| Scorpions & Berliner Philharmoniker - Moment Of Glory |
"Großer Gott! Jetzt spielen diese Schlager-Hardrocker auch noch mit einem Sinfonischen
Orchester". So war ungefähr meine Reaktion auf die Vorankündigung dieses Albums im Juni
dieses Jahres. Nun, die Zweifel waren definitiv berechtigt! Macht das einstige
Aushängeschild deutscher Rockkunst in den letzten Jahren doch immer softere Musik, die im
Extremfall schlagermäßige Züge annimmt. Und dann auf der Metallica-Schiene fahren, um
diesen allgemeinen Trend des Rock meets Klassik auszunutzen. Das alles waren nun wirklich
keine guten Voraussetzungen für eine gute Platte.
Zum Beginn der EXPO gab Hannovers liebstes Kind dieses Projekt per Live-Konzert zum
besten. Das ZDF übertrug den Event, und ich - neugierig wie ich bin - schaute es mir an.
Anfangs hielten sich meine Bedenken, doch je länger das Konzert dauerte, umso mehr
gewann es an Attraktivität, bis ich zum Schluß völlig begeistert war.
Sicher, die Scorpions bieten allerhand Balladeskes. Die EXPO-Hymne "Moment Of Glory"
geriet dabei sehr nahe an den Rand eines Offenbarungseides, so seicht kommt der Titel daher - aber eben nur beinahe. Mit mehrmaligen Hören entwickelt er fast soviel Charme, wie
die neueste Single "Here In My Heart". Die großen Hits "Wind Of Change", "Send Me An
Angel" (Klaus Meine im Duett mit Zucchero) und "Still Loving You" graben sich allerdings
viel tiefer und vor allem schneller ins Ohr des Zuhörers als die beiden zuvor genannten Songs.
Den Höhepunkt dieses Werkes bildet zweifellos das Zusammenspiel von Orchester und Band
in den härteren Titeln. Das Duell von Geigen und Gitarre ist mitreißend in "Hurricane 2000"
("Rock You Like A Hurricane" im Original), geradezu sensationell in "Big City Nights"
(Leadvocals übernahm Genesis-Sänger Ray Wilson) und extrem spannend in den beiden
Instrumentals "Crossfire" und "Deadly Sting Suite". Kompliment Scorpions! Dieses Experiment ist Euch wirklich gut gelungen! (2000)