| Radioactive - Ceremony Of Innocence |
Sein Name: Tommy Denander; seine Nationalität: schwedisch; sein Job: vielbeschäftigter
Multiinstrumentalist und Studiomusiker; seine spontane 1991er Schnapsidee: Mitglieder
der Gruppe Toto für ein noch recht unkonkretes Projekt zu gewinnen; seine prompte
Erfolgsquote: 100%; sein daraus resultierender Output im Jahr 2001: Radioactive.
Zwischen Idee, Konkretisierung und Vollendung des Vorhabens liegen also satte 10
Jahre.
Diese lange Zeitspanne ist umso verwunderlicher, wenn man berücksichtigt, daß
Denander bereits im Oktober '91 mit den Toto-Musikern Jeff, Steve und Mike Porcaro
sowie David Paich einen Großteil seiner auf "Ceremony Of Innocence" veröffentlichten
Songs einspielte. Die Suche nach adäquaten Sängern gestaltete sich allerdings nicht so
einfach, wie die fast komplette Rekrutierung der 91er Toto-Crew. Der plötzliche Tod von
Toto-Drummer Jeff Porcaro im Jahre 1992, bestärkte Mastermind Denander dazu noch
intensiver an der Optimierung seines Projekts zu arbeiten. Radioactive sollte erst dann
als abgeschlossen gelten, wenn er 100%ig mit dem Ergebnis zufrieden ist, und dieser
Zustand trat erst im Jahr 2001 ein.
Herausgekommen ist ein feines 12teiliges Mainstream-Rock-Werk mit phantastischen
Studiomusikern [u.a.: 8x Jeff & Mike Porcaro (Bass); 4x David Paich (Keys) & Steve
Porcaro (Programming)] und einem Initiator, Tommy D., der es insbesondere brillant
versteht mit Gitarre und Keyboard umzugehen. Ein ehrlicher Toto-Fan muß zugeben, daß Denanders Saitenarbeit phasenweise wie die des Gitarren-Meister Steve Lukather,
welcher an Radioactive nicht teilnahm, klingt. Dieser Tommy D. hat definitiv Toto-Blut in den
Adern, denn selbst Songs, die ohne direkte Beteiligung von Musikern aus dem engeren
Umfeld dieses US-Rock-Schlachtschiff entstanden sind, hätten prima auf so manches
Toto-Werk gepaßt.
Was die Sänger angeht, hat Denander ebenfalls einige Glücksgriffe gemacht. Bobby
Kimball, Ursänger von Toto und mittlerweile ja wieder fest in die Band integriert, steht
für die Songs "Crimes Of Passion" [kann der dreckig singen!] und "When You're In Love"
am Mikrophon. Beide Titel zählen zu den Highlights der Platte. Grandios gelungen ist
auch das von Fee Waybill [Tubes] vorgetragene "A Case Of Right Or Wrong". Mit jedem
dieser drei Meisterwerke erfüllt sich der Traum eines jeden Toto-Fan seine Lieblinge
endlich mal wieder in der "Seventh One"-Form zu erleben. Leider gelangen der Band seit
diesem 88er Geniestreich nur noch äußerst selten wirklich überzeugende Killer-Stücke
unter dem Toto-Etikett.
Der Melodic-Rock-Opener "The Story Of Love" gehört ebenfalls zu den herausragenden
Ereignissen von "Ceremony Of Innocence", auch dank der großen Stimme eines Geir
Ronning, der auf der CD mehrfach [hauptsächlich Backing Vocals] zu hören ist.
Darüberhinaus bietet die Scheibe gefälligen (Toto)-Mainstreamrock, dem aber jenseits
der Highlights manchmal ein Quentchen mehr Ehrgeiz bzgl. packender Refrains und dem
alles entscheidenden Winner-Point gut zu Gesichte gestanden hätte. Außerdem wäre eine
sattere Produktion von Vorteil gewesen [unbedingt laut hören!]. Eine kleine Auswahl an
weiteren Beteiligten: David Hungate [Ex-Toto], Fergie Frederiksen [Ex-Toto], Joseph
Williams [Ex-Toto], David Foster [u.a. langjähriger Chicago-Produzent]. (16.10.2001)