| Saga - House Of Cards |
Hmmm? Saga? Ist das eine neue, aufstrebende Band? So wie die loslegen auf diesem Album
"House Of Cards", kann das eigentlich nur der Fall sein! Jetzt mal im Ernst. 1997 dachte ich,
die Gruppe hätte sich mit einer weiteren mäßigen Veröffentlichung zu Grabe getragen. Die
Worte im Booklet der CD klangen nach Abschied. Ein Dankeschön an die Fans für 20 Jahre
Treue und so weiter...
In der Tat, es war ein Abschied. Der Abschied von den Verlegenheits-Platten ab Mitte/Ende
der Achtziger. Mit neuer Plattenfirma - SPV - die sich ja gerne und gut um "Altrocker"
kümmert, ging´s neu an den Start. Das Livealbum "Detours" machte schon ein wenig Laune
auf die Zukunft der Band. Mit dem 99er "Full Circle" gelang es der Gruppe dann erstmals nach
mehr als 10 Jahren wieder die Musik zu machen, die man von ihnen erwartete, diese aber
irgendwie im Dickicht der Achtziger verlorengegangen war. Da Saga sich schon immer nicht
besonders "lumpen" ließen, was die Veröffentlichungsanzahl von CDs angeht, gibt es jetzt
also das neue Werk. Wieder bei SPV und mit einem Cover verziert, das die Erinnerungen an
die Achtziger genauso aufleben läßt wie das "Full Circle"-Artwork.
Wie soll ich anfangen? Das Intro zu diesem Review verrät ja schon einiges über die Qualität
des Albums. Im Prinzip bestand die Vorgeschichte zu "House Of Cards" eigentlich nur darin,
zu überlegen, ob die CD aus 1999 nicht ein einmaliger Ausrutscher zum Besseren war. Doch
wer Saga Ende 1999 im Offenbacher Capitol live sah, der entdeckte welch ein Potential noch
in dieser Gruppe steckt. Von alten Säcken keine Spur! Und so wird man gleich beim ersten
Reinhören in "House Of Cards" der Angst beraubt, sie könnten wieder in den alten Trott der
vorangegangenen Dekade zurückfallen.
Die neue Saga-Platte glänzt mit flotten und "unverbrauchten" - weil´s so frisch klingt - Songs, die mit zum Teil traumhaften Refrains garniert sind. Die langen Instrumental-Passagen der
einzelnen Titel bekommt man in perfekter Saga-Manier noch frei Haus dazu geliefert. Man
fühlt sich in die Zeit zurückversetzt, in der Saga in den deutschen Albumcharts omnipräsent
waren. Alben wie "Worlds Apart", "Silent Knight", "Heads Or Tales" oder "In Transit"
schimmern hier phasenweise durch. Auch Anleihen an eigene Klassiker sind manchmal
unüberhörbar, aber auch durchaus bezweckt und absolut positiv zu vermerken. Denn das ist es
ja, was der "Otto Normalverbraucher"-Saga-Fan sich wünscht.
Insgesamt würde ich mutmaßen, "House Of Cards" geht noch einen weiteren Schritt in die Richtung des für
Saga typischen Musikstils als der Vorgänger. Eine Wertung, welche Platte nun besser ist, möchte
ich an dieser Stelle nicht explizit vornehmen, denn "Full Circle" hat schon die Höchstnote "1"
von mir verabreicht bekommen. Aber ich bilde mir ein, die Refrains sind noch einprägsamer
und eingängiger, die Synthies sind noch verspielter und die Gitarrenarbeit von Ian Crichton
gelingt noch eindrucksvoller. Und der gute Michael Sadler singt wie gewohnt mit dem
Potential eines erfahrenen Routiniers.
Allein schon der Start mit dem Opener "God Knows" und seinem unwiderstehlichen "...God
knows where Tommy´s gone ... ´Cause in his world it´s all gone wrong ..." - Refrain (damit meint
Sadler aber sicher nicht Musictommy ;-)))) fetzt enorm. Song Nr.2 "The Runaway" ist etwas
"schräger" und gibt frühzeitig einen Ausblick auf die kantigeren Stücke des Albums, die bei
aller Harmonie für den nötigen Gegenpol sorgen. Zu den weiteren etwas rauheren Titeln zählen das
coole Schlußlied "House Of Cards" und das genial verstrickte "That´s How We Like It"
(Gitarre & Synthies!!). Dagegen überzeugen "Ashes To Ashes", "Once In A
Lifetime", "We´ll Meet Again" (Gitarren-Intro!!) und "Only Human" mit
geradezu sensationellen Refrainstrukturen. Der Titel "Money Talks" wird als erste Single ausgekoppelt, und besitzt
Radioformat. Doch wer spielt schon Saga im Radio? "Charts rauf und runter und gleich
wieder zurück und dann wieder von vorne. Saga? - kenne mer net"-Sender FFH vielleicht?
*lautauflach*!
Wir lassen uns überraschen, was man von Saga sehen oder hören wird. Nur eines ist klar. Am
05.04.2001 treten sie in der Neu-Isenburger Hugenottenhalle auf, und Musictommy wird
dabeisein. Und eines ist noch klar: befänden wir uns jetzt in der Mitte der 80er, dann wäre
dieses Werk ein sicherer Top 10 Kandidat in Deutschland. (14.02.2001)