Toto - Live In Amsterdam Ausgezeichnet, phänomenal, sensationell - ein Meisterwerk!

Toto, die Livehaftigen!

Musikalische Perfektion, Spielfreude, mehr als ansprechende Songauswahl, zahlreiche Überraschungseffekte, exzellente Produktion. Kurz beschrieben: Das ist es, was "Live In Amsterdam" ausmacht. Man könnte einwenden, daß dies nach 1993 ["Absolutely Live", ohne Bobby K.] und 1999 ["Livefields"] bereits die dritte Live-Scheibe in zehn Jahren ist. Doch dieses auf den ersten Blick nachvollziehbare Argument greift hier nicht. Es greift deswegen nicht, da die nun vorliegende Veröffentlichung zum ersten Mal mit Bobby Kimball auch erstklassiges Songmaterial beinhaltet. "Livefields" war handwerklich ebenfalls sehr gut gelungen – ohne Frage: Toto können live gar nicht enttäuschen -, jedoch brachte die Tracklist außer "Hold The Line" und "Africa" viel B-Material, teilweise sogar C-Material. Letztlich ließ das überzeugende Live-Werk 1999 Wünsche offen, Wünsche, die auf der 2002/2003er 25th-Anniversary-Tour und jetzt auf "Live In Amsterdam" erfüllt wurden.

Bei "Live In Amsterdam" konzentrieren sich Toto auf die 70er/80er Outputs ergänzt um zwei Tracks vom "Through The Looking Glass"-Cover-Album aus 2002. Daß man sich hierbei mit "While My Guitar Gently Weeps" und "Bodhisattva" für die mitunter gelungensten Adaptionen entschieden hat, soll schon mal als Pluspunkt notiert werden. Aber mal ehrlich, was soll man von fünf Ausnahmemusikern wie Steve Lukather [Gui, Voc], David Paich [Key, Voc], Mike Porcaro [Bass], Simon Phillips [Drums], Bobby Kimball [Voc] und den vortrefflichen Ergänzungsspielern Tony Spinner [Gui, Voc] sowie John Jessel [Key, Voc] schon erwarten können, als eine Over-The-Top-Live-Performance. Das wird ganz besonders in den beiden atemberaubenden Medleys deutlich, in denen die Band Songs verschiedener Schaffensphasen fließend und mit spielerischer Leichtigkeit ineinander übergehen läßt. Medley 1 enthält "Girl Goodbye", "Goodbye Elenore", "Child's Anthem" [DAS Toto-Instrumental; leider nur kurz] und das instrumentale Endstück vom 78er "I'll Supply The Love". Medley 2 startet mit dem ausgesprochen charmanten, ausufernden "Waiting For Your Love" aus dem Erfolgsalbum "IV". Nach "Georgy Porgy" folgen "Lion" [Instrumental, seeeehr fein: Endlich mal wieder was vom "Isolation"-Album!] und "Hydra" [Kurze Eindrücke des 79er Instrumental-Longtracks]. "English Eyes" und Instrumental-Parts von "Till The End" beenden die beeindruckende Melange.

Erfreulich ist, daß man dem sträflich mißachteten 81er-Album "Turn Back" verstärkte Aufmerksamkeit widmet. Neben "Goodbye Elenore" und "English Eyes" findet man zusätzlich noch das geniale, flotte "Gift With A Golden Gun". Wenn man indessen an die Top-Hits der Band denkt, kommt einem nur eines in den Sinn: "Africa" [sieben Minuten], "Rosanna" [fast neun Minuten mit Gimmicks] und "Hold The Line" mit Bobby Kimball – that's it!!! Überhaupt fragt man sich permanent, wo und womit der mittlerweile 56 Jahre alte Bobby Kimball seine Stimme ölt. Wie er die hohen Gesangs-Passagen meistert, ist schlichtweg sensationell! Das beweist er insbesondere auch bei der Schlußhymne "Home Of The Brave", wo Bobby die im Original von Joseph Williams performten High-Vocals großartig wiedergibt. Des weiteren feiert man ein Wiederhören mit "Afraid Of Love", einem der besten und rockigsten Toto-Uptempo-Songs. Dabei entsteht der Wunsch nach einer permanenten Eingliederung dieses 82er-Teils in kommende Set-Listen. Die alternative Pop-Version von "I Won't Hold You Back", dem letzten US-Top 10-Hit aus dem Jahr 1983, welche im zweiten Teil dann in die Classic-Version samt einem der genialsten Steve-Lukather-Guitar-Soli ever übergeht, zeugt ebenfalls von der Kreativität der Band.

Diese Band lebt; nein, sie bebt ;-) Man kann jedem Toto-Fan den Kauf der CD und/oder der gleichnamigen DVD extrem dringend anraten! Wenn die Herren nun mit dem nächsten Studioalbum endlich einen der innigsten Wünsche ihrer immer noch zahlreichen Fans erfüllen und – ich weiß, ich wiederhole mich an dieser Stelle; aber ich tue das gerne ;-) – ihrer letzten wirklich überzeugenden Studioplatte, "The Seventh One" [1988!!], endlich einen ebenbürtigen Longplayer-Partner zur Seite stellen, dann wird diese Band ihren 30. Geburtstag im Jahr 2007 noch zünftiger feiern können. (29.09.2003)



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