Gotthard - One Life One Soul / Best Of Ballads Insgesamt starkes (gutes) Album mit einigen echten Highlights!

Melodischer Rock von seiner soften Seite

Zum Zehnjährigen haben sich die schweizerischen Melodic-Rocker von Gotthard etwas ganz Besonderes gegönnt. Zum ersten Mal in der Bandgeschichte veröffentlichte man eine 'Best Of'-Kompilation, die sich allerdings ausschließlich auf das softe Repertoire der Truppe beschränkt. Ein möglicherweise nachvollziehbarer Zug, wenn man bedenkt, daß sich bereits die letzten beiden Studioalben "Open" und "Homerun" durch eine Senkung des Härtegrades auszeichneten und mit dieser Strategie zu den erfolgreichsten Scheiben der Band avancierten.

In Deutschland, immerhin der drittgrößte Musikmarkt nach den USA und Japan, konnten sich Gotthard in den vergangenen drei Jahren bis fast an die Top 10 der Albumcharts heranarbeiten [das 2001er "Homerun" landete auf # 14]. Da hierzulande noch enormer Nachholbedarf bzgl. der rockigen Titel der Band aus der Zeit von 1992 bis 1998 bestehen sollte, wäre die Veröffentlichung eines Komplett-Best-Of aus 'Rockers & Ballads' eine derartig genialer Streich gewesen, daß man, unterstützt von einer intensiven Werbekampagne, diesmal die 'magische' Hürde hätte überspringen können. So blieb für "One Life One Soul --- Best Of Ballads" nur eine enttäuschende # 60 in den deutschen Charts vom 11.02.2002 übrig [Schweiz: # 1].

Genug gemeckert, wenden wir uns dem "One Life One Soul"-Programm zu. Eine Zusammenstellung, die es mir aus og. Gründen nicht einfach machte, der Band satte fünf 'Musictommy-CDs' zu verleihen. Es war ein 'harter' Kampf, aber letztlich hat die hohe Qualität der Songs für sich gesprochen. Um mit den insgesamt fünf Akustik-Balladen 'warm' zu werden, welche gänzlich ohne Schlagzeug-Power und E-Gitarre auskommen, brauchte ich allerdings besonders viel Zeit. Doch "All I Care", "One Life One Soul" [sozusagen das Titelstück], "Lonely People", "Peace Of Mind" & "Angel" überzeugen auf die Distanz gesehen durch sehr nette, charmante Mitsing-Melodien sowie die würzig-kraftvolle Stimme des Vocal-Meisters Steve Lee.

Meiner Meinung nach ist "Best Of Ballads" immer dann am stärksten, wenn die Band sich auf Rock-Balladen oder gepflegten Mainstream-Rock konzentriert, denn hier ist die Truppe wirklich beheimatet und kann auf den Punkt mitreißen! In erster Linie sollen hier die Oberklasse-Schnulzen "Heaven" [der Titel ist in einer Klassik-Version als Hidden-Track noch ein zweites Mal vertreten], "Let It Rain" und "Homerun" genannt werden, wobei das Hollies-Cover "He Ain't Heavy" ebenfalls sehr ansprechend im Halbballaden-Bereich angesiedelt ist. Großartig sind die 'neuen' Stücke "Ruby Tuesday" [Cover des Melanie-Hits aus dem Jahr 1970/71] und "Looking At You", beide im Midtempo-Format gehaltenen Titel glänzen mit tollen Refrains. "Reason To Live", "You", "Father Is That Enough" oder das schöne "Love Soul Matter" [mit Kinderchor] kann man abschließend als weitere Highlights einer rundum gelungenen Balladen-Sammlung anführen. (11.02.2002)



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