| Creed - Human Clay |
"Human Clay", das zweite Album der amerikanischen Hardrock-Formation Creed, erschien bereits
im Herbst 1999. Aufmerksam wurde ich auf die Band durch das Video zur genialen Single
"Higher" (US Top 10). Das Anhören der CD in einem Plattenladen gestaltete sich "hart aber
gerecht". Aber irgendwie konnte ich mich zum Kauf noch nicht entschließen, denn die Musik
dieser Band stellt für mich eine echte obere "Härteschranke" dar. Erst als man die Ballade
"With Arms Wide Open" auskoppelte, und diese bis an die Spitze der US-Singlehitparade
vordrang, 'investierte' ich in die Langrille.
Jetzt liegt "Human Clay" in einer Special Edition aus dem Jahr 2000 vor, mit einer
zusätzlichen Strings-Version des Tophits "With Arms Wide Open". Bislang hat die CD
alleine in den USA 9 (!) Millionen Abnehmer gefunden (Seit Monaten in den US Top 10 / # 5
Stand 05.02.2001). In Deutschland stieg man im Oktober 1999 hoch auf # 20 ein, fiel aber
relativ schnell wieder aus den Top 100 heraus. Jetzt, mit og. Ballade (D # 46 am 05.02.2001),
schaffte die Platte den Wiedereinstieg in die Albumcharts und liegt aktuell (05.02.) auf Position 24 -
Tendenz steigend.
In der Tat besitzt das Werk der Band eine ordentliche Portion Aggressivität und die Stücke
sind meist ernsterer Natur. Dennoch spielen Creed Hardrock nach alter Schule - nur in einem
modernen Gewand. Genau in diesem Punkt heben sie sich extrem von der Rap-Rock-Welle
á la Limp Bizkit, Rage Against The Machine oder Deftones ab. Und das ist auch sehr gut so,
denn sonst hätte dieses Album natürlich nicht den Weg in meinen Plattenschrank gefunden.
Die Stimme von Creed-Sänger Scott Stapp bewegt sich schon recht oft in einem rauhen
und "fiesen" Bereich, er überschreitet aber zu keinem Zeitpunkt meine Schmerzgrenze. Auch
das Gitarrenhandwerk von Mark Tremonti (außerdem noch: Brian Marshall am Bass und
Scott Phillips an den Drums) wirkt stellenweise sehr heavy aber nie brachial. Und das sind eben die
Attribute, die [subjektiv] gute Rockmusik von [subjektiv] schlechter Rockmusik abtrennen.
Das Vorzeigestück erster Güte ist die bereits erwähnte wunderbare Hardrock-Ballade "With
Arms Wide Open", bei der es sich wirklich gelohnt hat, auch noch eine mit Geigen verzierte
Version mit aufs Album zu nehmen. "Higher" gehört ebenfalls zu meinen absoluten Album-Favoriten. Beide Songs zählen zu den "gemäßigten" Titeln auf "Human Clay", und diese sind
dort insgesamt in einer leichten Übermacht. "What If", "Beautiful" und "Say I" laufen als
Track 2 bis 4 hintereinander und stellen zusammen mit dem vorletzten Titel "Young Grow
Old" die härtere, aber immer noch ausreichend melodische Fraktion dar. Weitere Anspieltips
sind der flotte Opener "Are You Ready?", die verhaltenen "Inside Us All" und "Wash Away
Those Years", die modernen Melodic Hardrocker "Faceless Man" und "Wrong Way".
Fazit: Harte moderne Rockmusik, die über weite Strecken fesselnd wirkt.
(07.02.2001)