Harem Scarem - Higher Ausgezeichnet, phänomenal, sensationell - ein Meisterwerk!

Straighter, ungezwungener Melodic-Hardrock in Perfektion

Das Wichtigste vornweg: Mit dem neuen Studio-Longplayer "Higher" als Ganzes gesehen haben Harem Scarem wieder Großes geschaffen. Jeder der 10 Songs ist ein Ohrwurm, sie schallen als herrlich ungezwungener Melodic-Hardrock der moderneren – weil oft stark gitarrenorientiert - Machart aus den Boxen. Sicher sollte man sich nicht die Mühe machen, einzelne Titel gezielt hervorzuheben, da alle auf einem nahezu gleich hohen Level liegen. Vielmehr ist es bei 10 Songs mit weniger als 38 Minuten Gesamt-Spielzeit klar, daß man hier keine hochkomplexen Strukturen geboten bekommt und diese Stücke zwangsläufig rasch zum Wesentlichen kommen müssen. Dabei ist "Higher" im direkten Vergleich zu "Weight Of The World", dem letzten Meisteralbum, etwas simpler, darüber hinaus auch etwas softer ausgefallen.

Das Album startet mit dem furiosen "Reach", das kraftvoll die Stärke von Harry Hess als Sänger untermauert. Der moderne Track bringt dann natürlich auch eines der berühmt-berüchtigten Gitarren-Soli von Pete Lesperance; ein Attribut, das jeder der 10 Songs innehat. Weiter geht's mit "Waited", welches sich nach feinem Akustik-Beginn zum mitreißenden Classic-Melodic-Rocker entwickelt. In diesem Stück wird eine weitere Stärke der Band deutlich: Alle vier Musiker [Barry Donaghy am Bass, Creighton Doane an den Drums komplettieren die Band] sind mit mindestens gutem Gesangstalent gesegnet, was vorzügliche mehrstimmige Refrains und Background-Passagen ermöglicht. Über "Torn Right Out", einem Pop/Rock-Track, landet man bei einer Uptempo-Nummer, die eine besonders außergewöhnliche Eigenschaft aufweist: "Give It To You" enthält phasenweise Melodic-Punk-Rock-Elemente. Die einzige Ballade des Albums trägt auch seinen Namen: "Higher" geht insbesondere deswegen unter die Haut, da es sich im Songverlauf faszinierend steigert. Das überaus straighte "Run And Hide" und auch der nachfolgende Power-Track "Lucky Ones" dealen mit tollen Killer-Refrains, wobei man dies bei Harem Scarem nicht unbedingt explizit anführen muß. Die Band wird schließlich für ihre eingängigen Refrain-Passagen bestens geschätzt und geliebt.

Beim Song Nr. 8, "Lies", präsentiert sich Harry Hess ein bißchen in Dave-Bickler-Manier [erster Sänger von Survivor]. Diese powergeladene HS-Hymne überrascht zusätzlich mit Prog-Rock-Key-Einlagen und einem perfekten Stimmungsrefrain. Letztlich hält das Quartett in "Gone" und "Lost" noch zwei solide Melodic-Rock-Stücke bereit, welche den ausgezeichneten Gesamteindruck fundamentieren. Fazit: Dieser kurzweilige 37,5-Minuten-Spaß ist ein weiterer Beleg für die Klasse des Songschreiber-Duos Hess/Lesperance, welches es auf einfache Weise schafft, hochkarätige Ohrwurm-Songs in Serie aus dem Ärmel zu schütteln. Respekt!! (29.09.2003)



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