| Gotthard - One Team One Spirit / The Very Best |
Natürlich muss man darüber streiten, ob es sinnvoll ist, dem Fan zweieinhalb Jahre nach
"One Life One Soul – Best Of Ballads" eine weitere Best Of-Kompilation vorzusetzen, die
immerhin sieben Überschneidungen liefert. Da kann auch nicht beschwichtigen, dass es
sich hier um die bessere, weil Rock und Balladen umfassende Zusammenstellung
handelt. Die Band Gotthard hat mit der Veröffentlichung von "One Team One Spirit"
jedoch reichlich wenig zu tun, letztlich ist dies eine strategische Entscheidung der
Plattenfirma BMG, die auf diesem Weg noch einmal Kasse mit dem Schweizer
Aushängeschild machen möchte. Der Vertrag mit BMG läuft nämlich mit dieser Doppel-CD aus, Gotthard werden ihre Aufnahmen künftig auf dem eigenen Label G. Points
Records veröffentlichen.
Abgesehen von den oben beschriebenen etwas unglücklichen Umständen lösen die gut
zweieinhalb Stunden Musik, welche man auf "One Team One Spirit" findet, höchst
erfreuliche Reaktionen aus. Abgetrennt nach den beiden von Gotthard in den
vergangenen 12 Jahren bestens bedienten Ressorts "Ballade" und "Rock" liefert die DCD
einen hervorragenden Überblick über das Schaffen der Gruppe und dementsprechend
eine perfekte Demonstration in Sachen Melodic-Hardrock. Klar, auch bei insgesamt 36
Songs lässt sich über die Auswahl der Stücke streiten. Dieses Problem wird es jedoch
immer geben. Das Schweizer Quintett, das neuerdings nicht mehr mit Mandy Meyer,
sondern Freddy Scherer an der zweiten Gitarre antritt, hat seit 1992 einfach zu viele
starke Songs veröffentlicht.
Jemand, der auf melodischen Hardrock mit starkem Sänger steht, bislang aber nichts von
Gotthard besitzt und immer auf die Gelegenheit spekuliert hat, einen Querschnitt durch
die Leistung von Lee, Leoni & Co. kaufen zu können, darf "One Team One Spirit" ohne
Testlauf kaufen. Mit dem Schwerpunkt auf "Human Zoo" [2003, acht Titel, u. a. "Top Of
The World", "What I Like", "Have A Little Faith"], "Homerun" [2001, sechs, u. a. "Eagle",
"Reason To Live", "Heaven"] und G. [1996, sechs, u. a. "Fist In Your Face", Let It Be",
"Mighty Quinn"] hat man quasi einen Brückenschlag zwischen den erfolgreichen VÖs der
jüngeren Vergangenheit und der beliebtesten Platte der Frühphase [Spötter würden
sagen, "die Zeit als Gotthard noch richtig rockten" ;-)] vollzogen. Wobei das 94er "Dial
Hard" mit gerade mal einem Voll- ["Mountain Mama"] und einem Kurztrack ["Why Don't
We Do it", 1 Min.] schon ziemlich kurz behandelt wird. Ansonsten gibt' s vom Debüt aus
1992 vier [z. B. "Firedance", "Standing In The Light"], vom Durchbruchalbum "Open"
[1999] drei [z.B. "You"], vom Unplugged-Werk "Defrosted" einen ["Love Soul Matter"]
Song.
Die langjährigen Gotthard-Fans finden in den vier neuen Tracks "Inside Out" [flotter
Rocksong mit sauberem Refrain, Survivor-Touch], "Fire & Ice" [sehr geile Sport-Powerhymne], "One Team One Spirit" [geniale Olympia-Bombast-Ballade] und "What About Love" [starke Halbballade] Anreizmaterial zum Kauf. Die Special-Version von "One Life One Soul" mit Monserrat Caballé und die stille Pianovariante eines der stärksten Titel
von "Homerun", "Everything Can Change", wo Steve Lee einmal mehr unter Beweis stellt,
welche Power in seiner Stimme steckt, sind ebenfalls sehr empfehlenswert. Fazit: "One Team One Spirit" bietet 150 Minuten Rock-Party, die allerhöchsten internationalen
Ansprüchen gerecht wird! Tipp: Doppel-CD rein in den Auto-CD-Player und ab auf Tour!
[Chart-Infos: In der Schweiz erreichte "One Team One Spirit / The Very Best" # 1, die
Single "One Team One Spirit" kletterte bis # 17. In Deutschland landete das
Doppelalbum auf # 77]
(13.09.2004)