| Asia - Aura |
Nach knapp fünf Jahren ist es wieder soweit. Geoff Downes & John Payne, seit 1991 die
Köpfe der Band Asia, gehen mit ihrem neuen Album "Aura" an den Start. Insgesamt ist die
Rockmusik der Gruppe etwas softer geworden. Harte Gitarrenriffs wie auf dem 94er "Aria",
sind auf "Aura" eher die Seltenheit. Diesen Weg hatte man bereits mit der Vorgänger-CD
"Arena" (1996) eingeschlagen. Diese Songs zündeten allerdings nur beim ersten Hören und
wurden im Laufe der Zeit immer belangloser. Mit der neuen Platte ist das völlig anders. Alle
Songs von "Aura" besitzen eine erstaunliche Substanz, die das Manko der fehlenden Härte
mit großartigen Melodien und glänzenden Refrains locker wettmacht. Für mich als
bekennender "Wetton-Fan", die größte Überraschung der Platte: John Paynes Stimme
harmonisiert mit dem Asia-Sound so gut wie nie zuvor. Man könnte meinen, die neuen Titel
sind geradezu auf ihn zugeschnitten.
So, nun konkretisieren wir das ganze mal, und gehen ins Detail. "Aura" bietet locker flockige
"Easy Listening"-Musik auf der einen, und Progressiv-Rock im weiteren Sinne auf der
anderen Seite. Die meisten der Pop-Titel, sind so eingängig gestrickt, daß sie den Zuhörer
bereits in einem frühen Stadium zum "Mitsingen" einladen. Der Asia-Wiedererkennungswert ist, dank der Synthie-Teppiche von Downes, der (mittlerweile auch
für mich) vertrauten Stimme von Payne und der für diese Gruppe typischen Sound- und
Gesangstruktur, auch in diesen Songs sehr hoch. Dies gelingt mit Stücken wie "Forgive Me", "The Last Time" und
"You´re The Stranger" gut.
Absolut führend sind in diesem "Pop-Bereich" der Platte:
"Wherever You Are" und "Ready To Go Home". Diese beiden Titel besitzen definitives Hit -
Potential. Wenn es denn mal eine Plattenfirma auf die Reihe bekäme Asia adäquat in Szene zu
setzen, könnte sich sogar mal wieder etwas in den Single-Charts tun. Die letztgenannten
Lieder wurden von Graham Gouldman & Andrew Gold geschrieben, bzw. im Fall von "Wherever You Are" mitgeschrieben. So erklärt es sich auch, daß "Ready To Go Home" bereits auf einer Solo-Platte des A-ha Sängers Morten Harket zu finden ist - vielen Dank für die Info Jovi. Beide Songschreiber bildeten in den Achtzigern die Formation Wax
und hatten ihren größten Hit in Deutschland mit "Bridge To Your Heart". Gouldman war
außerdem Mitglied von 10cc.
Das andere Gesicht von "Aura" bilden rockigere Stücke, so wie man sie schon fast 20 Jahre von Asia kennt. Wobei der Übergang von Pop in
Rock auf dieser neuen Asia-CD als fließend angesehen werden darf. Meine Zuordnung ist in
diesem Sinne nur rein gefühlsmäßig. Der Opener "Awake", "Kings Of The Day", vor allem
aber die grandiosen Progrock-Nummern "Free", "The Longest Night" und "Hands Of Time"
(einem der Bonustracks auf der Special-Edition im Pappkarton) erreichen höchstes Asia-Niveau und runden das sehr positive Gesamtbild der Platte ab. Dabei sei kurz den potentiellen
Käufern der CD geraten, die DM 2.-- an Mehrkosten im Vergleich zur "Normalausgabe" von
"Aura" nicht zu scheuen. Dieser Zusatzaufwand macht sich mit drei prächtigen Bonustracks
mehr als bezahlt. Zumal das eigentliche Schlußlied der "Normal"-Ausgabe, der flotte
Instrumental-Titel "Aura", eher Laune auf mehr macht......
Fazit: Man kann "Aura" stilistisch wenig mit "Aria", dem bislang besten Album aus der "Payne"-Ära, vergleichen. Zumindest aber in punkto Qualität, fällt der Brückenschlag nicht schwer. Wenn auch aus einem anderen Grund. Damals war es ein knackiges Rock-Album, das zu überraschen wußte. Heute sind es die großartigen Melodien und das
wunderbare Zusammenspiel aller Asia-Elemente zu einem sehr harmonischen, eingängigen und ansprechenden Ganzen. (23.02.2001)