| Nickelback - Silver Side Up |
Es wird viel spekuliert über die musikalische Basis des neuen kanadischen Rock-Aushängeschilds Nickelback. Man sagt der Band gerne starken Alternativ-Einschlag sowie
Metallica- und Soundgarden-Einfluß nach, bezeichnet sie sogar oft als die Erben
Nirvanas. Ich würde diesbezüglich nicht ganz so ins Detail gehen. Chad Kroeger [Voc &
Gui], Mike Kroeger [Bs], Ryan Plake [Gui & Bk-Voc] und Ryan Vikedal [Dr] spielen
einfach gut gemachten harten und fetzig-deftigen Rock - nicht mehr und nicht weniger.
Nickelback sind Teil der neuen Rock-Generation um Bands wie Creed, Staind oder
Lifehouse. Wer allerdings eine Ballade in reiner Form erwartet, davon haben vorgenannte
Bands durchaus einige vorzuweisen, der wird enttäuscht werden. Auf "Silver Side Up",
ihrem zweiten Longplayer nach dem 2000er "The State", brennt das Quartett ein
druckvolles und melodisches Rockfeuerwerk ab, das vor allem von einer sehr
ausgeprägten Dominanz des Leadsängers Chad Kroeger gekennzeichnet ist. Daß der
ganze Spaß mit lediglich 39 Minuten Gesamtspielzeit sehr stark komprimiert präsentiert
wird, ist im CD-Zeitalter zwar ungewöhnlich, schadet der Scheibe aber nicht besonders -
so beschränkt man sich wenigstens auf 10 gute Songs, von denen einige sogar
ausgesprochen hohes Niveau erreichen.
In erster Linie denkt man an Stücke wie "Too Bad", ein flotter, gradliniger Titel mit
grandiosem Refrain - evtl. die nächste Single [?], "Where Do I Hide", straighter Druck-Rock mit melodischem Chorus, insbesondere aber an die Erfolgssingle "How You Remind
Me", wenn man die Highlights des Albums auflisten will. Der zuletzt genannte US-No.1-Hit stellt extrem kommerziellen Mainstream-Gitarren-Hardrock dar, welcher neuerdings
auch die deutschen Charts besiedelt. "How You Remind Me" steht in der aktuellen
Singles-Hitparade vom 28.01.02 schon auf # 10 - mit steigender Tendenz. Dieses
Ergebnis empfinde ich als sehr außergewöhnlich, schließlich spielen Nickelback
traditionellen Rock im erweiterten Sinne und nicht den in der vergangenen Zeit
hierzulande so erfolgreichen Melodic-Punk-Rock von Gruppen wie Blink 182, Bloodhound
Gang oder Offspring.
Neben dem ebenfalls zur Fraktion 'Melodie meets fetten Hardrock' gehörenden Opener
"Never Again", bietet die CD der Newcomer auch einige erdige Hardrock-Songs wie bspw.
"Just For", "Hangnail" oder "Money Brought". Der Schlußtitel der 10-teiligen
Demonstration neuer kanadischer Rockkunst, "Good Times Gone", geht dann beinahe als
eine Art schleppende [fast] Rock-'Ballade' durch. Erfolgsbericht des Albums: in den USA
bislang Höchstnotierung auf # 2 und insgesamt über drei Millionen Exemplare abgesetzt
[Stand: Charts vom 02.02.02]; in Deutschland auf dem Vormarsch - derzeit # 6.
(31.01.2002)