| Michelle Branch - Hotel Paper |
Ja, vielleicht ist "Hotel Paper", der zweite Longplayer der 20-jährigen Sängerin Michelle
Branch, einen Tick weniger charmant geworden als das unbekümmerte, in den USA
doppelt mit Platin veredelte 2001er Debüt "The Spirit Room", dafür ist die Scheibe aber
wesentlich abwechslungsreicher ausgefallen. Man muß sich mal vor Augen halten: Als
Michelle Branch die Songs für "The Spirit Room" schrieb, war sie vielleicht gerade mal 16
oder 17 Jahre alt. Da ist es nur normal, wenn sich gut drei Jahre später ein
Reifungsprozeß entfaltet, schließlich ist in der Zeit von 2001 bis ins Jahr 2003 hinein im
Leben der jungen Künstlerin verdammt viel passiert. Da Michelle Branch ihre Songs aber
erneut mit feinen, faszinierenden Hooklines krönt, braucht sie sich um die Zukunft gewiß
nicht sorgen.
"Hotel Paper" legt tatsächlich mächtig los beim rockig-energischen US-Top 20-Hit "Are
You Happy Now?". Das in der zweiten Albumhälfte plazierte mitreißende "Breathe"
schlägt in die selbe Kerbe, der Refrain ist schlichtweg atemberaubend. Mit den
hochkarätigen Midtempo-Songs "Find Your Way Back", "Tuesday Morning" [kleines
Gitarren-Pop-Kunstwerk!] und "Where Are You Now?" hält "Hotel Paper" drei weitere
Songs parat, die – wie "Breathe" – absolutes Hitpotential aufweisen. Auch das flotte Pop-Duett mit Sheryl Crow, "Love Me Like That", ist ansprechend ausgefallen. Die Balladen
sind in "One Of These Days" und "It's You" auf der einen Seite sehr zart, in "'Til I Get
Over You" im ELO-Stil produziert. Sie runden das variable Angebot auf Michelle Branchs
neuem Album ab. Letztgenannter Song gehört ebenfalls zu den Anwärtern auf einen
Single-Erfolg. Garniert wird die Platte durch zwei Bonustracks, von denen "The Game Of
Love" [Santana feat. MB] essentiell ist, "Everywhere" [aus dem "TSR"-Album] dagegen
trotz seiner überragenden Klasse überflüssig erscheint, da Branch-Fans sowieso das
Debütwerk schon im Schrank stehen haben.
Fazit: "The Spirit Room" ging sofort total ins Ohr, "Hotel Paper" muß man mindestens
zwei Durchgänge gönnen, um die insgesamt etwas getrageneren Strukturen verarbeiten
zu können. Danach hat man aber genausoviel Spaß wie beim Erstling! [Chartinfos per
15.09.2003: # 43 in Deutschland, # 2 als Höchstnotiz in den USA (Gold für 500.000
absetzte Ex.)].
(12.09.2003)