| Pink Floyd - Echoes: The Best Of |
Nachdem ich nun zwei Stunden einem Pink-Floyd-Special auf HR3 lauschen konnte, ist
der beste Zeitpunkt eingetreten, um ein paar Worte über das Album "Echoes - The Best
Of" zu verlieren. Nun, die Doppel-CD schlug ein wie eine Bombe! Daß diese Band zu den
schillerndsten Erscheinungen des Rock-Geschehen des 20. Jahrhunderts zu zählen ist,
belegen die Auftaktplazierungen in Deutschland [# 2; Charts vom 26.11. gar # 1], USA
[# 2], Großbritannien [# 2], Italien [# 1] und viele weitere weltweite Top-Plazierungen.
Schlußfolgerungen bzgl. der unbedingten Notwendigkeit eine derartig kompakte
Zusammenstellung des umfangreichen PF-Materials endlich unter die Leute zu werfen,
sind ebenfalls naheliegend.
Sicher, wenn man mich spontan gefragt hätte, was ich mir bzgl. Pink Floyd in der
nächsten Zeit vorstellen oder wünschen würde, hätte ich mit dem Verlangen nach einem
neuen Longplayer der verbliebenen drei Floyds, David Gilmour, Rick Wright und Nick
Mason, geantwortet. Eigentlich habe ich mir "Echoes" nur wegen der älteren Songs aus
der Syd-Barrett-Ära gekauft, welche ich bislang zum Großteil noch nicht kannte. Und
gerade Titel aus dieser Frühphase von Pink Floyd machen den speziellen Charme dieser
Doppel-CD aus.
Meine Einstiegsplatte der Band war, bezogen auf den Erscheinungszeitpunkt, "Atom
Heart Mother" [hier übrigens nicht vertreten] aus dem Jahre 1970, die erste gekaufte
Platte war freilich "The Wall" [VÖ 1979; gekauft 1982]. Die Zeit davor, immerhin drei
Studioalben, "The Piper At The Gates Of Dawn" [1967], "A Saucerful Of Secrets" [1968]
und "Ummagumma" [1969], fehlte mir in meiner Sammlung völlig. Diese Lücke konnte
ich nun mit "Echoes - The Best Of" adäquat schließen, wobei das Live- bzw. Solomaterial-Album "Ummagumma" mit keinem Song Berücksichtigung fand.
Syd Barrett, der bis zu seinem Rausschmiß 1968 als Kopf der Band auftrat, hatte mit
psychischen Problemen zu kämpfen, die sich durch Drogenkonsum zusehens verstärkten.
Er gab Pink Floyd den Namen, der als Hommage an zwei Bluesmusiker, Pink Anderson und Floyd Council, aufzufassen ist. Songs aus seiner Feder
wie "See Emily Play", "Arnold Lane" oder "Bike" nimmt man heute als eine Art
"Psychedelic-Beatles meets Manfred Mann"-Musik wahr, während sein "Astronomy
Domine" zu den frühen Meisterwerken des komplexen Pink-Floyd-Klanges zu zählen ist.
Wie auch immer, die Barrett-Stücke bringen einen gewaltigen Spaßfaktor mit sich.
Ebenso faszinierend ist aber die Produktion dieser 26 Songs umfassenden Kompilation.
Mit fließenden Übergängen verschmelzen die 13 Songs jeder CD zu einer erstaunlich
homogenen Einheit! Besonders gelungen sind die "Another Brick In The Wall II"-"Echoes"-Brücke, mit Telefon-Tönen am Ende von Song 1 [1979] und Sonar-Geräuschen
des nachfolgenden Stückes [1971], die "Money"-"Keep Talking"-Schnittstelle, die eben
mal locker 21 Jahre Unterschied überwindet [1973 vs. 1994] und die Überleitung vom
77er "Sheep" zum 87er "Sorrow", wobei die ausklingenden Gitarren bereits mit den Keys
des nächsten Titels kombiniert werden.
Dabei stellt sich die Zusammenstellung einer Pink-Floyd-Sammlung als eine gar nicht mal
so einfache Aufgabe dar, denn mit Single-Hits war die Band beileibe nicht gesegnet.
Lediglich "Another Brick In The Wall Part II" ging als Megaverkaufserfolg in die
Musikgeschichte ein. "Money" [1973] war bspw. nur in den USA eine # 10, während es in
GB und D nicht in die Charts kam. Dennoch gilt dieser Song als einer der Klassiker der
Band. Nicht weniger ein Klassiker ist der Titel-Song zum 75er Album "Wish You Were
Here". Dieses Stück mit seinem phantastischen Akustik-Gitarren-Intro hat Massen von privaten 'Guitar-Hero's' beeinflußt und die Pfadfinderlagerfeuer in den 70ies bereichert, doch in den
Verkaufshitparaden ist es nie gelistet worden. Neben "Another Brick ..... "
hatten Pink Floyd auch in England nur einen weiteren Top-10-Hit, "See Emily Play" aus
dem Jahre 1967.
Doch irgendwie ist es hier 120%ig gelungen eine grandiose Mischung aus Titeln der drei
PF-Meilensteine, "The Dark Side Of The Moon" [1973; bspw. "Us And Them" & "Money"], "Wish You Were Here" [1975; Titelsong u. "Shine On You Crazy Diamond"] und
"The Wall" [1979; neben "Another Brick ... II" bspw. noch "Comfortably Numb"], Stücken aus der Anfangszeit, zugleich eine Würdigung an den Vater
der Band - Syd Barrett -, wichtigen Songs aus der Post-Waters-Phase [z.B. "Learning To Fly" oder "High Hopes"] und weiteren
Highlights, wie den schon erwähnten "Echoes" aus dem 71er Album "Meddle" und
"Sheep" herzustellen. Schließlich wählte man mit "The Fletcher
Memorial Home" tatsächlich den absolut besten Song aus dem LP-Tiefschlag "The Final
Cut" [1983, das letzte Waters-Album] aus - ein besonderes Kunststück!
Zu guter letzt darf man auch noch auf das aufwendig gestaltete Booklet verweisen, das
nicht nur alle Song-Texte bietet, sondern auch mit interessanten Zeitdokumenten
angereichert ist. Ein besonderes Special kann man auf der inneren Rückseite der CD-Hülle bestaunen: Ein Foto, welches mit Syd Barrett, Roger Waters, Rick Wright, Nick
Mason und dem legitimen Barrett-Nachfolger David Gilmour alle fünf Pink-Floyd-Helden
gemeinsam zeigt - eine seltene Rarität!
(24.11.2001)