Journey - Arrival Ausgezeichnet, phänomenal, sensationell - ein Meisterwerk!

Altmeister des Melodic-Rock

Die wichtigsten Fakten zu Journey anno 2001 gleich zu Beginn. Aus gesundheitlichen Gründen ist Steve Perry (seit 1978 Leadsänger der Band) nicht mehr mit von der Partie. Sein Nachfolger: Steve Augeri. Der Mann trägt nicht ohne Grund den gleichen Vornamen wie Perry! Seine Stimme liegt dermaßen nahe an der vom Ex-Sänger dran, daß man phasenweise glaubt, Steve Perry würde seine Rolle immer noch ausüben. Diese verblüffende Ähnlichkeit der Stimmlagen von Ex- Sängern im Vergleich zu ihren Nachfolgern habe ich bisher (bewußt) nur zweimal erlebt! Zum einen bei Survivor: 1983 Jimi Jamison für Dave Bickler. Zum anderen wage ich zu behaupten, daß Brian Johnson, der aktuelle Leadsänger von AC/DC, seinem (1980 verstorbenen) Vorgänger Bon Scott in nichts nachsteht.

Augeri kam von der Gruppe Tall Stories und nahm mit Journey bereits den Titel "Remember Me" für den Soundtrack zum Action/Weltuntergangs-Epos "Amargeddon" auf (1998). Einen zweiten Neuzugang gab es an den Drums. Steve Smith verließ die Gruppe und wurde durch Deen Castronovo ersetzt. Dieser ist beileibe kein Unbekannter im erweiterten Journey-Umfeld. Castronovo trommelte bereits auf beiden CDs der Gruppe Bad English (1989 - 1991). Diese Gruppe bestand im Kern aus den beiden Journey-Größen Neal Schon (Gitarre) und Jonathan Cain (Keyboards) und Sänger John Waite. So ließ sich der Kontakt zu Castronovo wohl recht leicht herstellen. Man kannte ihn eben schon als gestandene Figur des Rockgeschehen. Die Band komplettiert Bassist Ross Valory.

Wie ist nun das neue Album "Arrival"? Es ist absolut faszinierend, wie es eine Band über 20 Jahre lang schafft, den Sound aufrechtzuerhalten ohne langweilig zu werden. Die neue CD ist kein Deut schlechter als der hervorragende Studiovorgänger "Trial By Fire" (1996). Neal Schon mit seiner unverwechselbaren Art der Gitarrenbedienung, die lässigen Synthiesalven von Jonathan Cain und dann dazu eine vertraute Stimme, das übt eine absolut fesselnde Wirkung aus, und zwar über die komplette Albumlänge.

Journey bleiben ihrem Rockstil treu, das hat man auch schon nach der zehnjährigen Albumpause von 1986 - 1996 gemerkt. "Trial By Fire" hatte zwar eine Portion "Frische" als Zuschlag erhalten (im Vergleich zum 86er "Raised On Radio"), aber Journey blieben unverkennbar. Die "Frische" von "Trial By Fire" ist auch auf dem neuen Album "Arrival" noch in hohem Maße zu spüren. Mit "Higher Place"(Rock!), "All The Way" (Ballade!), "Signs Of Life" (Rock!) und "All The Things" (erdiger Rock!) schickt die Truppe gleich zu Beginn vier Winning-Songs aufs Spielfeld, die die seit über 20 Jahren bekannten Stärken der Band voll ausreizen. Was da heißt: Kraftvoller und melodischer Rock mit markantem Gesang, unwiderstehlichen Gitarren-Passagen und wunderbarer Piano/Keyboard-Begleitung.

Die restlichen 11 Songs aus "Arrival" bilden ein buntes Gemisch aus erstklassigen Balladen (Tips: "With Your Love", "Lifetime Of Dreams"), typischen Journey-Power-Rocksongs (Tips: "Live And Breath", "World Gone Wild", "To Be Alive Again") plus einem Blues-Rocker á la Journey meets Gary Moore: "Livin' To Do".

Wenn man etwas an dieser Journey-Platte bemängeln wollte, dann müßte man schon sehr tief wühlen! Vielleicht ist Steve Augeri´s Stimme ein Quentchen weniger ausdrucksvoll als die von Perry. Aber der ist nun einmal eine Ausnahmeerscheinung unter den Rocksängern und es ist ein sehr großes Lob für jeden Sänger mit ihm verglichen zu werden. Schluß mit dem Schmalz! Zurück zu den Fakten. Erfolg der Journey-CD in der ersten Woche: # 56 in USA und # 75 in Deutschland. Leider vermissen vor allem die Amerikaner den Namen Steve Perry in der Band-Besetzung mehr als ich das vermutet hätte. Nach dem relativ niedrigen New Entry in die dortige Top 100 stieg "Arrival" in Woche 2 komplett "aus" (ebenso auch in Deutschland / jeweils Stand: 23.04.).

Es ist selten geworden, daß Bands aus den 70ies/80ies zu ihrem Sound stehen und dabei noch so hochwertig klingen wie Journey. Dies muß ein Kritiker-Herz einfach höher schlagen lassen. (21.04.2001)



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