| Asia - Silent Nation |
Das ist erfreulich! Auch mehr als zwanzig Jahre nach ihren größten Erfolgen bleiben Asia
als eine der letzten Konstanten des Classic-Melodic-Prog-Rock im Rennen. Geschlossener
den je geht Urmitglied Geoff Downes ['Mr. Keyboard'] mit John Payne [Gesang, Bass,
Gitarre], Guthrie Govan [Gitarre] und Chris Slade [Schlagzeug] zuwerke. Asia
präsentieren sich seit der 2001er Tour als festes Quartett, erstmals in der seit 1991
andauernden zweiten Phase mit Payne als Sänger. Und sie haben mit "Silent Nation"
einen großartigen Leistungsnachweis mit zehn ausgeglichen starken Tracks der obersten
Niveaukategorie abgeliefert. Positiv auffallend ist die hervorragende Gitarrenarbeit von
Govan, dem zahlreiche feine Einsätze gelingen. Musikalisch bewegt man sich auf einem
Kompromiss-Weg zwischen Old-School- [mit John Wetton] und New-School-Asia, der
Härtegrad bringt eine Mischung aus "Aria" und "Aura", den besten Platten der Payne-Ära.
Die Orientierung am Classic-Asia-Sound kommt insbesondere in den Background-Gesangspassagen zum Ausdruck, die derart grandios bislang aus keiner Downes/Payne-Arbeit herauszuhören waren. "I Will Be There For You", druckvoller Song mit
superstarkem Refrain [man glaubt fast, John Wetton im Background zu hören ;-)],
Album-Opener "What About Love" und die Prog-Rock-Hymne "Midnight" dürfen als
belegende Beispiele dienen. Die Keyboardspielereien von Downes stellen natürlich auch
diesmal ein zentrales Thema dar, wenngleich es keinen reinen Instrumental-Titel gibt. In
der Prog-Pop-Ballade "The Prophet", dem düsteren "Darkness Day", dem Prog-Epos "Blue Moon Monday" und dem flotten "Long Way From Home" finden die Freunde der Downes-Kunst ausreichend Gründe zum Frohlocken. Mit "Ghost In The Mirror" macht die Band
einen sehr kommerziellen Ausflug ins Melodic-Rock/Pop-Gefilde. Wenn sich die Frage
stellen würde, welchen Song man als Single auskoppeln sollte, müsste man dieses Stück
auswählen. Die ausgezeichnete Classic-Melodic-Ballade "Gone Too Far" und die
mitreißende Prog-Rock-Hymne "Silent Nation" runden nach dem 2001er "Aura"-Album
nun schon die zweite Asia-Maßarbeit in Folge ab.
Zwei, drei Worte sollte man noch über den langjährigen Partner von Geoff Downes
verlieren, John Payne. Er verleiht mit seiner im Vergleich zu John Wetton wesentlich
erdigeren Stimme dem Soundgebilde eine völlig andere Note. In den letzten Jahren ist
sein Gesang zu einem willkommenen Bestandteil einer Asia-Leistung geworden. Wie sehr
Payne seit 1991 in die Führungsrolle neben Downes hineingewachsen ist, unterstreicht
auch die Tatsache, dass man ihm erstmals die alleinige Produktion des neuen Albums
anvertraute. [Chartinfos: "Silent Nation" erreichte in Deutschland # 77]
(13.09.2004)