Vanessa Carlton - Be Not Nobody Sehr gutes Album mit vielen Highlights!

Außergewöhnlich schöner Pop mit großartiger Stimme, phantastischem Pianospiel & grandioser Orchestrierung

Vanessa Carlton, das ist die hübsche junge Dame mit leicht asiatisch angehauchten Gesichtszügen und langen schwarzen Haaren, welche uns seit ein paar Wochen dank ihres tollen Piano-Pop-Songs "A Thousand Miles" nicht mehr aus dem Kopf geht. Doch was ist dran an der 21jährigen, - hat sie außer der hochkarätig kommerziellen ersten Single noch etwas zu bieten? Diese Frage kann man mit einem eindeutigen und stark betonten 'Ja' beantworten.

"Be Not Nobody" bietet 'andere' Popmusik, weit ab vom in den Charts sonst vorherrschenden Gitarren-Pop/Rock oder Girlie-Pop, welche trotzdem hochmelodisch und eingängig präsentiert wird. Kurz: Es ist das Außergewöhnliche, das dieses Debütwerk zum Erlebnis werden läßt. Hier tritt eine junge Sängerin an, der es in 11 [mehr oder weniger ausgeprägten] Liebeshymnen rockig oder auch ruhiger gelingt, eine derartig extreme Spannung aufzubauen, welche die jeweiligen Titel mit jedem Hören immer wieder reizvoll macht - Langweile ist hier ein definitives Fremdwort! Das von Ron Fair fett produzierte Album nimmt seine Spannung zum einen aus der permanenten Orchesterbegleitung, aber den Hauptanteil hat VC's unglaublich variable Stimme [hoch, tief, schräg, lasziv ....., alles hat sie drauf] sowie ihr Piano-Spiel. Zudem hat Vanessa Carlton alle Songs [Ausnahme: das Rolling-Stones-Cover "Paint It Black"] selbst geschrieben.

Bevor Vanessa mit Song No. 3 des Albums das Über-Highlight "A Thousand Miles" [hier paßt wirklich alles!!!!] aus dem Sack läßt, kann man beim bombastisch arrangierten Opener "Ordinary Day" sowie dem flott-rhythmischen "Unsung" bereits Bekanntschaft knüpfen mit dem niveaugeladenen Musikvortrag der jungen Sängerin/Pianistin. Das Schöne ist: Man wird, objektiv gesehen, bis zum Ende der Scheibe mit keinerlei Schwachpunkten konfrontiert, die einen dazu verleiten könnten, irgendwelche Kompromisse bzgl. des VC-Werkes eingehen zu müssen. Objektiv deswegen, weil Vanessa Carlton bei den letzten beiden Stücken, "Wanted" und "Twilight", zwar etwas Tempo und Orchester-Volumen rausnimmt und somit 'Tori-Amos-Stimmung' verbreitet. Hier zeigt sie aber eine mehr als herausragende Gesangsleistung, welche letztlich auch den Ausschlag für die sehr hohe Wertung gab. Das überzeugt sogar jemanden wie mich, der eher schnellere Stücke oder bombastische Balladen bevorzugt.

"Be Not Nobody" hat aber noch so viel mehr anzubieten außer sattem Piano-Pop in seiner reinen Form oder verträumt-ruhigen Pop-Nummern. "Pretty Baby", ein schönes, fröhliches Mitsing-Lied, das enorm dramatische sowie komplexe "Rinse", das druckvolle "Sway" mit seinen coolen Breaks und auch das leicht jazzige "Prince", welches durch ein sensationelles Klavierintro besticht, determinieren das abwechslungsreiche, hochklassige CD-Niveau. Aber: Hat der Musictommy nicht vorhin etwas von einer VC-Version des Stones-Klassikers "Paint It Black" erzählt? Warum um Himmels Willen muß sie sich denn an einer solchen Nummer vergreifen? Kann man sich mit einem Rock-Oldie-Cover nicht den Ruf mächtig ruinieren? Mag sein, in diesem Fall aber passen Carlton's kraftvolle Stimme und die gute Instrumentierung 100%ig zum Grundgerüst dieses Jagger/Richards-Stückes - tolles Rock-Intermezzo!

Erfreulich sind die aktuellen Nachrichten aus den deutschen Albumcharts. "Be Not Nobody" steigt per 22.07. auf # 7 der Hitliste ein, schafft somit den verdienten Top-10-Platz, welcher der Single "A Thousand Miles" bisher verwehrt geblieben ist [höchste Notierung: # 14, per 22.07.: # 18]. In den USA erreichten Single und Album jeweils # 5, wobei "A Thousand Miles" auch nach 22 Wochen noch auf # 9 liegt [27.07.] sowie "Be Not Nobody" in der 11. Woche weiterhin in den Top 30 gastiert [bisher 500.000 verkaufte Einheiten]. Fazit: Außerordentliche Pop-Kunstwerke verlangen nach entsprechenden Bewertungen! (19.07.2002)



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