| Kansas - Device - Voice - Drum |
Kansas, die mit den Alben "Leftoverture" [1976], "Point Of Know Return" [1977] und
"The Best Of" [1984] gleich dreimal US-Vierfach-Platin für mehr als 4.000.000 verkaufte
Exemplare kassierten, spielten bis 1980 in unverändertem Line-Up: Steve Walsh
[Gesang, Keyboards], Kerry Livgren [Gitarre, Keyboards], Dave Hope [Baß], Phil Ehart
[Schlagzeug], Robby Steinhardt [Gesang, Violine] und Richard Williams [Gitarre]. In den
Achtzigern begann sich nicht nur das Besetzungskarussell zu drehen, die Progrock-Band
sprang darüber hinaus auf den US-Mainstream-Rock-Zug auf. Erst im Jahr 2000 erfuhr
das Kansas-Original [plus Billy Greer] mit dem Album "Somewhere To Elsewhere" eine
Neuauflage, auch, was den reinen Prog-Sound der 70er angeht. Auf große Welttournee
ging dann eine aus Walsh, Steinhardt, Williams, Ehart und Greer bestehende Live-Truppe.
Schon beim Besuch eines der Deutschland-Konzerte der Band im April 2001 fiel auf, daß
sich die Musiker an Spielfreude gegenseitig überboten. Die Art und Weise wie diese
Routiniers ihr Handwerk ausübten, ermöglichte es, den komplexen Studiosound in
überzeugender Manier auf die Bühne zu transformieren. Diesen Eindruck gewinnt man
auch beim Hören der im Rahmen der US-Tour am 15. Juni 2002 in Atlanta eingespielten
Live-Doppel-CD "Device - Voice - Drum". Die Altmeister des Progrocks [Alter der Herren:
um die 50] lassen sich nicht lange bitten, präsentieren auf gut 100 Minuten Audio-Aufnahme die größten Singlehits, "Dust In The Wind" [# 6 in US], "Carry On Wayward
Son" [# 11 in US] und "Play The Game Tonight" [# 17 in US], sowie die stärksten Prog-Epen ihrer Bandgeschichte. Dabei fällt insbesondere auf, daß ein neues Stück aus dem
2000er Album, "Icarus II", prima mit 70er-Hymnen wie "Song For America", "Miracles
Out Of Nowhere", "The Wall" oder "Cheyenne Anthem" harmoniert. Zudem finden neben
"Song For America" weitere Tracks von den ersten drei Alben, also vor dem großen
Durchbruch im Jahr 1976, Platz auf der DCD, "Belexes", "Journey From Mariabronn",
"Icarus" kann man hier als Beispiel anführen.
Ebenfalls positiv vermerkt, habe ich die Berücksichtigung von zwei Titeln aus den 80ern,
als die Band auf den Pfaden von Journey und Survivor wandelte: "Fight Fire With Fire"
wird an dieser Stelle auf geniale Weise mit obengenanntem "Play The Game Tonight"
verbunden; ein wahrhaft spielerisch fließender Übergang! Ein weiteres Beispiel für eine
gelungene Melange: "Portrait" und "Pinnacle", zusammen im Original mehr als 14
Minuten lang, kommen in einer Acht-Minuten-Fusions-Version zum Einsatz. Zusätzlich
gibt es nettes Bonusmaterial auf der zweiten CD, das ein Video zu "Distant Vision" [aus
dem "Somewhere To Elsewhere"-Album], einen netten Bildschirmschoner und zahlreiche
Fotos beinhaltet. Meine persönlichen Wünsche wären in perfektem Maße erfüllt worden,
wenn man anstelle des Multimedia-Materials die Audio-Version von "Distant Vision" und
darüber hinaus noch "Hold On", "All I Wanted", immerhin der viertgrößte Single-Hit [#
19 in US], und vielleicht "Hope Once Again" [1995] mit auf die CD gepackt hätte. Dann
wäre vermutlich die Höchstwertung fällig gewesen. So sind es eben 'nur' sechs von
sieben möglichen Mt-CD's geworden .....
(24.01.2003)