| Def Leppard - X |
Def Leppard, Joe Elliott [Gesang] , Rick Savage [Bass], Rick Allen [Schlagzeug], Vivian
Campell [Gitarre] & Phil Collen [Gitarre], sind eine der letzten großen Classic-Melodic-Rock-Gruppen, die es immer noch regelmäßig bewerkstelligen, in die Top 20 der großen
Musiknationen vorzudringen. Dies gelang nun auch der zehnten Platte "X": D # 19, US #
11, GB # 14 [jew. Höchstnotierungen per 22.08.]. Freilich belagerten frühere Leppard-Alben wochen-, ja monatelang die Top 10 der Charts, dennoch ist diese Hitparaden-Präsenz gut 10-15 Jahre nach dem Höhepunkt der Bandkarriere [US/GB: "Hysteria" aus
1987; Deutschland: "Adrenalize" aus 1992] nach wie vor beachtlich!
Die neue Scheibe der Leps ist zwar einfach gestrickt, das heißt, sie kommt ohne größere
Schnörkel oder Spielereien aus, gelangt aber gerade aus diesem Grund sehr schnell zum
wesentlichen Teil. "X" liefert höchst ohrwurmige Songs in Serie, zudem ist die Verführung
zum Mitsingen permanent gegeben. Von den 14 Titeln der Europa-Ausgabe besitzen
mindestens neun ausnahmslos diesen Charakter - bei den restlichen fünf trifft diese
Einschätzung meist mehr, manchmal auch weniger zu. Und dennoch muß derjenige Def
Leppard-Fan, welcher es schätzt, daß seine Lieblinge kräftige Riffs auffahren, mit
Vorsicht an "X" herangehen. Es steht nämlich völlig außer Frage, seit "Euphoria"
beackern Def Leppard etwas seichtere Pfade. Dieser Trend setzt sich mit der neuen
Scheibe nahtlos fort. Was jedoch beim 99er Longplayer phasenweise langweilig und
belanglos klang, schallt nun wesentlich attraktiver aus den Boxen.
Die erste Single "Now" [HP: GB # 23, D # 72] eröffnet die Reise durch die neue Def
Leppard-Langrille. Dem flotten Rock des Openers [geniales Mittelriff, klasse Refrain] folgt
mit "Unbelievable" eine dieser Soft-Balladen, von der Spötter behaupten würden, 'Def
Leppard goes Münchener Freiheit' ;-). Dabei kann man, wenn einem Balladen an sich
etwas bedeuten, an diesem wunderschönen Stück Musik so viel Freude haben:
traumhafte Mehrstimmen-Gesangsparts und ein fantastischer Refrain überzeugen voll.
Gleiches gilt für die anderen beiden Songs aus dieser Kategorie: "Long Long Way To Go",
"Let Me Be One" [wird zum Ende hin etwas langweilig]. Die Monster-Ballade heißt
diesmal "Torn To Shreds" mit fetzig-bombastischem Gitarren-Intro und fett arrangiertem
Refrain.
Natürlich findet man auf "X" neben "Now" noch weitere, auf hohem Niveau stehende
Rock-Stücke. Das flotte "You're So Beautiful" hört sich bspw. sehr nach modernisiertem
Def-Sound an, "Four Letter Word" hat einen Aerosmith-Touch [dreckiger Sound &
Gesang], "Love Don't Lie" besticht mit flott-mainstreamigen Songgerüst, "Scar" weist als
Longtrack [5 Min] einen langen, überragenden Instrumentalteil auf und "Kiss The Day"
als Bonussong der Europa-Ausgabe ist einfach nur druckvoll. Schade, daß nicht alle
Länder in den Genuß dieses Lieds kommen. Was die vorgenannten Tracks aber ganz
besonders aufwertet, sind bestechende Refrains, die sich in des Hörers Ohr beißen.
Dennoch kommt man nicht um eine kurze [leichte] Schwächephase herum: "Gravity" [eher
nichtssagend und schräg] und "Cry" [eigentlich O.K., aber der Refrain nervt] laufen
bezeichnenderweise auch noch direkt hintereinander. "Girl Like You" [rockig] sowie
"Everyday" [Midtempo] gehören in die Kategorie 'guter Mitläufer'.
Wer mehr von den harten Leppards haben will, soll meinetwegen "Hysteria" und
"Pyromania" zusammen mit "X" in den CD-Wechsler legen - 2002 steht die Band
jedenfalls für niveauvolle Ohrwürmer, Mitsing-Refrains und tolle Melodien, und das hört
sich doch wirklich verdammt gut an, oder?
(22.08.2002)