Depeche Mode - Exciter Dabei wird einem nur schlecht ....

Erwachsener Synthie-Pop

Auf ihrem 97er "Ultra"-Album wußten Depeche Mode mit anspruchsvollen aber zugleich attraktiven Songs wie "It's No Good", "Home", "Useless" oder "Barrel Of Gun" zu überzeugen. Was Dave Gahan, Martin Gore und Andy Fletcher jetzt aber mit "Exciter" bieten, ist mit einem Wort kurz und bündig zu beschreiben: Laaaaaaaaangeweile! Möge mir keiner mit dem Einwurf kommen, man müßte in die neuen DM-Songs nur tief genug einsteigen, um ihre wahre Qualität herauszufinden. Es ist schon richtig, daß die Songs vom neuen Longplayer nach mehrmaligem Hören ein bißchen an Aussagekraft gewinnen, die vielen Musikfreunde aber, welche vor allem die Depeche Mode-Singles der letzten knapp 20 Jahre verehren, und bis dato anbei auch stets ein entsprechendes Album geliefert bekamen, werden trotzdem mit "Exciter" eine herbe Enttäuschung erleben.

Ein Depeche Mode-Fan war ich nie, aber ich schätze ebenfalls die DM-Hits seit Anfang der Achtziger bis etwa 1998. Dabei war die Band in England bereits 1981 in den dortigen Album-Top 10 zu finden [Debütwerk "Speak And Spell"]. In Deutschland begann der Depeche Mode-Hype mit dem Album "Construction Time Again" aus dem Jahr 1983 und setzte sich bis heute ungebrochen fort. Die erfolgreichsten Platten: "Black Celebration", "Music For The Masses", "Violator" [1986, 1987, 1990 jeweils # 2 in Deutschland]; "Songs Of Faith And Devotion", "Ultra", "Singles 86-98" [1993, 1997, 1998 jeweils # 1 in D]. Darüber hinaus glänzte die Band seit 1984 hierzulande mit Smashsingles, die reihenweise die deutschen Top 10 belagerten. Auch hier seien nur die erfolgreichsten DM-Titel bis 1998 genannt: "People Are People", "Master & Servant" [1984: # 1 bzw. # 2]; "Strangelove", "Never Let Me Down Again" [1987: jew. # 2]; "Enjoy The Silence" [1990: # 2]; "Barrel Of Gun" [1997: # 3]; "Only When I Lose Myself" [1998: # 2].

Auch die erste Auskopplung vom neuen Album "Exciter", "Dream On", schoß dank Hochdruck-Performance im Radio plus "heißer" Fangemeinde gleich von Null auf # 1 der deutschen Single-Charts. Die Quittung bekam die ödeste aller DM-Singles eine Woche später und stürzte in geradezu sensationeller Weise auf # 15 ab. Doch eben dieses "Dream On" steht stellvertretend für das komplette Album "Exciter". Ob das nun die zweite Single "I Feel Loved", "The Sweetest Condition" oder "Goodnight Lovers" ist, den Songs fehlt durchweg jegliche Harmonie. Es existiert weder ein brauchbarer Rhythmus noch irgendeine Melodieführung, es regiert einfach nur gähnende Leere. Auf diese Beschreibung passen neun der 13 Albumtitel. Beispielsweise in "When The Body Speaks" langweilen Gahan und Co. den Zuhörer fünf Minuten, um dann den Song auch noch satte 60 Sekunden lang ausklingen zu lassen - fürchterlich!!

Die einzige wirklich akzeptable Ausnahme findet man in "Freelove", welches mit einem passablen Harmoniegehalt aufwarten kann. "Shine" und "I Am You" legen ansatzweise ebenfalls Bruchstücke der "alten" Depeche Mode an den Tag. Völlig daneben ist das flotteste und rockigste Stück "The Dead Of Night". Hier kracht und quietscht es viel zu sehr um für eine veritable Abwechslung zu sorgen. Nein, dieser Song ist wirklich einige Portionen zu schräg geraten.

Dieser Longplayer landete nur deshalb auf # 1 in Deutschland und in den Top 5 vieler europäischer Länder, weil die Gruppe immer noch auf eine riesige (treue) Fangemeinde zurückgreifen kann. Doch auch die eisernsten Anhänger dürften mit diesem Werk so ihre Probleme haben. Und vielleicht bereuen sogar einige von ihnen den "Blind"-Kauf der Scheibe .... (28.09.2001)



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