Herbert Grönemeyer - Mensch Insgesamt starkes (gutes) Album mit einigen echten Highlights

Grönemeyer: trauernder Mann bewegt eine Nation!

Wer seit 1984 mit jedem seiner [regulären] Studioalben auf # 1 der deutschen Charts landet, der hat sich seinen Superstar-Nimbus redlich verdient! Herbert Grönemeyer kam 1984 mit der Single "Männer" sowie dem Album "4630 Bochum" ganz groß raus. Grönemeyer, der auch als Schauspieler eine gute Figur machte, setzte 1986 mit "Sprünge", 1988 mit "Ö", 1990 mit "Luxus", 1993 mit "Chaos" seinen Erfolgsweg eindrucksvoll fort. Lediglich die 95er Veröffentlichungen "Cosmic Chaos" [Remix-Album], "Unplugged Herbert" sowie "Live" verfehlten die Spitzenposition. Auch mit "Bleibt alles anders" [1998] blieb doch alles gleich, die Scheibe wanderte schnurstracks wieder auf No. 1. Grönemeyers erfolgreichste Singles waren bislang: "Männer" [# 7], "Was soll das?" [# 3, 1988] und "Deine Liebe klebt" [# 8, 1990].

Mit einer massiven Promokampagne, bei der an allen möglichen Rädern gedreht wurde, startete der neue Grönemeyer-Longplayer "Mensch" in den Verkaufs-Herbst: Show-Präsenz, TV-Specials, Heavy-Rotation des Videos zur Single "Mensch", Super-Lockangebote in den CD-Läden, Printwerbung etc. unterstütz[t]en das Werk. Die bisherige Verkaufszahl von knapp zwei Millionen in Deutschland sowie die obligate # 1 wurde aber insbesondere von der ersten Single-No. 1 des deutschen Superstars begünstigt: "Mensch", ein Song mit gewohnt kritischem Text, toller Rhythmik, schönen Hintergrundsynthies sowie ausgereift-melodischen Songstrukturen, wurde bereits vier Wochen vor Album-VÖ ins Rennen geschickt. Verpackt in eine Melodie für Jedermann avancierte der Song zum Monsterhit; innerhalb weniger Wochen setzte man mehr als 500.000 Singles ab.

Natürlich hat Herbert Grönemeyer das Album "Mensch", wie schon in der Vorab-Auskopplung angedeutet, mit dickem Leidfaden versehen: Die Verarbeitung des Todes seiner Frau, die, ebenso wie sein Bruder, im November 1998 verstarb, stellt das Hauptthema dar. Dementsprechend dominieren besinnlichere Songstrukturen, aber keineswegs in einer eintönigen Art. So überzeugt Grönemeyer im obengenannten Titelstück, bei der Tränendrüsen-Ballade "Der Weg" [HP in D: # 14], die durch Geigen-Support und die Textzeile ' ... Du hast jeden Raum mit Sonne geflutet ... ' einer wundersamen Liebeserklärung gleichkommt, sowie im hymnischen Midtempo-Pop-Song "Zum Meer" [starker Refrain!]. Immer wieder durchbrechen flotte, rockige Titel die Moll-Grundstimmung und sorgen so für Abwechslung. Grönemeyer 2002 hat nämlich auch Mitreißendes ["Neuland"], Spaßiges á la Beatles 2002 ["Viertel vor"], beinahe Fröhliches ["Lache, wenn es nicht zum Weinen reicht"] und eine Modern-Gitarren-Ballade ["Kein Pokal"] im Programm. Für einen gepflegten, konzentrierten und anspruchsvollen Musikabend ist diese Platte daher mehr als empfehlenswert. (05.12.2002)



Zurück zum Archiv der Jahre 2000 bis 2002