dem Durchschnitt.

Schräger Gute Laune-Rock

Gregg Alexander ist schon ein Verrückter! Der Kopf und Mastermind der New Radicals löste seine Gruppe kurzerhand auf, als ihm der Erfolg zu groß wurde. Nun, er hatte in der Tat Grund dazu dies zu tun. Das Album "Maybe You've Been Brainwashed Too" schoß dank der Erfolgssingle "You Get What You Give" (Plazierungen: siehe Singleliste) in die Top 10 der britischen LP-Hitparade. Auch in Deutschland schaffte man immerhin # 25 (US # 41).

Als ich die Spaß-Rocknummer "You Get What You Give" zum ersten Mal hörte, dachte ich zuerst, Jeff Lynne (ELO) hätte eine Frischzellenkur genommen und wäre zum Comeback angetreten. Gregg Alexanders Stimme klingt wirklich ein wenig nach dem ELO-Boss, dies fällt insbesondere bei og. Hitsingle auf. Neben diesem Übersong findet man auf der CD der New Radicals noch etliche locker mainstreamig-verrückte Pop/Rock-Titel. Dabei fragt man sich: Mainstream und verrückt, geht das überhaupt? Jepp! Das geht! Den Beweis liefert die Gruppe auf "Maybe You've Been Brainwashed Too". Mit "Someday We'll Know", "Mother We Just Can't Get Enough", "I Don't Wanna Die Anymore", "Jehovah Made This Whole Joint For You", "Gotta Stay High", "Technical Lover" und "Flowers" und der Topsingle sind mindestens 75% der CD Spaß, Pop und Extravaganz zugleich, und zwar in purer Form!

Jetzt schreibt der gute Gregg Songs für Rod Stewart ("I Can't Deny It) oder Ronan Keating ("Lovin' Each Day"). Und man liest seine Handschrift auf Anhieb heraus. Das ist der wahre Beweis für Klasse, denn die genannten Titel versprühen den gleichen Spaßfaktor wie die New Radicals-Stücke.

US-80ies-Rock in den Endneunzigern

Fergie Frederiksen ist den Toto-Fans ein Begriff. Er gastierte für das "Isolation"-Album (1984) als Sänger und verschwand danach in der Versenkung. 1999 veröffentlichte er auf dem MTM-Label [Thomas Häßlers Plattenfirma] die CD "Equilibrium". Und [fast] niemand nahm davon Kenntnis. Ich hätte davon womöglich auch nichts mitbekommen, wenn nicht der alte Toto-Spezi Jovalli mal wieder beim "Musikladen" gestöbert hätte.

"Equilibrium" ist reiner 80ies-Rock. Titel wie "Equilibrium" (!!!), "Best I Can Be", "Falling Into Place", "Died In The Midst Of A Dream" und "The Truth Is Good Enough" sind irgendwo zwischen den Toto's, Chicago's und Journey's der 80er Jahre einzuordnen. Daß man damit kaum einen mehr begeistern kann, wenn man nicht gerade zu den Superstars der damaligen Zeit gehört, ist allerdings klar.

Tolles Rock-Album, dem aber eine etwas fettere Produktion gut zu Gesichte gestanden hätte.



Die Singles des Jahres 1999
  1. Amanda Marshall - Believe In You
  2. Lene Marlin - Sitting Down Here
  3. Ann Lee - 2 Times
  4. Backstreet Boys - I Want It That Way
  5. Britney Spears - ...Baby One More Time
  6. Def Leppard - Promises
  7. New Radicals - You Get What You Give
  8. Laura Pausini - In Assenza Di Te
  9. Toto - Mad About You
  10. Bryan Adams - Cloud # 9
  11. Christina Aguilera - Genie In A Bottle
  12. Shanks & Bigfoot - Sweet Like Chocolate
  13. Vengaboys - Boom, Boom, Boom, Boom!!
  14. Metallica - Whiskey In The Jar
  15. Jessica - How Will I Know (Who You Are)
  16. Foo Fighters - Learn To Fly
  17. Britney Spears - (You Drive Me) Crazy
  18. TLC - No Scrubs
  19. Roxette - Wish I Could Fly
  20. Celine Dion - Thatīs The Way It Is

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** Den herausragenden Song '99 lieferte für mich Amanda Marshall ab. "Believe In You" paßte wunderbar zu ihrer Stimme. Leider ging es in Deutschland nur rauf bis # 75. ** Die süße junge Norwegerin Lene Marlin preschte mit ihrer tollen Single "Sitting Down Here" bis in die Top 5 der deutschen Airplay-Hitparade vor. In den Verkaufscharts reichte es nur zu # 57. Dafür belegte sie die britischen, französischen und italienischen Top 10. ** Die dritte Dame im Bunde der Top-Hits '99 war die zierliche Ann Lee. "2 Times" brachte ihr eine # 2 in England ein. Auch hierzulande rotierte die Single zum Dauerbrenner (# 5). **


** Dieser Abschnitt ist den erfolgreichsten Vertretern der Boygroup- und Girliefraktion gewidmet. Die Rede ist von den Backstreet Boys und Britney Spears. "I Want It That Way" hieß der große Hit der Backstreet Boys aus dem Jahre 1999 (D & GB # 1, US # 6). Britney Spears war neu auf dem Markt und schoß gleich mit ihrer ersten Single "...Baby One More Time" die Spitze der amerikanischen, britischen, und deutschen Charts ab. Dieser Titel war objektiv gesehen stark, genauso wie "(You Drive Me) Crazy": D # 4, US # 10, GB # 5. **


** Die neue Single von Def Leppard hörte sich endlich wieder nach den alten Songs an. "Promises" hinterließ aber keinen bleibenden Eindruck in den Hitparaden. ** Ein Knaller war die erste Single der New Radicals. "You Get What You Give" schaffte # 8 in Großbritannien, # 21 in Germany und # 36 in den Vereinigten Staaten. ** "In Assenza Di Te", eine wunderschöne Ballade von Italiens Superstar Laura Pausini, ließ die Deutschen mal wieder völlig kalt, schade! **


** "Mad About You", die erste Toto-Single aus dem "Mindfields"-Album, war ganz gut gelungen, aber der letzte Pep fehlte diesem Stück schon ein bißchen. Darum nur ganz knapp Teilnehmer meiner Top 10. ** "Cloud # 9" (D # 33, GB # 6) bewegte mich zum Kauf des BA-Albums "On A Day Like Today". Coole Nummer! ** Ein weiteres Girlie, Christina Aguilera, machte von sich Reden. "Genie In A Bottle" machte die # 1 in den USA und Großbritannien (D # 2). ** "Sweet Like Chocolate" war die britische No. 1 der Girl-Band Shanks & Bigfoot definitiv. Bei uns reichte es immerhin zu # 22. **


** "Boom, Boom, Boom, Boom!!" sangen die Vengaboys und kamen damit auf # 1 bei den Briten. In Deutschland blieb die Single über zwei Monate in den Top 10 (HP: # 6). ** Das Metallica-Cover "Whiskey In The Jar" [im Original von Thin Lizzy] hatte es in sich und plazierte sich hoch in den deutschen Singlecharts (# 23). Auf dem Album "Garage Inc." präsentierte die Band ausschließlich Coverversionen. Dem Erfolg der Hardrocker tat dies keinen Abbruch: US # 2, D # 1. **


** Über 20 Wochen gastierte die stimmgewaltige Jessica mit ihrem "How Will I Know (Who You Are)" in den deutschen Top 100. Mehr als Platz 24 war für die Schwedin allerdings nicht drin. ** Dave Grohl, der Schlagzeuger der Grungeikonen Nirvana, lieferte mit seiner Band Foo Fighters eine feine Single ab. Das Video zu "Learn To Fly" war nicht das einzige was gelungen war an dieser Melodic-Rocknummer (US # 19, GB # 21). **


** Die Mädels von TLC forderten "No Scrubs" und katapultierten sich auf # 1 ihres Lieblingslandes, den USA. Aber auch Deutschland (# 4) und England (# 6) dürfen sie liebhaben. ** "Have A Nice Day", das neueste Album der schwedischen Roxette, war zwar nicht mehr ganz so erfolgreich wie die alten Scheiben, aber für # 2 in Deutschland (GB # 11) reichte es immer noch. Das beste Stück aus diesem Album war zugleich die erste Single: "Wish I Could Fly" kam bis auf # 26 in D (GB # 11). ** Der flotte Titel "That's The Way It Is" war eines der letzten Lebenszeichen von Celine Dion vor ihrer Babypause. In den USA (# 6) und Deutschland (# 8) reichte es zu Top Ten-Plazierungen (GB # 12). **